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Ein Bischof am Amazonas

Schwarzach - "Dom Erwin" heißt für die Indianer am Amazonas die Hoffnung auf Gerechtigkeit. Vor mehr als 40 Jahren kam Bischof Erwin Kräutler nach Brasilien.

Die ersten Bischöfe waren nicht katholisch oder protestantisch, weil es diese Unterscheidung noch gar nicht gab. Auch der Status der Rechtgläubigkeit entwickelte sich erst später. Sie trugen weder Mitra noch Bischofsstab. Sie hatten auch keinen Bischofssitz.

Sie standen einzelnen Gemeinden vor. Sorgten sich um den Zusammenhalt in Zeiten der Verfolgung. Was Lebensgefahr bedeutete. Und sie wurden nicht müde, den Menschen die Geschichte des Predigers aus Galiläa zu erzählen, der sich als Gottes Sohn erwiesen und ein neues Wertesystem und die Hoffnung auf ewiges Leben gebracht hatte. Ganz zu Beginn wird es noch Zeugnisse aus erster Hand gegeben haben.

Das ist fast 2000 Jahre her. Und doch ist nicht alles anders geworden. Das Christentum hat es „geschafft“. Aber nicht überall. Fast zwei Milliarden Menschen gehören dazu. Aber in verschiedenen Kirchen. In Westeuropa sinkt die Bedeutung mitunter zwischen Tradition und stille Duldung. Woanders ist Kirche oft immer noch einzige Hoffnung. Wenn Bischöfe wie Erwin Kräutler dieser Hoffnung ein Gesicht verleihen.

Anwalt der Menschen

Vor mehr als 40 Jahren kam er nach Brasilien. 1980 ernennt ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof. 1983 wird Kräutler wegen Teilnahme an einer Solidaritätsaktion mit Zuckerrohrpflanzern, denen die Ernte nicht bezahlt wurde, von der Militärpolizei verhaftet und verprügelt. Am 16. Oktober 1987 überlebt er ein Attentat schwer verletzt: Ein Kleinlastwagen fuhr frontal in seinen Pkw. Ein Mitbruder kommt dabei ums Leben.

Seit der Ermordung seiner engsten Mitarbeiterin, der Umweltaktivistin Schwester Dorothy Stand, wird Erwin Kräutler wieder mit dem Tod bedroht. Dennoch will er die Hintermänner vor Gericht bringen. Sein Widerstand gegen das Staudammprojekt Monte Belo bleibt aufrecht. Er erstattete Anzeigen gegen einflussreiche Personen in Altamira wegen Kindesmissbrauch und Kinderprostitution. Bis heute sieht der gebürtige Koblacher und Russ-Preis-Träger die Aufgabe der Kirche als Anwalt der Menschenrechte. Und koste es das eigene Leben. Deshalb gebührt ihm dieser Platz am Beginn der Karwoche 2007.

ZUR PERSON

  • Erwin Kräutler Beruf: Missionsbischof
  • Geboren: 1939 in Koblach
  • Ausbildung: 1958 Eintritt in die Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut. Theologie und Philosophie in Salzburg.
  • Laufbahn: 1965 Priesterweihe und als Missionar nach Brasilien. 1980 Nachfolger seines Onkels Erich Kräutler als Bischof der flächenmäßig größten brasilianischen Territorialprälatur Xingu (350.000 km†).
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