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Eine Freude und ein Gewinn

"Ende. Es ist zu Ende", sagt Clov vor dem noch geschlossenen Vorhang. Und mein Sitznachbar fragt, ob wir ihn beim Wort nehmen sollen. Mein Gott, das wäre ein Verlust gewesen.

Denn was sich da nach Öffnen des Vorhangs entsponnen hat, durfte nicht versäumt werden.

Im Mai werden es 50 Jahre, dass „Endspiel“ in Paris uraufgeführt wurde. Immer wieder wurde nach dem Sinn, nach Erklärungen gesucht. Der Titel des Stückes bezeichnet in der Terminologie des Schachs die letzte Phase und Beckett selbst beschreibt sein Stück als bloßes Spiel. Hamm ist blind, kann nicht gehen, sitzt fest in einem Stuhl mitten auf der Bühne. Clov, sein Diener, kann nicht sitzen, in Bregenz dafür aber tanzen. Beide leben sie, gemeinsam mit den beinamputierten Eltern von Hamm in einer absurden Arche Noah. Außerhalb existiert nichts und wird wahrscheinlich nie mehr etwas existieren. Die Welt wurde auf einen kleinen Globus reduziert, hängend im Dunkel dieses eigenartigen Universums.

Witzige Ideen

Ursula N. Müller baute eine Art Spieltisch, auf dem Hamm in der Mitte thront, darunter versteckt die Eltern Nell und Negg, weggesperrt, sich windend im eigenen Dreck. Wenn sich die Klappen öffnen, lässt Regisseur Rüdiger Pape diese hässlichen, nackten Alten mit einer Mischung aus Pathos und groben Effekten die Variationen der Rebellion und Resignation durchexerzieren. Eva Horstmann und Peter Herff überzeugen eindrucksvoll.

Die Magie dieser Inszenierung entsteht aus der ideenreichen Verbindung von Sprach- und Bewegungsregie, die durch die zarte Musik noch zusätzliche Akzente erhält.

Pape präsentiert eine sehr phantasie- und humorvolle Interpretation, gespickt mit witzigen Ideen, Slapsticks, ohne die Tiefen des Stückes zu verlieren. Während der Text sarkastischen Humor versprüht und das Lachen im Halse stecken bleibt, wirkt das Spiel erlösend und bringt die Figuren sehr nahe. Die Regie ist dem Text tief auf den Grund gegangen und hat die kleinsten Stimmungsbilder herausgearbeitet. Müllers Ausstattung unterstützt dieses Theater des freien Phantasierens, gemeinsam mit den Lichtstimmungen Arndt Rösslers.

Franz Nagel als Hamm gibt einen starken Tyrannen mit sehr sanften Momenten. Festsitzend auf seinem Thron spielt er mit ungeheurer Vielfalt und Energie. Clov, wunderbar Mario Plaz, ist ein Clown, der mit der Leiter tanzt, verzaubert und tröstet in diesem hoffnungsarmen Spiel.

Der Abend war eine Freude, ein Gewinn. Das Publikum dankte mit viel Applaus. Nächste Aufführung von „Endspiel“: 15. März, 20 Uhr am Bregenzer Kornmarkt. Dauer: gut eineinhalb Stunden, keine Pause. Die Produktion bleibt länger auf dem Spielplan.

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