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Ein Werk, das wirklich gefangen nimmt

Bregenz - "Tod in Venedig" bzw. "Death in Venice" von Benjamin Britten zählt gewiss zu den außergewöhnlichsten Musiktheaterstücken des 20. Jahrhunderts.  Stimmen zur Oper  | SPÖ-Gespräche  | Bilder vom Abend 

Auf der berühmten Novelle von Thomas Mann basierend, steht es im deutschsprachigen Raum dennoch selten auf dem Programm der Opernhäuser. Im Norden (Mann stammt schließlich aus Lübeck) taucht es hie und da in den Spielplänen auf. An der Frankfurter Oper hatte es im Vorjahr in einer Inszenierung von Keith Warner Premiere.

Zu den Wurzeln

Die Bregenzer Festspiele mit ihrem britischen Intendanten David Pountney gingen zurück zu den eigentlichen Wurzeln und sicherten sich das vom Komponisten gegründete Aldeburgh Festival, bei dem „Tod in Venedig“ im Juni 1973 uraufgeführt wurde, als Koproduktionspartner für die diesjährige Eröffnungspremiere. Englische Kritiker sollen gejubelt haben, nachdem die Neuinszenierung von Yoshi Oida vor wenigen Wochen zuerst dort vorgestellt wurde. Das BregenzerFestspielpublikum zeigte sich gestern Abend fasziniert bis reserviert.

Eines steht aber fest, das Werk bzw. die Produktion nimmt ungemein gefangen. Brittens Musik, seine intelligente Behandlung der Instrumente (extrem viel Schlagwerk, die Kombination von Klavier und Bläser, Flöte und Oboe), die filigranen Klänge, der fortwährende Einsatz weniger Stimmfarben fast bis hin zum Sprechgesang hat diese berühmte Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann und die die Sinne schärft.

Gültige Musik

Man mag einwenden, dass das Libretto von Myfanwy Piper angesichts des Textes von Thomas Mann in seiner Einfachheit mitunter schmerzt. Die Novelle vom alternden deutschen Schriftsteller Gustav von Aschenbach, der sich in Venedig auf der Suche nach der Schönheit beim Anblick eines ebenmäßig gewachsenen polnischen Knaben in eine unerfüllbare Liebe steigert und stirbt, findet in der Musik – und auch in der Interpretation der Wiener Symphoniker unter Paul Daniel – allerdings einen gültigen Ausdruck.

Echt bis zum Wasser

Ob das in einer Inszenierung überhaupt möglich ist, sei dahingestellt. Keith Warner hat in Frankfurt beim Zusammenspiel von Sängern und Tänzern etwas viel mit filmischen Effekten gearbeitet, versetzte das Geschehen aber ins räumlich Undefinierbare.

Der Japaner Yoshi Oida wendet sich mit seinen Ausstattern Tom Schenk (Bühne) und Richard Hudson (Kostüme) weit mehr dem Realismus zu. Das reicht bis zum knöcheltiefen, das Meer definierenden Wasser, über das Holzstege gelegt wurden, die jenen am Lido von Venedig gleichen. Das reicht vor allem aber auch bis zu den reichlich ausgeschmückten Kostümen aus der Zeit des frühen 20. Jahrhunderts.

Reduziert man die Aktionen dabei auf ein dem japanischen Stil nachempfundenes Schreiten, so mag das der Handlung, die ja nur aus Beobachtungen des Protagonisten gespeist wird, durchaus dienen. Mitunter und vor allem in den eingeflochtenen Szenen mit dem ältlichen Geck, dem Friseur oder dem Straßensänger, driftet die Szene optisch aber auch zu unfreiwilliger Komik ab.

Verstärkt durch den nackten, mit Schweinwerfern bestückten und das Illusionstheater ablehnenden, kleinen Bühnenraum erhält die hier vollzogene Reduktion damit auch einen durchaus fragwürdigen Charakter. Die kleine Öffnung an der hinteren Bühnenwand, ein Fenster zum Meer, aber auch Projektions- und Spiegelungsfläche, tut ihr Übriges im etwas aufgezwungen wirkenden Spiel mit Realität und Vorstellung.

Bleibt freilich ein rundum präsenter Alan Oke in der Hauptrolle. Hier trägt eine Stimme, fast möchte man sagen, ein Wohlklang, immerhin den ganzen Abend. Kontrastiert wird sie von Peter Sidhom, der den farbigen Rollen (Geck, Gondoliere etc.) markant Ausdruck verleiht. Den guten Kontratenor eines Will Towers hätte man sich vielleicht noch etwas beweglicher gewünscht. Der Britten Festival Chorus ist bestens gewappnet, wirkt im Festspielhaus an einigen Stellen – aufgereiht auf den Planken – aber etwas flach. Tänzer und Choreographie ordnen sich sozusagen bestens ein. Was bleibt, ist eine hochgradig musikalische Umsetzung von Brittens Oper und eine Inszenierung, die im Grunde schlicht erzählt, ohne Sichtweisen vorzugeben.

Das allein mag bei diesem Werk, dem man unbedingt begegnen sollte, allerdings schon etwas heißen.

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