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Ein Steingarten im Meer

©SRT
Norwegens südlichster Zipfel erinnert an eine Mondlandschaft - karg, bizarr und ein bisschen wild!
Bilder

Der strahlend blaue Himmel wird von ein paar „Wolkenschäfchen“ durchzogen. Statt des Blökens sind lediglich das Geschrei einiger aufgeregter Möwen und das Rauschen des Meeres zu hören. Die Wellen prallen wild und ungestüm gegen die steil abfallenden Klippen, die schon so manchem Schiff zum Verhängnis wurden. Die Gischt spritzt an einem der wohl spektakulärsten Küstenabschnitte Norwegens meterhoch. Das Festland rund um Lindesnes, den südlichsten Zipfel des skandinavischen Königreichs, gemahnt an eine Mondlandschaft. Karg, bizarr und ein bisschen wild.

Haarsträubende Geschichten

„Keine Frage, das Kap wirkt am spektakulärsten, wenn es stürmt und windet“, macht Leuchtturmwärter Thor Ivar Hansen deutlich. „Dann laufen die Museumsmitarbeiter zu Höchstform auf und spinnen fleißig Seemannsgarn“, lacht der kernige Bursche mit dem schütteren Haar, wohl wissend, dass so manchem der großen und kleinen Besucher angesichts der haarsträubenden Geschichten von Schiffskatastrophen und Unglücken mancher Schauer über den Rücken läuft. Seit 1655 befindet sich auf dem Kap inmitten des Nichts das älteste Leuchtfeuer Norwegens, auch wenn der heutige Leuchtturm aus dem Jahre 1915 stammt.

Ein Steingarten im Meer

Unterhalb des windumtosten Felsplateaus fällt die weit verzweigte, schroff e Schärenlandschaft ins Auge. Ein Steingarten zwischen Nordund Ostsee, der vor der Erfindung von Echolot und Radar für so manchen Seemann zur Falle wurde, wenn er versehentlich sein Schiff hier hinein manövrierte.
Die deutsche Wehrmacht schuf ein weit verzweigtes Tunnelsystem. Seit mehr als 350 Jahren warnt an dieser Stelle, exakt 2518 Kilometer südlich des Nordkaps, ein Leuchtfeuer die Besatzungen an Bord der Schiff e vor diesem unberechenbaren Stück norwegischen Festlands. Über Jahrhunderte wurde in Lindesnes im wahrsten Sinne des Wortes rund um die Uhr mit Kohle ein nie erlöschendes Feuer abgefackelt. Was angesichts der mitunter unwirschen Witterung alles andere als ein Zuckerschlecken war. Erst 1822 erhielt die sechseckige Feuerstelle, die ein bisschen wie ein zu flach geratener Kirchenbau wirkt, eine Glasummantelung als Schutz vor Wind und Wetter. Knapp drei Jahrzehnte später hatte die Kohle ausgedient. Stattdessen wurde nun das Leuchtfeuer mit Hilfe einer Öllampe und eines rotierenden Linsenapparats betrieben.

Die „Feuerwächter“

Die „Feuerwächter“ „Das Leben für die Feuerwächter war hart und entbehrungsreich“, berichtet Thor Ivar Hansen von langen Wintern, von den vielen einsamen Stunden ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt und er Tatsache, dass Lindesnes über Jahrhunderte nur auf dem Seeweg erreichbar war. Erst mit dem Bau der Straße und dem Einzug moderner Kommunikationsmittel änderte sich das Leben auf der Halbinsel, wo 1915 ein moderner Leuchtturm in Betrieb genommen wurde. Direkt neben dem rot-weißen, gusseisernen Monstrum duckt sich das Holzhaus des Leuchtturmwärters inmitten der kargen Landschaft vor den heranpreschenden Winden.

Während des Zweiten Weltkrieges nisteten sich deutsche Truppen auf dem Kap ein. Konnte doch von hier dank der strategisch günstigen Lage zwischen Nordsee und Skagerrak einer der wichtigsten nordeuropäischen Schifffahrtswege kontrolliert werden.

Weit verzweigtes Bunkersystem

Die Wehrmacht schuf ein weit verzweigtes Tunnelund Bunkersystem, um sich vor möglichen Angriffen zu schützen. Die ungeliebten Besatzer sind samt ihrer Kanonen und Geschütze längst verschwunden. Geblieben sind die Tunnel sowie die mannshohen Gänge rund um den Leuchtturm. Und diese sind für die mehr als 100.000 Besucher jährlich mal Abenteuerspielplatz, mal Windschutz, auf jeden Fall aber ein lohnendes Ziel wie das gesamte Kap Lindesnes.

Der südlichste Punkt von ganz Norwegen

Lindesnes ist eine Kommune in der Provinz Vest-Agder in Norwegen, die etwa 90 Kilometer Küstenlinie und 4600 Einwohner hat. Sie liegt etwa auf dem gleichen Breitengrad wie Nord- Schottland. Bekannt ist die Region vor allem durch das Kap Lindesnes, den südlichsten Punkt Norwegens. Bis zum Nordkap sind es vom Kap Lindesnes aus genau 1682 Kilometer Luftlinie.

40 Kilometer sind es von Mandal, der südlichsten Stadt Norwegens mit ihren 13.000 Einwohnern, bis zum Kap Lindesnes. Die Halbinsel am südlichsten Zipfel des Landes beeindruckt vor allem durch ihre besonderen Naturreize. Felsdurchsetzt, windzerzaust – aber auch mit einigen herrlichen Stränden.

Sandstrände mit windstillen Plätzchen

Mit rund 800 Metern Länge ist der Sandstrand Sjøsanden unweit des Stadtzentrums von Mandal einer der populärsten Strände Norwegens. Sjøsanden ist Teil des Naturparks Furulunden, zu dem weitere schöne Strände wie Kanelstranda, Lordens, Lillebanken, Banken und Spidsbo gehören. Badefans finden immer ein windstilles Plätzchen – ganz gleich, woher der Wind weht.

Angeln im Meer und am Lachsfluss Mandaselva

Auf der Halbinsel Lindesnes findet man an vielen Stellen das Flair Nordnorwegens. In einer kleinen, langgestreckten Bucht geschützt gelegen, bietet sie dem begeisterten Meeresangler ein fantastisches Revier mit vorgelagerten Inselketten, tiefen Gräben (ufernah schon über 120 Meter tief), Unterwasserplateaus und Rinnen direkt vor der Haustür. Außerdem gibt es auf der Halbinsel auch einige schöne Bergseen mit einem guten Bestand an Forellen und Saiblingen. Die bekannten Lachsflüsse „Audnaselva“ und „Mandalselva“ sind mit dem Auto schnell und bequem erreichbar.

Der Mandalselva gilt als einer der besten Lachsfl üsse Norwegens überhaupt – die jährliche Fangmenge liegt zwischen acht und elf Tonnen Lachs. Auf einer Gesamtlänge von ungefähr 48 Kilometern kann man am Mandalselva die Angeln auswerfen.

2518 Kilometer bis zum Nordkap

Bis zum Nordkap sind es vom Kap Lindesnes 2518 km Luftlinie. Hier liegt natürlich auch der südlichste Sandstrand Norwegens und das Lindesnes Fyr, das älteste Leuchtfeuer des Landes.

Das Lindesnes Fyr war das allererste

Norwegens erstes Leuchtfeuer wurde 1656 in Lindesnes entzündet. Der heutige Leuchtturm wurde 1915 erbaut, 2004 wurde Norwegens erstes Leuchtturmmuseum eröffnet.

Ein Ausflug zum Friedensstein

Das Friedensmonument, der „Pax-Stien“, liegt in unmittelbarer Nähe des „Lindesnes-Fyr“-Leuchtturms. In Spangereid warten Grabhügel und Zeugnisse aus der Wikingerzeit.

REISEINFOS

Anreise: Die Anreise mit den Fähren der Color Line von Hirtshals nach Kristiansand ist die sinnvollste und schnellste Variante – von dort erreicht man Lindesnes mit dem Auto in 1,5 Stunden.

Lindesnes Leuchtturm: Öffnungszeiten sind von Mitte Oktober bis Mitte April samstags und sonntags 11–17 Uhr, im Mai und von Mitte August bis Mitte Oktober täglich 11–17 Uhr, im Juni täglich 10 –18 Uhr sowie vom 1. Juli bis Mitte August täglich 9–21 Uhr. Der Eintritt beträgt 40 Kronen; Internet: www.lindesnesfyr.no.

Unterkunft: Diverse Gästehäuser und Campingplätze (Internet: www.reuber-norwegen.de).

Weitere Informationen: Innovation Norway, Postfach 113317, 20433 Hamburg, Tel. 0180/5001548 (12 Cent/Min.), E-Mail: germany@invanor.no, Internet: www.visitnorway.de.

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