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Ein harter Job mit Frischluft-Garantie

Mittelberg/VN -  Wildbach- und Lawinenverbauung in Vorarlberg: Zwischen langfristigen Aufgaben und Nothilfe-Einsätzen.
Bilder der Arbeiten

Die Brüder Dietmar und Philipp Meusburger sind wortkarg. Ein „Mmm“-Gemurmel ist zu hören auf die Frage, ob’s denn nicht ziemlich gefährlich sei, was sie hier machen. Hier. Das ist knapp unterhalb der Bergstation der Walmendingerhornbahn. In einem Gelände von 80 bis 100 Prozent Steilheit. Die stark limitierte Redseligkeit der Brüder hat Gründe. Sie warten mit ihren drei anderen Kumpel gespannt auf den Hubschrauber. Der kündigt sich bereits mit lautem Geknatter an. Kurz darauf legt der Wind die Vegetation flach, am Tragseil des Fluggeräts hängt ein stählernes Objekt. Es ist das Werk einer Stahlschneebrücke, zirka 1,2 Tonnen schwer. Zwei der Arbeiter legen Hand an das unförmige Ding und fixieren es mit großem Geschick im bereits vorgefertigten Anker. „Das muss wegen dem in der Luft stehenden Hubschrauber schnell gehen und ist nicht so einfach“, kommentiert Bauleiter Gerald Jäger den Vorgang mit respektvoller Miene. So als würde seine Bewunderung für diese nicht einfache Tätigkeit niemals enden.

Großprojekt

Die Lawinenschutz-Arbeiter verdienen den Respekt allemal. Sie arbeiten hart und unter nicht ungefährlichen Umständen. „Sie arbeiten auch, wenn das Wetter nicht optimal ist. Wenn’s nur irgendwie geht“, sagt Sigmar Mathis. Er ist von der Wildbach- und Lawinenverbauung für den Bereich Kleinwalsertal zuständig. Dort läuft seit acht Jahren das „Flächenwirtschaftliche Projekt Heuberg“. 30 Jahre insgesamt wird es dauern, elf Millionen Euro wird es kosten. Es geht dabei nicht nur um Lawinenverbauungen, es geht auch um Wegebau, um Aufforstung, um Erosionsschutz. Und das auf einer Gesamtfläche von 588 Hektar. Es ist eines der größten langfristigen Projekte der Wildbach–und Lawinenverbauung in Vorarlberg.

Achtung Steinschlag

Für Jakob Metzler aus Au ist es Routine. Wie ein Jugendlicher bewegt sich der 54-Jährige in seinem Trupp, hat weniger denn je Angst vor steilem Gelände und gefährlichen Tätigkeiten. Höchstens Respekt. „Aufpassen musst du bei diesem Job hauptsächlich auf den Steinschlag. Das könnte gefährlich werden.“ Ihm selber ist in den 20 Jahren noch kaum etwas passiert. Metzler liebt seine Arbeit. „Weil du jeden Tag neue Situationen vorfindest. Und du befindest dich an der frischen Luft. Ich könnte nicht mehr in einem Raum arbeiten.“ Einer seiner Kumpel nickt. Dann geht’s mit der Arbeit weiter. Die Männer dürfen keine Zeit verlieren. Nicht jeder Tag erlaubt das Anbringen der Werke im Gelände. Wenn das Wetter schlecht ist, kann der Hubschrauber nicht fliegen. Und die Saison geht ohnehin nur von Mitte Mai bis spätestens Mitte Oktober.

Einsatzbereit

„Uns muss auch eines klar sein: Wenn wir Naturereignisse haben wie das Unwetter vor Kurzem, werden Männer abgezogen und für aktuell notwendige Einsätze verwendet“, verweist Gerald Jäger auf die geforderte Flexibilität seiner Männer. Jäger ist froh, dass die wichtigsten Arbeiten nach den Unwettern jetzt erledigt sind. Geblieben ist die Vorsicht. „Für Donnerstag sind erneut heftige Niederschläge angesagt. Wenn etwas passiert, müssen wir wieder aufmarschieren.“


Zahlen

16 Millionen Euro Budget hat die Wildbach- und Lawinenverbauung Vorarlberg 2010
8 Millionen wurden bereits verbaut
4 Millionen Euro zusätzlich haben der Bundesorganisation die Unwetter-Arbeiten gekostet
115 Arbeiter sind bei der Wildbach- und Lawinenverbauung beschäftigt

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