Ein fröhlicher Schliefer

Schwarzach (VN) - Mit Federhut und purpurnem Mantel schreitet René Winkel über die knarzenden Bohlen des Hofsteigkellers. Seine Brust zieren zahlreiche Orden. Richtig majestätisch sieht er aus und man könnte fast in Ehrfurcht erstarren, würde er einen nicht sofort mit seiner freundlichen und unkomplizierten Art in den Bann ziehen. Stoff und Geschmeide sind Teil seiner Uniform.

Winkel ist Zunftmeister der Schliefer Fasnatzunft Schwarzach und das schon seit sieben Jahren. Sein Beinkleid ist vergleichsweise jung. Vor drei Jahren haben sich die Schliefer eine neue Uniform gegönnt. Knitterfrei kann nun auf sämtlichen Faschingsumzügen marschiert werden. Und das tun die Schliefer gern und ausgiebig. Dieses Jahr waren sie bereits auf zwölf Umzügen vertreten – nicht nur in Österreich. Als Schliefer kommt man rum. Zuletzt bis nach Esslingen, zum Nachtumzug einer befreundeten Zunft. Bei jedem Umzug bekommt man einen Orden, der dann um den Hals gehängt wird. Da sollte man einen starken Nacken besitzen.

Disziplin und Kondition

Überhaupt, so ein Leben als Zunftmitglied verlangt einiges an Disziplin und Kondition. Bei der dreimonatigen Planungsphase des Schwarzacher Fasnatsumzugs muss man den Überblick behalten können. Nicht nur über die mittlerweile 68 Mitglieder der Schliefer, sondern vor allem die über 50 angemeldeten Gruppen müssen koordiniert werden. „Ich habe ein super Team, auf das ich mich zu hundert Prozent verlassen kann. Ich bezeichne die Schliefer Fastnatzunft als meine Familie“, erzählt Winkel.

Die Zunft, eine Familiensache

Apropos Familie: Mutter Gerlinde, Vater Anton und Frau Dagmar sind ebenfalls begeisterte Zunftmitglieder. Gerade in der Faschingszeit sieht sich das Ehepaar Winkel nur selten. „Aber nach Aschermittwoch haben wir uns ja wieder“, entgegnet Winkel mit einem Schmunzeln. Nun kann man nicht behaupten, dass dem Berufskraftfahrer den Rest des Jahres langweilig werden würde. „Im Mai veranstaltet die Zunft das Maibaumaufstellen und dann haben wir diese Jahr die Nacht der Schalmeien eingeführt“, berichtet der Zunftmeister nicht ohne Stolz. Die Schwarzacher Schliefer sind sehr innovativ, was ihren Verein angeht. Vor drei Jahren haben sie zum ersten Mal ein Oberschlieferpaar gekürt – ihr Pendant zum Prinzenpaar. Der damalige Bürgermeister Helmut Leite und seine Frau Imelda waren sofort Feuer und Flamme für dieses Amt. „Das war eine riesige Bestätigung für uns“, sagt Winkel.

Schliefer Girls

Neben den Oberschliefern und den Schalmeien bereichern seit Kurzem auch die Schliefer Girls die Zunft. Diese sind keine klassische Garde, sondern führen Line Dance und Rock n Roll auf. Bei all den Neuerungen ist es Winkel jedoch wichtig, dass am Ende ein harmonisches Bild entsteht. Die Wahrung der Tradition hat für ihn Priorität, schließlich vertritt man ein gewichtiges Erbe. Schwarzach war einst die Metropole der Schliefer, die sogar ein eigenes Lied haben: Diea Schliefar vom Schwarzach Tobel. Das geht den Zunftmitgliedern ebenso fröhlich über die Lippen wie ihr Fasnatruf „Schliefer, Schliefer, Pfeller, Pfiefer.“ Der wird morgen sicherlich des Öfteren durch die Straßen von Schwarzach schallen. Vor dem Umzug nimmt sich Winkel ein bisschen Zeit, um noch einmal alleine die Strecke abzulaufen.

“Schönes Gefühl”

„Wenn ich dann um 14.15 Uhr mit der Zunft marschiere und in all die glücklichen Gesichter der Zuschauer blicke, dann ist das ein unbeschreibliches Gefühl“, erklärt Winkel. Bereits einen Tag später wird die Zunftuniform zur Reinigung gebracht, um anschließend bis zum 11.11. im Schrank zu verschwinden. „Da hol ich sie aber von Zeit zu Zeit raus und zeig ihr das Zunftlokal“, versichert ihr Träger.(KID)

 

Zur Person
 
René Winkel arbeitet als Berufskraftfahrer und ist Zunftmeister der Schliefer Fasnatzunft in Schwarzach.
Geboren: 30. November 1966
Ausbildung: Berufskraftfahrer
Hobbys: Wandern, Schwimmen
Familie: verheiratet, keine Kinder
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