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"Ein bisschen benzinkrank"

Der Dornbirner Werner Lepuschitz entdeckte die Rennleidenschaft.

Die meisten fragen in kindlicher Einfalt: „Was seit o d’Frou?“ Dann denkt sich Werner Lepuschitz, dass die Ducati im Wohnzimmer auf ihre Art wohl genauso schön ist wie ein gesticktes Heimatbild oder das obligate Aquarium. Auch die alte edle Sunbeam macht sich gut neben dem Fernseher.

Sammlung wird aufgelöst

Aber eigentlich ist der 58-jährige gelernte Maler über das Sammeln schon wieder hinweg. Stück für Stück verkauft er die meisten seiner gut 20 Motorräder, die er in 30 Jahren zusammengetragen hat. Das mag man gar nicht glauben. Vor wenigen Jahren stand doch noch die herrliche BSA auf der Hebebühne im Keller. Und die Triumph BD 250, auch liebevoll „Stachelschwein“ genannt? Die beiden 350er Moto Morini? Die 500er Matchless, Baujahr 1928? Oh, man sieht ihnen an, dass Werner Lepuschitz wohl mehr Zeit in der Werkstatt als in Lederkluft auf der Straße verbracht hat. Ein richtiges kleines Museum hat er sich da zusammengeschraubt.

Und doch hat ihn eine neue Leidenschaft derart gepackt, dass er den ölverschmierten Lappen quasi an den Nagel hängt. Werner Lepuschitz sammelt nicht mehr. Jetzt fährt er Rennen. „Auf der Rennstrecke bin ich ein Verrückter unter Verrückten“, nickt Lepuschitz und lächelt sehr zufrieden wie einer, der nach Haus gefunden hat.

Anfangs war er „noch normal“. Fuhr mit seiner Frau, zwei Motorrädern und beiden Töchtern auf der Rückbank viel nach Italien, Sardinien, Norwegen. Eine Zweiradfamilie eben. Dann schenkte ihm ein Freund einen Gutschein, um mit der 750er Suzuki „Wasserbüffel“ ein paar Runden auf dem Nürburgring zu drehen. Der Gutschein blieb fünf Jahre unberührt. Lepuschitz „hatte Schiss“. Aber irgendwann siegte die Neugier. Werner Lepuschitz schnupperte zum ersten Mal im Leben Rennstallatmosphäre. Und wurde süchtig.Er kann sichs nicht erklären. Objektiv betrachtet ist es ein Wahnsinn. Er packt sein Rennpferd in aller Herrgottsfrühe in den Lieferwagen, fährt hunderte Kilometer, wie zuletzt zum ungarischen Pannoniaring, schläft dort im Auto. Aber drei Mal vormittags und drei Mal nachmittags dreht er jeweils sieben bis neun Runden. Drei Tage Vollgas. Gewiss, das heißt bei der 350er Honda CB in den PS-verwöhnten Ohren Spätgeborener nicht viel: Vielleicht 140, 150 km/h. Wie viele Pferdestärken seine Honda aus den 1960er-Jahren entwickelt, kann Lepuschitz gar nicht sagen. Unter dem großen Drehzahlmesser hat er einen kleinen digitalen Fahrradtacho montiert, sonst wüsste er nicht einmal die Geschwindigkeit. Ist auch nicht so wichtig. Nicht bei Rundenzeiten von 3 Minuten, 50 Sekunden.

„Wenn ich fahre, bin ich einfach um zehn Jahre jünger. Dann tut mir nix mehr weh.“ Es ist das reine Glück. „Der eine hockt in der Wirtschaft“, sagt Werner Lepuschitz und führt den Satz nicht mehr zu Ende. Schmunzelnd zurrt er sich den Helm fest.

Zur Person: Werner Lepuschitz

Der passionierte Motorradsammler fährt auch Rennen.
Geboren: August 1953
Ausbildung: Malerlehre
Familie: verheiratet, zwei Töchter

(VN)

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