Ein Job, für den es keine Beschreibung gibt

Ein Blick in die Kaverne macht deutlich: Hier ist gute Koordination unabdingbar. Foto: illwerke vkw/Patrick Säly Photography
Ein Blick in die Kaverne macht deutlich: Hier ist gute Koordination unabdingbar. Foto: illwerke vkw/Patrick Säly Photography
Das Obervermuntwerk II wird das zweitgrößte Pumpspeicherkraftwerk des Vorarlberger Energiedienstleisters illwerke vkw. Die vierteilige Serie „Obervermuntwerk II – Im Zeichen der Wasserkraft“ beleuchtet das aktuelle Baugeschehen und blickt hinter die Kulissen des Baustellenalltags auf rund 1700 Meter Höhe. Im letzten Teil der Serie blicken wir hinter die Kulissen der Bauleitung. Christian Töchterle und Thomas Maier haben alle Hände voll zu tun, denn auf knapp 2000 Meter Höhe ist kein Baustellentag wie der andere.

Koordination der Baustelle zwischen Planer und Ausführung, Personaleinsatzplanung, Überwachung Bauzeitplan und Umsetzung Vertrag, Psychologe, Handwerker, und vieles mehr  – es gibt praktisch keine Aufgabe beim Obervermuntwerk II, die Thomas Maier und Christian Töchterle nicht übernehmen. Bei der Fülle an Tätigkeiten heißt es für die beiden Bauleiter, flexibel und kreativ zu sein.

Normalerweise gibt es bei Baustellen in dieser Größenordnung verschiedene Baulose, die mehr oder weniger getrennt voneinander verwaltet werden. Beim Obervermuntwerk II ist dies allerdings nicht der Fall. „Wir haben zu Beginn schon überlegt, die Arbeiten auf unterschiedliche Baulose aufzuteilen“, so Thomas Maier, „aufgrund der beengten Platzverhältnisse im Hochgebirge und des komplexen Bauwerks mit vielen Schnittstellen zwischen den Baulosen erschien uns das aber nicht sinnvoll.“ Will heißen, die einzelnen Auftragnehmer der Hauptbauarbeiten hätten sich die geplante Infrastruktur (z. B. Materialaufbereitungsanlage, Deponieflächen, Betonmischanlage, usw.) weitgehend teilen müssen – und das über verschiedene Baulose zu koordinieren, wäre sicher nicht zielführend gewesen – der Koordinationsaufwand wäre zu hoch. Am Ende bedeutet das, dass die gesamte Bauverantwortung vor Ort auf einem Chefbauleiter und seinem Kernteam ruht. Beim Obervermuntwerk II übernimmt Herbert Schnetzer diese Rolle. Thomas Maier und Christian Töchterle sind sein Kernteam und damit die wichtigsten Ansprechpartner für die gesamte Baumaßnahme. Ursprünglich war geplant, dass die beiden im Wechsel in der Dekade arbeiten, doch mittlerweile kommt es immer häufiger vor, dass man beide gleichzeitig auf der Baustelle antrifft – zu zahlreich sind die Arbeiten, die täglich anstehen.

Vom Kaffee bis zur Schneeräumung
Auf die Frage nach einer Jobbeschreibung stutzen sowohl Maier als auch Töchterle. Die gibt es laut Aussage der beiden nicht. Sie sind auf der Baustelle Ansprechpartner für alle ungeklärten Fragen. „Das geht von der Kaffeebestellung fürs Baubüro bis zur schnellen Umstellung von Bauarbeiten und Koordination der beteiligten Firmen, wenn beispielsweise durch eine Lawinensperre ein Baubereich nicht zugänglich ist und geplante Arbeiten verschoben werden müssen“, so Maier. Ein besonderer Aspekt dabei ist der Umgang mit verschiedenen Charakteren. „Obwohl wir ein super Team haben, verlangt der Umgang mit jedem einzelnen Mitarbeiter eine ganze Menge Fingerspitzengefühl“, so Christian Töchterle. Das beginnt bei den verschiedenen Schichtbauleitern der örtlichen Bauaufsicht, über die Bauleitung der ARGE BAU OVW II, bis zu den Auszubildenden, die die nächste Generation der Illwerke-Ingenieure darstellen und entsprechend lernen sollen. „Alles in allem ist das ein bunt zusammengewürfelter Haufen, bei dem jeder seine eigene Ansprache benötigt“, so Töchterle.

Schon lange im Geschäft
Umso wichtiger ist es in diesem Job, im Abgang, also in der Freizeit, so richtig abzuschalten. Das ist schwierig genug, denn während einer Schicht sammeln und erhalten die beiden unzählige Informationen, die dann wieder weitergegeben werden müssen, bevor man sich verabschiedet. Dass das nicht immer gelingt, liegt auf der Hand. So sind die beiden meist auch in ihrer Freizeit für Notfälle erreichbar. „Wir sind beide nicht so eingestellt, dass wir den anderen dumm sterben lassen“, so Maier, der sich mit seinem Kollegen auch privat sehr gut versteht. Die beiden gebürtigen Montafoner kennen sich schon seit Schulzeiten, bei den Illwerken sind sie wieder in einem Büro vereint. Beide sind verheiratet und haben zwei Kinder – und noch eine Eigenschaft haben die zwei gemeinsam. Sie sind bereits so lange in dem Geschäft, dass sie nichts so einfach aus der Bahn wirft – und das ist genau die Eigenschaft, die man braucht, bei einem Job wie diesem.

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