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"Ein Auto ist nicht so wichtig"

©VN/Philipp Steurer
Autopannendienst bei Temperaturen jenseits von zehn Grad minus. Das ist Stress total.

Dieser Auftrag ist für Hans-Rudi Winder schnell erledigt. Die Inspektion des nicht anspringen wollenden VW LT 35-Transporters fördert einen gefrorenen Diesel-Filter zutage. Ein bisschen Spray, ein Hinweis zur Verwendung eines Diesel-Zusatzstoffes – alles paletti. Die zwei freundlichen und dankbaren Handwerker inklusive. „Einsatz Nummer 31 am heutigen Tag“, lächelt der 52-jährige Spezialist, setzt sich gut gelaunt hinters Steuer seines ÖAMTC-Servicewagens und steuert Einsatz Nummer 32 an. Dabei ist es erst knapp nach zwölf Uhr mittags

Lange Tage

„Ich bin seit 7.15 Uhr in der Früh unterwegs. Wahrscheinlich geht’s heute wieder bis nach 20 Uhr“, meint Winder lakonisch. Das Mitagessen zu Hause hat er wieder einmal absagen müssen. „So geht’s mir ständig.“ Vor allem an Tagen, an denen die Quecksilbersäule selbst vor zehn Grad minus keinen Respekt kennt. „Jedes Grad kälter bedeutet mehr Einsätze. Vor allem Diesel-Fahrzeuge geben bei solchen Temperaturen gerne den Geist auf“, weiß der Pannenhilfe-Routinier aus 31-jähriger Erfahrung. An Frosttagen wie dem gestrigen muss der ÖAMTC daher seine personellen Ressourcen voll ausschöpfen. Das bedeutet: Acht Mechaniker, die jeweils bis zu 450 Kilometer zurücklegen und zwischen 50 und 60 Einsätze zu bewältigen haben.

Der Schwimmer

Hans-Rudi Winder stellt sich jedenfalls darauf ein, auch den geplanten Kabarett-Besuch am Abend abschreiben zu müssen. „Aber so ist das nun mal“, nimmt‘s der Dornbirner nicht tragisch. Der leidenschaftliche Hobbyschwimmer („fünf Mal die Woche je zwei Kilometer“) erlebt schließlich im Dienst manch kabarettreife Einlage. „Da gibt’s Kunden, die dir Schläge androhen, weil du zehn Minuten zu spät kommst. Da gibt’s andere, die fallen dir um den Hals, wenn du kommst.“ Und da gibt es solche, die ihm ihr Seelenleben in punkto Beziehung zum Fetisch Auto offenbaren. „Die sagen dann Dinge, wie: es wäre ihnen lieber, sie hätten einen Haxen gebrochen, als jetzt diesen Schaden an ihrem Fahrzeug“, schüttelt Winder den Kopf. „Dabei“, so Winder, „ist ein Auto doch nicht so wichtig. Mein Gott, da gibt es viel Wichtigeres.“

Er muss raus

Der zweifache Familienvater macht laut eigener Angabe seinen Job nach wie vor gern. „Das merk‘ ich besonders dann, wenn ich einmal in den Innendienst muss. Da wird aus einem Tag eine Woche. Ich muss einfach raus.“ Was Winder in den drei Jahrzehnten seiner Tätigkeit als Pannenfahrer vor allem gelernt hat: „Menschenkenntnis. Ich weiß, wann mich jemand hineinlegen will, etwa behauptet, er sei gefahren. Auch wenn‘s das Nicht-ÖAMTC-Mitglied war.“ Hans-Rudi Winder grinst. Der Tag ist gut auf Weg. Statt minus zehn hat es jetzt nur noch minus sechs Grad. Was die Chancen erhöht, dass es sich mit dem Kabarett am Abend vielleicht doch noch ausgeht.

zur Person

Hans-Rudi Winder Geboren: 27. März 1957 Wohnhaft: Dornbirn Beruf: KFZ-Mechaniker Hobbys: Motorradfahren, Schwimmen Lieblingsspeise: Dampfnudeln

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