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"Einfach nur zuhören"

Dornbirn - 365 Tage im Jahr kümmern sich die rund 70 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Vorarlberger Telefonseelsorge um die Probleme der jährlich rund 14.000 Anrufer – 24 Stunden am Tag.

Besonders zur Weihnachtszeit laufen die Drähte heiß. „Es hat heuer schon deutlich angezogen“, weiß Geschäftsführer Sepp Gröfler, der seit neun Jahren die Geschicke in Dornbirn leitet. Der gelernte Sozialpädagoge sitzt auch selber am Hörer, „um den Draht zu den Menschen nicht zu verlieren.“

Anonym und kostenlos

Die Telefonseelsorge ist laut Gröfler die niederschwelligste soziale Einrichtung in Vorarlberg. „Es kostet nichts, wir sind rund um die Uhr erreichbar und die Vertraulichkeit ist gewahrt“, betont er. In den meisten Fälle gehe es darum, „einfach nur zuzuhören“. „Wir sind nicht da, um Ratschläge zu geben“, sagt der Familienvater. Und trotzdem: Die Situationen am Telefon seien für die Mitarbeiter oft sehr belastend. Eine 200-stündige Ausbildung sowie monatliche Reflektionsgespräche untereinander deshalb verpflichtend.

Tag voller Sorgen

„90 Prozent unserer Anrufer kämpfen mit Alltagsproblemen“, erklärt Gröfler. „Die restlichen zehn Prozent sind wirklich in einer tiefen Krise gefangen.“ Und: Bei etwa drei Prozent der Anrufer gehe es konkret um Suizid. „Wir schaffen es oft, dem Betroffenen eine andere Option als den Freitod aufzuzeigen“, betont der Sozialpädagoge. Immer gelinge dies nicht. So erinnert er sich an eine Frau, die ihren Selbstmord ankündigte und zuvor „nochmal ihre Geschichte“ erzählen wollte. Und wie nach einem Arbeitstag voller Sorgen und Kummer wieder abschalten? „Persönlich geben mir meine Familie und die Natur Halt“, erklärt Gröfler. Er versuche deshalb von den Sorgen der Anrufer im Privaten Abstand zu nehmen.

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