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Eine Gemeinde als Versuchslabor

VN-Leser auf Exkursion nach Salzburg und Köstendorf in die Zukunft der Stromanwendung. 

SALZBURG, KÖSTENDORF. Einen ganzen Tag lang widmete sich eine Gruppe von 25 VNLesern der Energiezukun_t. Auf einer von VN und vkw organisierten Exkursion in die Modellgemeinde Köstendorf und die Wohnanlage „Rosa Zukun_t“ in Salzburg konnten die Teilnehmer die Anwendung von Smart Grids und Smart Meter im Alltag erleben. Die Exkursion zeigte auf, wie Smart Grids funktionieren, brachte aber auch Anwendungen von Smart Meter ins Bewusstsein der Teilnehmer. L

ebendes Versuchslabor
Erstes Ziel der Exkursion war die Gemeinde Köstendorf. Unweit von Salzburg, am Wallersee gelegen, wurde der 2500-Seelen-Ort von der Salzburg AG, dem regionalen Landesenergieerzeuger, als Modell-Gemeinde auserkoren. Der Geschäftsführer von Salzburg Netz, Michael Strebl, erklärte vorab den Teilnehmern die Zielsetzung des Projekts. Hier soll in der Praxis geforscht werden, wie ein Smart Grid, also ein intelligentes Stromnetz, mit einer hohen Dichte an Photovoltaik- Anlagen und einer Vielzahl an E-Autos funktionieren kann. 2012 wurde mit Unterstützung der Bevölkerung der Versuch gestartet. Heute sind in einem klar definierten Bereich im Dorf (insgesamt 99 Häuser) PV-Anlagen auf jedem zweiten Hausdach installiert und fast jedes zweite Haus hat ein Elektro-Auto in Betrieb. Dazu kommen auch noch fünf Häuser, die mit Batterien ausgestattet sind, um den Sonnenstrom zu speichern. Das bedeutet hohe Herausforderungen für das vorhandene Stromnetz, welches laufend auf Spannungsspitzen (Sonnenschein) und -abfälle (Wolken) reagieren muss. Hier kommen neben der Smart-Grid-Technologie auch die Smart Meter ins Spiel: Denn diese sorgen dafür, dass jedes Haus besser auf die Stromerzeugung reagieren kann. So werden etwa Wärmepumpen erst dann in Betrieb genommen, wenn die Raumtemperatur um ein, zwei Grad fällt, falls keine Sonne scheint. Auch die Elektro-Autos orientieren sich beim Laden an der regionalen Stromerzeugung. Alle Häuser sind miteinander vernetzt: Erst wird der erzeugte Strom im eigenen Haus verbraucht, dann unterstützt er Häuser in der Nachbarschaft mit erhöhtem Bedarf, und erst dann wird Strom ins Netz eingespeist. Wie das in der Praxis funktioniert, konnten die Teilnehmer bei Führungen erleben. Dabei öffnete auch ein Privathaus seine Türen, erlaubte Einblicke auf den Energieverbrauch und einen Blick in den Schaltkasten. Michael Strebl betonte, dass für die Energiewende neben der Erzeugung von erneuerbarer Energie auch eine erhöhte Energieeffizienz und die intelligente Vernetzung benötigt werden. Werner Neyer, Geschäftsführer von Vorarlberg Netz, berichtete über die Smart-Grid-Modell- Region Großes Walsertal und wies auf Leuchtturmprojekte und Entwicklungen in Vorarlberg hin.

Hybrid-Netze
Exklusiv informiert wurde die Vorarlberger Delegation über die neue Projektphase, die in Köstendorf jetzt anlaufen soll. In Zukunft wird überschüssige Energie genutzt, um mittels Power to Heat bzw. Power to Gas Wärme zu speichern oder Wasser zu Wasserstoff umzuwandeln und so die Energie zu speichern. Außerdem plant die Salzburg AG, zukünftig die Netze als Telekommunikationsstruktur zu nutzen. Das sei eine weitere Rolle, die die Netzbetreiber zukünftig einnehmen werden, so Strebl.

Rosa Zukunft
Ein zweites Leuchtturm- Projekt befindet sich im Salzburger Ortsteil Maxglan. Dort wurde eine Wohnanlage mit 129 Wohnungen errichtet, in der „Generationenwohnen“ umgesetzt wurde. Zudem wurden auch hier unter dem Motto „Smart Grids meet Smart Homes“ modernste Anwendungen installiert. Die Exkursions-Teilnehmer konnten sich davon überzeugen, wie im städtischen Bereich modernes Wohnen ausschauen kann. Die Anlage verfügt über einen 90.000- Liter-Pufferspeicher und eine 72-kWpeak-PV-Anlage, ein Blockheizkraftwerk sowie Anschluss an das Nahwärmenetz. Das Wärmenetz dient als Backup. Wenn die Sonne scheint, wird mittels der PV-Anlage Strom und Wärme erzeugt. Ansonsten sorgt das Blockheizkraftwerk für behagliche Temperaturen. 34 Musterwohnungen wurden mit zusätzlichen Funktionen versorgt: Hier gibt es „Eco-Schalter“, einen eigenen Urlaubs- und Abwesenheitsmodus und eine interaktive App, um den Verbrauch gezielt zu steuern. Die Bewohner dieser Wohnungen wurden zudem speziell geschult: Erfolge sind sichtbar, die Musterwohnungen konnten den Verbrauch um immerhin 14,88 Prozent senken.

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