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Eine "höfliche" Interpretation

Eva-Maria Strasser und Ludwig Kieber aus Schruns haben sich für ein modernes Bauernhaus im Stil der traditionellen Eindachhöfe entschieden. Highlight ist jedoch die Giebelverglasung.
Das Haus der Familie Strasser

Dominant liegt er da – der moderne Bauernhof von Eva-Maria Strasser und Ludwig Kieber. Die gelbliche Lärchenfassade mit ihrem leichten Glanz hebt sich kontrastreich vom saftigen Grün der Wiesen ab. Kühe haben sich zum Wiederkäuen niedergelegt. Wahrscheinlich tun sie auf den gegenüberliegenden Hängen am Fuß der Drei Türme genau dasselbe. Doch so weit reichen die Augenpaare der beiden Schrunser dann doch wieder nicht. Müssen sie auch nicht, denn der Blick auf die Gipfelvielfalt des Rätikons ist schon Genuss pur. „Und dass ich mein eigenes Vieh seh’, ist sowieso vorrangig“, erklärt der Landwirt. „So bin ich gleich zur Stelle, wenn etwas wäre, zum Beispiel wenn eine Kuh mit dem Kalben beginnen würde.“

Gerade mal ein halbes Jahr lebt der 49-Jährige mit seiner Lebensgefährtin und den beiden Kindern Anna und Thomas im  neuen Bauernhaus, und beide wissen längst die Vorteile der modernen Architektur zu schätzen. Dabei handelt es sich beim Grundriss um einen traditionellen typischen Eindachhof, in dem der Wirtschafts- und Wohnteil durch die Mitteltenne strikt getrennt sind. Mit Wirtschaftsteil ist jedoch nicht wie ursprünglich die Stallung gemeint, sondern die Büroräumlichkeiten des Bauers sowie die Schmutzschleuse. Hier kann sich Ludwig Kieber, nachdem er vom Stall kommt, duschen.Der Wohntrakt besteht dann, wie es für landwirtschaftliche Gebäude üblich ist, aus zwei Wohneinheiten. Im Erdgeschoss ist Mutter Hedwig mit Ludwigs Schwester Gerlinde zu Hause. Das Obergeschoss bewohnt er selbst mit seiner Familie.

Um zurückzukommen auf das herrliche Bergpanorama: Das integriert Architekt Udo Hebein direkt ins Wohnzimmer. Denn gegen Süden gerichtet besteht die Wohnung im Obergeschoss ausschließlich aus Glas, das bis in den Giebel reicht. Das führt zu einer einzigartigen Verbindung mit der Natur, wie es der Landwirt schätzt und genießt. „Für mich ist mein Haus zur Erholungsoase geworden“, kommt er ins Schwärmen, „hier kann ich Kraft schöpfen für den nächsten Tag, der im Sommer bereits um fünf Uhr beginnt.“

Die Giebelverglasung bildet jedoch nicht die Fassade, sondern ein großzügiger Terrassen-Vorsatz erweitert das Wohn- und Esszimmer um ein lauschiges Plätzchen im Freien. Die Länge das Vorsatzes wurde dabei exakt nach dem Stand der Sonne berechnet. So kann es im Sommer nicht zur Überhitzung des Wohnraumes kommen. Im Winter hingegen gelangen die Strahlen der tiefstehenden Sonne bis in den hintersten Winkel des Wohnzimmers und sorgen für angenehme Wärme. Die Schlafzimmer sind allesamt nach Osten, sprich zur Morgensonne hin, ausgerichet. Die Wohnung im Erdgeschoss wurde behindertengerecht konzipiert. „Meine Mutter ist bereits 77 Jahre alt“, begründet Ludwig Kieber, „für uns war das Stufenlose eine vorausschauende Maßnahme.“ Hedwig Kieber selbst schätzt jedoch am meisten den Komfort beim Heizen. „60 Jahre habe ich mit Holz gefeuert“, erinnert sie sich, „das ist im Alter körperlich ganz schön anstrengend geworden.“

DATEN UND FAKTEN

Familie Ludwig Kieber und Eva-Maria Strasser in Schruns

Wohnfl äche: Insgesamt 220 m² (30 m² Büro, 75 m² Wohnung der Mutter im EG, 115 m² Wohnung von Familie Ludwig Kieber im OG)

Grundstück: 600 m²

Architekt: DI Udo Hebein
(www.baukunst-hebein.com)

Planung: 5 Monate

Bauzeit: 6 Monate

Baujahr: 2009

Zimmerei: Richard Kieber, Schruns

Energie: Grundwasserwärmepumpe
(Warmwasser und Heizung)

Konstruktion: Es handelt sich um einen Holzständerbau, das heißt, das Baumaterial Holz dominiert. Beim Grundriss  handelt es sich um die traditionelle Hoff orm des Eindachhofes. Genauer gesagt, um ein Mitteltennhaus, bei dem sich die  Tenne zwischen Wohntrakt und Stall befi ndet und so eine strikte Trennung vollzieht. In unserem Fall ist die Tenne der  Eingangsbereich mit Stiegenhaus und liegt zwischen Büro und Wohnbereich der Mutter und der Familie Kieber.

 

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