Eine Aera geht zu Ende

Fred Nagel
Fred Nagel ©REW
Drogerie Nagel

Nach 80 Jahren schließt das Traditionsfachgeschäft Drogerie Nagel in Höchst.

Höchst. Sie gehört zum Ortsbild, fast schon wie die Kirche und das Gemeindeamt: die Drogerie Nagel. Hinterm Verkaufstresen steht dort schon seit ewigen Zeiten Fred “Freddy” Nagel. Nun geht der 64-jährige in die wohlverdiente Pension, und nach achtzig Jahren Drogerie Nagel werden Ende März die Rollläden heruntergelassen.
Fred Nagel ist in dem altehrwürdigen Gebäude, das 1837 erbaut wurde, aufgewachsen. Schon von klein auf war klar, dass er das Geschäft seines Vaters, Albert Nagel, übernehmen würde. Der hatte die Drogerie im Jahr 1931 eröffnet und erlebte gute, aber auch schwere Zeiten. “Vor allem im Krieg hatte es mein Vater nicht leicht. Man hatte fast nichts und musste teilweise Kunden wieder wegschicken. Aber nach dem Krieg ging es aufwärts, da gab es bis zu 20 Prozent Zuwachs pro Jahr. Das war dann so die Zeit, als ich angefangen habe”, sagt Fred Nagel.

Drogerist aus Leidenschaft
Er hat es nie bereut, kennt so gut wie alle seine Kunden beim Vornamen, viele sind Stammkunden. Denn das überzeugendste Verkaufsargument ist/war Freddy selbst: “Also, das allerschönste an meinem Beruf ist der Kontakt mit den Menschen. Wenn zum Beispiel jemand reingekommen ist, der eigentlich gar nichts kaufen wollte, sondern nur sein Herz ausschütten. Wenn derjenige dann raus gegangen ist, und ich ihm angesehen habe, dass ich ihm helfen konnte, und er erleichtert ist. Ja, das war das Schönste. Es ging mir nie darum, dass ich am Abend eine volle Kassa hatte!”, erzählt Fred Nagel, und das glaubt man dem sympathischen Mann sofort. Seit acht Jahren war er nicht mehr im Urlaub, hatte sechs Tage die Woche geöffnet. Auch vor den letzten acht Jahren war er höchstens mal eine Woche weg, nie länger. Er musste schließlich für seine Kunden da sein.

Eierfarben, Eierfarben, Eierfarben
Die Produktpalette der Drogerie Nagel war groß: Vom Parfüm und Kosmetik über Tee und Gesundheitsprodukte bis hin zu Farben und chemischen Stoffen. Der größte wirtschaftliche Erfolg waren die Ostereierfarben. Von Albert Nagel erfunden, wurden über 1,5 Millionen Packungen der giftfreien Farben verkauft. Viele in der Drogerie selbst, ein großer Teil wurde aber auch in andere Geschäfte, hauptsächlich in die Schweiz, exportiert. Jede einzelne davon wurde von Hand abgefüllt – bei drei Farbröhrchen pro Packung jede Menge Arbeit.
Trotz diesem Verkaufsschlager würde es sich kaum rentieren, das Geschäft mit einem Nachfolger offen zu lassen, meint Fred Nagel. “Seit es mehr und mehr die großen Ketten und Einkaufszentren gibt, geht unser Umsatz zurück. Die jungen Leute wollen ein Einkaufserlebnis und nicht nur einen kleinen Laden, wo sie nur bestimme Sachen kriegen. Aber ich jammere nicht, das ist eben der Lauf der Dinge!”
Und so heißt es nach vielen langen Jahren Abschied nehmen von der Drogerie Nagel. Ein bisschen verloren, ein bisschen wehmütig zwischen all den halbleeren Regalen, sagt Freddy zum Abschied: “Jaja, es tut mir schon weh im Herz.”

Höchst,Hauptstraße 20, Austria

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