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Ein Haus, das Flügel verleiht

©Philipp Steurer, Rita Bertolini
Bregenz - Bettina und Michael Ohneberg aus Bregenz haben eine Stadtvilla umgebaut und dabei ganz viel vom Charme des historischen Baustils erhalten.
Bilder der Stadtvilla

Wer morgens mit Höhenflügen in den Tag startet, muss nicht unbedingt zum Energy-Drink auf dem Nachtkästchen greifen. Es sind zwar die Flügel, die den ultimativen Kick verleihen – jedoch ganz ohne Koffein oder Taurin. Und schon gar nicht in einer Blechdose. Michael Ohnebergs Schwingen sind aus Holz und gehören zur 1928 erbauten Stadtvilla, die der Architekt mit seiner Familie bewohnt. „Es ist ein liebgewonnenes Ritual geworden, morgens die Fensterläden zu öffnen und den Tag zu begrüßen“, erklärt der 45-jährige Bregenzer. Ein tiefer Atemzug, dass sich die Lungen mit der frischen Seeluft füllen und auch die Nase den herrlichen, von Algen und Tang angereicherten Duft einsaugt. Das ist Lebensqualität.

1995 hat die Familie das Haus am Fuße des Pfänderhangs erworben. Ein Schnellschuss, den situationsbedingt blieb wenig Bedenkzeit. „In etwa drei bis vier Monaten war alles über die Bühne“, erinnert sich der Hausherr, der sich als erstes von der Lage begeistern ließ. „Ich bin zu Fuß in zehn Minuten beim GWL, noch schneller am See und lebe doch sehr idyllisch im Grünen“, zählt Ohneberg die Vorteile auf.
Einige Jahre lebten die vier in der dreigeschossigen Villa, bevor sie sich zum Umbau entschlossen. Dieser geschah jedoch bis auf die beiden Fenster an der erdgeschossigen Südseite ausschließlich innen. „Wir haben lediglich die Fenster durch Balkontüren ersetzt, um einen direkten Zugang aus der Küche in den Garten zu erhalten“, sagt der Bau- Experte, „ansonsten ist von außen alles im Urzustand geblieben, selbst die Farbe.“ Auch innen war es dem Architekten wichtig, den Charme von damals nicht zu zerstören. „Nur wenn man sich am Charakter orientiert, kann man gewinnen“, weiß er.

In den Räumen des über 80 Jahre alten Gebäudes steckt nämlich nach wie vor der Glanz der damaligen Zeit. Lustvoll, wie die Texte der Comedian Harmonists, die übrigens das selbe Geburtsjahr aufweisen, spielte Ohneberg mit den vorhanden Stilelementen wie Hohlkehlen, Türschwellen und Fries. Und auch das moderne Interieur nimmt nichts von derehemaligen Ästhetik. Ganz im Gegenteil. Es ist gelungen, den schmalen Grat der Harmonie zu treff en, selbst in der Kombination von modernem Estrich und alten Türschwellen. Die große bauliche Veränderung – eine Stiege, die das Erdgeschoss mit dem ersten Stock verbindet – verschwindet hinter der Küchenfront. Dort, wo sich ehemals die Abstellkammer befand, ist heute eine Nische, dekoriert mit Bodenvase und Blumen. Und die Wand, die Wohn- und Eßzimmer voneinander trennte, musste ebenfalls weichen, die Türstöcke jedoch blieben. „Das beste Beispiel für mich für den bewussten Umgang mit der vorhandenen Grundsubstanz“, so Ohneberg. Durch den Abbruch der Wand gewann das nordwestlich augerichtete Wohnzimmer zusätzlich an Licht, die beiden Türstöcke jedoch sprechen die Sprache der historischen Architektur. Ohneberg hat sich voll und ganz auf das Haus eingelassen. Er hat die Architektur zum Vertrauten gemacht, wie ein Freund. Ein guter Freund.

DATEN & FAKTEN

Stadtvilla in Bregenz,

Bettina und Michael Ohneberg mit Elisa und Juliana

Baujahr: 1928

Einzug: 1995

Sanierung: 2002

Planungszeit: sechs Monate

Umbau: sechs Monate

Energie: Gas

Konstruktion: Die Stadtvilla der vierköpfi gen Familie ist gemauert, sprich massiv, und hat eine Holzbalkendecke, wie man Häuser eben zur damaligen Zeit errichtet hat. Charakteristisch ist auch das Mansardendach. Die ersten beiden Stockwerke beherbergen die Wohnung. Im Dachgeschoss ist das Architekturbüro untergebracht. Der Keller befi ndet sich oberhalb der Erde.

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