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Ein Abt vom Kap der guten Hoffnung

Bregenz - Ein 38-jähriger südafrikanischer Politikwissen­schafter wird der neue Abt der Mehrerau.

Die Schüler wussten es gleich. „Die Schüler wissen immer alles”, sagt Abt Kassian Lauterer, „außer man prüft sie.” Diesmal wussten sie: „Es wird bestimmt der Anselm.” Und das fanden sie ziemlich cool. Anselm van der Linde unterrichtet am hauseigenen Gymnasium von der 2. bis zur 7. Klasse Religion. Und das wird er auch weiterhin tun, wenn er neuer Abt des Klosters Mehrerau sein wird. Ab dem 21. März 2009, nach der Weihe durch den Zisterzienser-Generalabt Maurus Esteva Alsina. Dass die Spatzen seinen Namen von den Dächern pfiffen, scheint ihm unbegreiflich. „Meine Eltern waren doch sehr überrascht, dass jemand aus eher bescheidenen Verhältnissen gewählt wird.” Der junge Abt stammt aus Südafrika. Er spricht sechs Sprachen. Aufgewachsen als Hendrik van der Linde in der Gartenstadt Roodepoort hat er in Pretoria Politikwissenschaft studiert und in den Jahren des Umbruchs fürs Außenministerium Staatsgäste durchs Land geführt. Dabei wollte er früh schon Zisterzienser werden.

Zielstrebig nach Bregenz

Nicht einfach Priester, auch nicht Ordensmann im Allgemeinen, sondern Zisterzienser. Das ist insofern bemerkenswert, als dass der Orden zwar weltweit 1500 Mönche und fast 900 Nonnen zählt, aber in Südafrika kein Kloster besitzt. Also hat der junge Hendrik Briefe geschrieben an Klöster in Europa. „Und die Mehrerau hat als erstes geantwortet.” So kam er 1994 nach Bregenz. Sein österreichischer Pass ist noch druckfrisch. Und doch nennt er sich mit Recht Vorarlberger. Bei den Zisterziensern gilt die „stabilitas loci”. Wo ein Mönch eintritt, dort bleibt er sein ganzes Leben bis zum Tod. So beendete Hendrik van der Linde seine 8361 Kilometer lange Reise von Pretoria nach Bregenz als Mönch Anselm, der sich in 15 Jahren so viel Zustimmung seiner Mitbrüder erworben hat, dass ihn der Mehrerauer Konvent an die Spitze wählte. Wieder einen ganz Jungen. Auch Abt Kassian Haid war damals 39, Kassian Lauterer gar 34 Jahre alt. Die Mehrerauer fahren gut damit. Junge Geister gestalten die Zukunft, statt nur das Alte zu verwalten. Und nicht selten führen sie den Blick zurück aufs Wesentliche. Fragt man Abt Anselm, wie er denn Schüler für Religion begeistert und was heute Not tut in der krisengebeutelten Kirche, sagt er nur: „Wir müssen als Christen authentisch sein.” Denn „man kann den Menschen nichts vormachen”.

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