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Ein Jahr nach Haiders Tod

Zwei Tage vor dem ersten Todestag Jörg Haiders ist in Klagenfurt eine Gedenkausstellung eröffnet worden. Wie es der Bevölkerung mit der Trauer um den Landeshauptmann geht, versuchen Psychologen zu deuten.
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“Der Tod hat kollektive Trauer auf einem sehr persönlichen Niveau ausgelöst. Bei einigen hält das Trauern noch an, bei vielen ist es einem wohlwollenden Gedenken gewichen”, erklärte der Kärntner Psychologe Roland Mandl. Der Klagenfurter Universitätsprofessor Klaus Ottomeyer sah das herannahende Ende eines “Ausnahmezustandes”: “Das einheitliche Bild, das bei der großen Trauerfeier im Oktober 2008 präsentiert worden ist, beruhte damals schon auf einer politischen Inszenierung und dürfte inzwischen einer gewissen Differenzierung und Ernüchterung gewichen sein.”

Nach der Todesnachricht habe er Menschen “sprachlos, schockiert, weinend und schreiend erlebt”, sagte Mandl. “So wie Haider den persönlichen Zugang zum Einzelnen fand, so war auch die Trauer – sehr persönlich und dadurch für viele Außenstehende kaum verständlich.” Ottomeyer erklärte dazu: “Wenn wir unvorbereitet an die Sterblichkeit des Menschen und eines bis dahin unsterblich wirkenden Helden erinnert werden, macht das besondere Angst. Haider war für viele ein Objekt der Sehnsucht und Liebe, das die Fähigkeit zur Kritik und Selbstkritik teilweise außer Kraft gesetzt hat.”

Möglichkeiten zur Verabschiedung und gemeinsames Trauern hätten der Bevölkerung geholfen, mit dem Ableben fertig zu werden: “Niemand musste mit der Situation alleine fertig werden, wenn er es nicht wollte”, so Mandl. Das kollektive Bewusstsein des Landes sei gestärkt worden: “Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass Kärnten schwere Schicksalsschläge wegstecken kann und aus solch einer Situation gestärkt hervorgeht”.

Bei vielen Menschen sei es aber nicht zu einer tatsächlichen Trauerarbeit gekommen: Das hätte nämlich bedeutet, sich “zunehmend realistisch an die Licht- und Schattenseiten” von Haider zu erinnern, sagte Ottomeyer. “In einem Teil der Bevölkerung hält die ‘Jetzt-Erst-Recht-Idealisierung’ an. In einem immer größer werdenden Teil dämmert aber langsam die Einsicht heran, dass die Kärntner Größenprojekte – von Geldgeschenken bis hin zur Finanzruine des neuen Fußballstadions in Klagenfurt – einen gewaltigen Schuldenberg zurückgelassen haben”, meinte der Psychologe. “Inzwischen ist die Pietät auch soweit gelockert, dass man in der Öffentlichkeit den Namen dessen nennen darf, der den Karren in den Graben gefahren hat. Der Ausnahmezustand hat langsam ein Ende.”

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