„Ein Pferdeparadies sieht anders aus“

Die meisten Pferde auf dem Oberländer Hof sind zwischen 20 und 30 Jahre alt.
Die meisten Pferde auf dem Oberländer Hof sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. ©W&W
Tierschützer klagen die Zustände bei einem Pferdehalter im Oberland an. W&W war mit ihnen und dem zuständigen Amtstierarzt vor Ort.
Tierschützer klagen an

„Hier lässt man Pferde hungern und sie verenden zum Teil qualvoll“, lautet der schwere Vorwurf der Tierschützer. Ihnen sei zugetragen worden, dass es auf dem Hof desolate Zustände gebe und den Tieren hier großes Leid widerfahre. Besonders, dass auf den im Rahmen eines Gnadenbrots weiter gehaltenen Pferde noch geritten werde, sei eine Katastrophe. Der Halter der Tiere kann diese Aufregung nicht verstehen: „Ja, auf den meisten Tieren wird noch geritten, aber nicht galoppiert. Die jungen ReiterInnen holen die Pferde zum Teil auch aus dem Stall, wenn ich überhaupt nicht da bin“, erzählt er. „Wenn ich weiß, dass jemand kommt, lasse ich offen und sie können sich die Pferde selbst holen. Wie sie dann reiten, kann ich nicht beaufsichtigen.“ Hier seien auch die Eltern in der Pflicht, räumen die Tierschützer ein.

„Hörensagen“

Dass diese jungen ReiterInnen mit ihren Smartphones Bilder und Videos von mageren Pferden machen, um sie über die Sozialen Medien zu verbreiten, bringt den Pferdehalter in Rage. „So schaukelt sich das Ganze über Hörensagen hoch und der Ton wird schnell schärfer“, bestätigt Amtstierarzt Dr. Oswald Kessler. „Zusammenhanglose Bilder verbreiten sich im Netz und führen dann dazu, dass Leute hetzen, die nie selbst vor Ort waren“, führt er weiter aus. „Nach meinem Eindruck könnte der Betreiber seinen Hof sogar als Gnadenhof anmelden und eine entsprechende Förderung erhalten.“

Bekannter Fall

„Wir haben im Sommer Meldungen zu diesem Hof erhalten und der Betreiber hat nach Untersuchungen alle Verbesserungsaufträge umgesetzt“, betont der Veterinär. „Ein Paradies für Pferde würde ich mir anders vorstellen, aber tierschützerischen Handlungsbedarf gibt es von Gesetzeswegen keinen.“ Den Stein ins Rollen brachte ein Video des Tierschutzvereins Rankweil (QR-Code), auf dem zu sehen ist, wie ein Pferd in seiner Box stirbt. Diese emotionalen Bilder waren für die Tierschützer der Beweis, dass Gefahr in Verzug ist und etwas passieren muss. „Wir haben uns Hilfe von den Behörden erwartet, aber passiert ist nichts“, heißt es von Seiten des Tierschutzvereins. „Natürlich ist der Tod kein schöner Anblick. Ein Pferd sterben zu lassen, ist aber an sich kein Tierschutzdelikt“, erwidert Kessler. „Ein Gesetz ist ein gesellschaftlicher Kompromiss. Während die einen sagen, man solle das Tier erlösen, verstehe ich auch, wenn man der Meinung ist, dass man dem Pferd nicht wenige Stunden vor seinem Tod eine Dosis Gift spritzen sollte“, führt er weiter aus. Aufgrund der oft extrem unterschiedlichen Ansichten von Tierschützern und -haltern, sei Tierschutz immer eine Gratwanderung.

Hände gebunden

Besonders bei der Kommunikation seien dem Beamten die Hände gebunden. „Es ist mir grundsätzlich nicht gestattet, über ergriffene Maßnahmen Auskunft zu geben. Oft sieht das für die Personen, die ein vermeintliches Vergehen gemeldet haben, so aus, als hätten wir überhaupt nichts getan. Dem ist aber nicht so“, erklärt Kessler.

„Panikmache ist kontraproduktiv“

Norbert Greber, Landesveterinär: „Wenn Halter Gnadenbrot für frühere Arbeitstiere geben, ist das löblich. Andere töten die Tiere einfach. Amtstierärzte engagieren sich für den Tierschutz. Panikmache oder Diskreditierung ist hier absolut kontraproduktiv“.

„Situation vor Ort angesehen“

Peter Lins, Polizeikommandant: „Am vergangenen Samstag wurden wir wegen eines angeblich verendenden Pferdes informiert und um Intervention ersucht. Eine Patrouille hat sich die Situation vor Ort angesehen und den Sachverhalt erhoben.“

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Video vom Tierschutzverein

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