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Ein Juwel wird wohnlich

Gekonnt setzten HK Architekten ein infrastrukturelles Kraftpaket aus Stiege, Lift und Garage in einen denkmalgeschützten Einhof.

Das Vorderwälderhaus in Sulzberg ist außergewöhnlich schön, auch von seiner Innenausstattung blieb vieles erhalten. Es steht unter Denkmalschutz, der Bauherr wünschte es barrierefrei und mit Garage. HK Architekten passten sein Raumprogramm so behutsam in das Baujuwel ein, dass es von außen kaum auffällt. Alles unabdingbar Neue – das Stiegenhaus mit Lift, Sauna und Garage – setzten sie zwischen den haushohen Tenn und das Wohnhaus, ohne deren Statik anzutasten.

Die Lage ist traumhaft. 1000 Meter Seehöhe, sachte, bewaldete Hügelkuppen, das alte Vorderwälderhaus mit dem eingezäunten Bauerngarten ist außerordentlich schön. Leicht erhöht steht es auf seinem steinernen Kellersockel, der schützt vor Wasser. Darüber massive Holzwände, gestrickt, die Schindelfassade trotzt jedem Wetter. Alles Fichte. Unter ein und demselben Dach schließt das Tenn an, am nordwestlichen Hausende reicht es bis zum First. Die alte Kapelle vor der Einfahrt schützt Mensch, Tier und Ernte.

Schutz: Der steinerne Kellersockel und die Schindelfassade aus Weißtanne schützen vor der Witterung, die kleine Kapelle vor allem, wofür Gott zuständig ist.

Das eigentliche Wohnhaus hatte einen fast quadratischen Grundriss, sein Zentrum bildete die Stube mit dem Kamin. Die kleinen, Kastenfenster mit Lüftungsflügeln, Bodendielen, Kassettendecken aus Holz, Wandtäfer, ein Kachelofen aus der Bauzeit - vieles war erhalten. Der Eingang befindet sich südwestseitig, eine einläufige Stiege führte an der Trennwand zum Tenn nach oben. Das Haus ist ein Prachtexemplar der Gattung Einhof, wie sie im Vorderen Bregenzerwald üblich war. Es steht unter Denkmalschutz und fand lang keinen Käufer.

Typisch: Das alte Bauernhauses ist ein Prachtexemplar der Gattung Einhof, wie sie für den Vorderen Bregenzerwald typisch ist. Zwei Drittel Tenn, im Kopfteil das Wohnhaus.

Der Bauherr besichtigte es bei Schneesturm, er ist 1,87 Meter groß und muss sich bücken, wenn er es betritt. "Unten kann ich nicht überall aufrecht stehen." Trotzdem war er sofort begeistert. "Es hat ein besonders einnehmendes Inneres. Der Boden in der Küche ist original erhalten, sogar der Herd funktioniert noch", schwärmt er. Hier darf nichts mehr gebaut werden, der Blick wird ihm bleiben. Er verlegte seinen Hauptwohnsitz nach Sulzberg, Barrierefreiheit, Lift, eine Gästewohnung, die auch künftige Pflege ermöglichte, Garage und Sauna waren unabdingbar.

Optimale Position: Vom Wohnhaus an der südöstlichen Stirnseite sieht man über den Bregenzerwald, der Bauerngarten davor ist umsichtig eingemauert, denn der Hang fällt ab.
Die Stiege ist das Highlight des Umbaus. Sie verbindet den Wohnteil mit dem angrenzenden Tenn, wo sich Garage und Sauna befinden.

HK Architekten bauten die Pretiose um. "Unsere Intention war ein möglichst behutsamer Umgang mit dem Bestand. Wir nahmen nur Eingriffe vor, die zwingend notwendig waren, um die gewünschten Räumlichkeiten zu schaffen", sagt Projektleiter Roland Wehinger. "Von außen sollte man kaum etwas sehen." Das Wohnhaus im Kopftrakt blieb fast unverändert, einzig eine dünne Zwischenwand wurde entfernt, um einen größeren Essbereich zu schaffen. Er ist über eine Durchreiche mit der Küche verbunden.

Das Wohnhaus blieb fast unverändert: Der Kachelofen stammt noch aus der Bauzeit.
Die kleinen Kastenfenster mit den Lüftungsflügeln, das Holztäfer und die Dielen in der guten Stube mit der typischen Eckbank sind auch noch original erhalten.

Eine massive Strickwand bezeichnet das Ende des Wohnhauses, dahinter begann das Tenn, der etwa zwei Drittel des Langhauses einnahm. Hier wurde Ernte gelagert, landwirtschaftliches Gerät und Maschinen untergestellt und repariert. "Am Hausende reicht das Tenn bis an den First. Daran schloss der Teil mit der Zwischendecke für den Heuboden an." An seiner Stelle fügten die Architekten das neue, barrierefreie Stiegenhaus und die Garage ein. Wo früher der Traktor zufuhr, fährt heute der Bauherr zu, die Einfahrt verschwindet in der Holzlattung. "Wir haben die statische Struktur des Tenns erhalten und als Bindeglied zum Wohnhaus die Treppe eingesetzt", sagt Wehinger. Die Holzkonstruktion wurde gekappt, Stiegenhaus, Lift, Sauna und Garage sind als autonome Sichtbetonelemente zwischen Tenn und Haus gestellt. Die gestrickte Außenwand des Wohnhauses wird zur Innenwand und Geschichte präsent.

Die einzige Änderung, die HKArchitekten im Wohnhaus vornahmen: eine dünne Zwischenwand fiel, um den Essbereich zu vergrößern, die Küche bekam eine Durchreihe.

„Das Stiegenhaus ist das Highlight“, sagt Wehinger. Hier vergrößert sich der Lattenabstand, so sieht man durch das dahinterliegende Glas wunderbar in die Landschaft. Die Treppe ist mit Stahlwange, aufgesetzten Trittstufen aus Fichte und einem Handlauf aus Schwarzstahl von eleganter Leichtigkeit, der Lift verschwindet hinter Täfer aus Fichte, die Podeste passen sich an die unterschiedlichen angrenzenden Ebenen an, ganz selbstverständlich verschränken sie Wohn-, Schlaf- und Gästebereich. Dieser schlüpfte unterm Dach unter, dessen seitliche Sparren verstärkt und verkleidet wurden. 4000 Stunden Holzarbeit stecken drin.

Die alte gestrickte Holzwand (rechts) war früher Außenwand, die Treppe ist mit Stahlwangen und aufgesetzen Trittstufen aus Fichte sehr lichtdurchlässig gestaltet. Der Lift versteckt sich hinter dem Täfer.

"Mit jedem Umbauschritt wuchs unsere Freude", sagt der Bauherr. "Die Vorstellung, die wir hatten, wurde bei weitem übertroffen." Wo man am Zwischenpodest durch Fichtenlatten in die Landschaft sieht, steht ein bequemer Fauteuil. Der liebste Leseplatz des Bauherrn, unter der Glasplatte am Boden liegen die alten Steine, die früher im Keller waren. Stück für Stück wurden sie gerettet. Auch die abschließende Tenne blieb, wie sie war. Hier wer - den gerne Feste ausgerichtet. Der Bauherr: "Mich reut kein Euro, den ich da reingesteckt habe. Der ideelle Wert des Hauses ist unbezahlbar."

In der Gästewohnung am Dach stecken 4000 Stunden Holzarbeit. Die Sparren wurde mit Täfer aus Weißtanne verkleidet, auch der Boden ist aus Weißtanne.

Daten & Fakten

Objekt Haus Gantner/Bundschuh, Sulzberg
Bauherr Florian Gantner
Architektur HKArchitekten, Schwarzach Roland Wehinger, Christoph Lauritsch www.hkarchitekten.at
Statik Mader Flatz ZT, Bregenz, www.mfs-zt.at
Fachplanung Bauphysik: WWS, Frastanz; Elektro: elplan Lingg, Schoppernau; Licht: Manfred Remm, Schoppernau
Planung 09/2018–03/2019
Ausführung 03/2019–10/2020
Grundstück 1730 m²
Nutzfläche 697 m² (zzgl. Nebenräume, Keller)
Bauweise Ertüchtigung der bestehenden Dielen - decke, geringfügige räumliche Adaptierungen im bestehenden Wohnhaus
Konstruktion Bestand: Verstärkung Dielenboden mit Aufbeton, Ertüchtigung Dachstuhl für Ausbau; Neues Treppenhaus; Massivholzdecken; Garage/Sauna: Stahlbeton
Besonderheiten Denkmalgeschütztes Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, von dem außergewöhnlich viel Innenausbau erhalten geblieben war. Alle Umbauten in Absprache mit Bundesdenkmalamt
Ausführung Zimmerer: Gerhard Bilgeri, Riefensberg (Bestand) und Fetz, Egg; Baumeister: Der Bau, Andelsbuch

Text: Isabella Marboe | Fotos: Petra Rainer

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