AA

Eignungsprüfung beim Bundesheer: Eine Frau aus Vorarlberg kämpft sich durch

Die 17-jährige Leonie Pfeiffer aus Bürserberg hat sich der Eignungsprüfung fürs Bundesheer erfolgreich gestellt.
Die 17-jährige Leonie Pfeiffer aus Bürserberg hat sich der Eignungsprüfung fürs Bundesheer erfolgreich gestellt. ©Janine Walter
Bregenz - Was für den Großteil der Frauen unvorstellbar ist, gilt bei einigen als Traumberuf: Ein Leben als Berufssoldatin. So auch für Leonie Pfeiffer aus Bürserberg, die sich kürzlich der dreitägigen Eignungsprüfung für den Ausbildungsdienst beim Bundesheer stellte. Wir begleiteten die 17-Jährige bei den Tests.
Eignungstest beim Bundesheer

Von rund 27.000 Berufssoldaten sind derzeit 374 Frauen (Stand: 6. März 2014) in Österreich vertreten, davon sind fünf Soldatinnen in Vorarlberg stationiert. Seit April 1998 sind die Tore des Bundesheers auch für Frauen geöffnet. Seitdem wirbt das Heer aktiv um Kameradinnen, denn die Quote liegt weit unter den gewünschten Vorstellungen. Was viele im Vorfeld nicht wissen: Frauen haben beim Bundesheer dieselben beruflichen Chancen und Gehälter wie Männer.

Dreitägige Eignungsprüfung

Aber nicht jede Bewerberin hat das Zeug für den Einstieg beim Bundesheer. In einem dreitägigen Auswahlverfahren prüft das Heerespersonalamt die körperliche Leistungsfähigkeit sowie die gesundheitliche und psychologische Eignung der Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Erst nach einem positiven Abschluss der Eignungsprüfung kann der Ausbildungsdienst beim Bundesheer angetreten werden.

IMG_3530

Auch muss der Bewerber die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen und das 18. Lebensjahr vollendet haben. Ab vollendetem 17. Lebensjahr ist die schriftliche Zustimmung des gesetzlichen Vertreters erforderlich.

Fünf Frauen und 16 Männer

Kürzlich fand in der Hiller-Kaserne in Linz-Ebelsberg beim Prüfzentrum Nord des Heerespersonalamtes eine solche Eignungsprüfung statt. Neben 16 Männern stellten sich auch fünf Frauen den Prüfungen.

IMG_3423

Auch Leonie Pfeiffer aus Bürserberg hat sich der Herausforderung gestellt. „Ich habe es mir ehrlich gesagt stressiger vorgestellt. Aber durch die vielen Pausen zwischen den Tests hat das ganz gut geklappt”, erzählt die 17-Jährige nach Abschluss der Eignungsprüfung.

Berufssoldatin anstatt Kosmetikerin

Doch zurück zum Anfang. Leonie Pfeiffer träumt nicht, wie die meisten Frauen in ihrem Alter, von einer Karriere als Friseurin oder Kosmetikerin. Frauenberufe sind nichts für die Vorarlbergerin. „Ich habe bereits bei vielen Männerberufen ‚geschnuppert’, aber das Richtige war bisher nicht dabei.”

“Das ist es!”

Als mit der Post die Einladung zum „Girls’ Day” beim Bundesheer eintraf, kam die zündende Idee. „’Das ist es!’ schoss es mir unmittelbar in den Kopf. In setzte mich direkt mit dem Heerespersonalamt in Verbindung und informierte mich über die Karriere einer Berufssoldatin.”

IMG_3470

Die Vorarlbergerin fasziniert am Bundesheer, dass sie dort viele unterschiedliche Wege einschlagen kann. „Ich sehe meine Zukunft bei den Jägern. Bei dieser Ausbildung ist man viel im Freien, das gefällt mir. Der Beruf ist eine Herausforderung für mich. Deshalb möchte ich herausfinden, ob ich dem gewachsen bin”, spricht Leonie über ihre Vorlieben.

Unterstützung und Motivation

Die Mutter der 17-Jährigen war anfangs skeptisch. „Sie wusste nicht, was mich beim Bundesheer erwartet. Sie versicherte mir aber, dass sie mich unterstützt, solange ich dran bleibe.” Auch ihre Freunde machten sich Sorgen und versuchten Leonie davon zu überzeugen, sich diesen Gedanken aus dem Kopf zu schlagen. „Da ich mir aber nichts ausreden lasse, mussten sie mein Vorhaben akzeptieren.

Titelbild

Mittlerweile unterstützen sie mich und auch bei der Eignungsprüfung haben sie mitgefiebert. Das motiviert mich natürlich zusätzlich”, sagt die Vorarlbergerin. Ihr Partner muss nicht zwingend beim Bundesheer sein. „Aber er muss damit klarkommen und mich unterstützen”, sagt Leonie über ihren Standpunkt zum Thema Beziehung.

Keine Spur von Nervosität

Kurz vor dem Auswahlverfahren wirkte die 17-Jährige gar nicht nervös. Für die Eignungsprüfung hat sie seit September letzten Jahres trainiert. „Ich war joggen und für das Muskeltraining im Fitnessstudio. Für die Liegestütze und Klimmzüge habe ich ebenfalls trainiert.”

Eignungsprüfung für den Ausbildungsdienst beim Bundesheer

1. Tag:

6.30 Uhr
Am ersten Tag wird die gesundheitliche Eignung für den Ausbildungsdienst mittels medizinischer Tests festgestellt. Positive Ergebnisse sind erforderlich, damit Leonie den zweiten Tag des Auswahlverfahrens überhaupt antreten darf. Zu den Test zählen: Blutabnahme, Lungenröntgen, Harnuntersuchung, Isometrie (Krafttest mit Armen und Beinen), Spirometrie (Lungenvolumstest), Seh- und Hörtest, Körpervermessung (Größe und Gewicht) sowie die Prüfung des Zahnstatus. Außerdem wird die Kondition mittels eines Ergometertests (150W) geprüft. Der Puls darf dabei maximal 180 betragen.

1

Bei diesem Gesundheitscheck wird zwischen sanierbaren und nicht-sanierbaren Mängeln unterschieden. Ein sanierbarer Mangel, wie zum Beispiel ein zu hoher Cholesterinspiegel, lässt sich beheben, sodass die gesundheitliche Eignung zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt werden kann. Ein Herzklappenfehler dagegen zählt zu den nicht-sanierbaren Mängeln und verhindert eine Karriere beim Bundesheer.

14 Uhr
Anschließend findet ein 90-minütiger computerunterstützer Test (CUT-Test) statt, welcher die Person an sich fokussiert. Rund 300 Fragen müssen von der 17-Jährigen beantwortet werden.

2

Auch das Reaktionsvermögen sowie die Feinmotorik werden getestet. Anschließend wird der Bewerberin eine Wertungsziffer zwischen 0 und 9 mitgeteilt, die sich aus dem Gesundheitscheck sowie dem CUT-Test ergibt. Je höher die Zahl, desto mehr Möglichkeiten bietet das Bundesheer. Liegt die zugewiesene Wertungsziffer allerdings unter 5, ist der Bewerber für den Ausbildungsdienst nicht geeignet. Mit 9 ist man volltauglich. Um 15.30 Uhr ist die erste Hürde geschafft.

2. Tag:
7 Uhr
Der zweite Tag der Eignungsprüfung beginnt mit einer offiziellen Begrüßung der Teilnehmer durch Oberstleutnant Christof Fehrer, Leiter der Aufnahmeprüfung. Fünf Frauen und 16 Männer werden im Lehrsaal über die Hausordnung sowie den Ablauf der Eignungsprüfung aufgeklärt. Neben der körperlichen Leistungsfähigkeit wird auch die psychologische Eignung der Bewerber festgestellt.

7.30 Uhr
Die Überprüfung der allgemeinen Kondition beginnt. Leonie muss mindestens neun Liegestütze machen, um einen Punkt zu erhalten. Die Vorarlbergerin nimmt ihre Position ein: die Arme müssen schulterbreit auseinander und leicht eingedreht sein. Der Kopf ist nach vorne gerichtet, auf Zehenspitzen stehen ist verboten. Von großer Bedeutung ist dabei die Körperspannung.

4

Stolze 17 Liegestütze schafft die 17-Jährige und erhält somit ihre ersten fünf Punkte. Bei der Überprüfung der körperlichen Leistungsfähigkeit muss in jeder Disziplin mindestens ein Punkt und eine Gesamtpunktzahl von mindestens Acht erreicht werden, um zu bestehen. „Es war anstrengend. Mit 17 Liegestützen habe ich nicht gerechnet. Beim Üben habe ich immer um die neun geschafft“, erinnert sich Leonie und strahlt.

8.35 Uhr
Anschließend geht es direkt weiter mit einem 2400 Meter-Lauf. Die 400 Meter lange Laufbahn muss von den Frauen in sechs Runden unter 13.30 Minuten durchlaufen werden. Ein Zeitbalken neben der Laufbahn dient Leonie als Orientierung. Ein Chip an ihrem rechten Fußgelenk misst die gelaufene Gesamtzeit sowie die Zeiten pro gelaufene Runde.

5

Die Vorarlbergerin läuft die 2400 Meter in 12.54 Minuten und erhält dafür vier Punkte. „Am Anfang ging das Laufen noch gut, am Ende war es dann richtig anstrengend. Beim Sprint zum Schluss habe ich meine Füße nicht mehr gespürt. Ich war froh, als es dann vorbei war“, schildert die 17-Jährige den 2400 Meter-Lauf

9.20 Uhr
Um 9.20 Uhr beginnt die Psychometrische Testung, welche bis zur Mittagspause um 12.15 Uhr andauert. In einer kurzen Einführung erhalten die Probanden ab sofort Sprechverbot. Diszipliniertes Verhalten wird verlangt. Fragen dürfen nur per Handzeichen gestellt werden. Jeder Teilnehmer erhält zur Identifikation eine Bewerberkennzahl, die geräuscharm und rasch bei der Psychologin abgeholt werden muss, sobald der eigene Name genannt wird. Leonie holt die Nummer 15 ab und stellt sich im Kasernengang neben die Nummer 14 in die Reihe. Nachdem die letzte Nummer verteilt wurde, geht es im Gänsemarsch in den Lehrsaal, wo die Testunterlagen sowie eine Wasserflasche auf die 17-Jährige warten.

6

Leonie muss einen Explorationsleitfaden (Fragebogen) zur Feststellung der allgemeinen beruflichen Eignung ausfüllen. Auch wird ihre Freizeitgestaltung und Motivation für die  Bewerbung abgefragt. Anschließend folgt die erste psychologische Kadereignungstestung, bei welcher der Ausprägungsgrad der geistigen Fähigkeiten (Kognitive Kompetenz), wie die Denk-, Konzentrations- und Merkfähigkeit, geprüft wird. Leonie hat ein gutes Gefühl: „Der Test ist gut gegangen. Ich bin auf das Ergebnis gespannt.“

13 Uhr
Nach einer kurzen Mittagspause sollen die zwischenmenschlichen Verhaltensweisen (Soziale Kompetenz) der Probanden in Form eines Assessmentcenters unter die Lupe genommen werden. Bei dieser psychologischen Kadereignungstestung arbeiten die Bewerber in Kleingruppen zusammen und werden von externen Beobachtern hinsichtlich ihrer Kommunikations-, Kooperations- und Durchsetzungsfähigkeit bewertet. Das konstruktive Konfliktverhalten spielt dabei auch eine entscheidende Rolle.

7

„Simulation 1“ besteht aus einer Selbstpräsentation der Teilnehmer: Leonie muss innerhalb von vier Minuten den anderen Teilnehmern ein Bild von sich vermitteln. Zur Vorbereitung hat sie zehn Minuten Zeit. Auf einem Protokollblatt, das den Probanden im Vorfeld ausgehändigt wurde, müssen sich die Bewerber gegenseitig bewerten und am Ende die beste sowie die schlechteste Präsentation bestimmen. In einer anschließenden Feedbackrunde muss Leonie dem besten sowie dem schlechtesten Vortragenden ihre Wahl mitteilen und dies mit Argumenten belegen. „Ich bin unzufrieden mit meiner Selbstpräsentation, weil ich viel zu wenig gesprochen habe“, erzählt die 17-Jährige.

14.30 Uhr

8

„Simulation 2“ des Assessmentcenters besteht aus einer Gruppenarbeit. Die Gruppe bestehend aus drei Personen steht vor einem Problem, welches gemeinsam innerhalb von 25 Minuten bewältigt werden muss. Auch bei dieser Aufgabe werden Leonie und ihre Kameraden von Beobachtern anhand eines Bewertungsbogens bewertet.

15.25 Uhr
Der dritte Teil des Assessmentcenters, „Simulation 3“, ist eine Gruppendiskussion. Zunächst muss Leonie innerhalb von 15 Minuten eine Problemlöseaufgabe bearbeiten. Anschließend hat die Gruppe, welche aus neun Personen besteht, 30 Minuten Zeit ein gemeinsames Ergebnis zu erarbeiten. Jeder Proband gibt seine persönliche Meinung, seinen Lösungsweg, preis und begründet seine Entscheidung.

9

Leonie ist Schriftführerin und notiert die gemeinsame Lösung auf einem dafür vorgesehenen Bogen. Auch bei dieser Aufgabe wird das Verhalten jedes einzelnen von externen  Beobachtern bewertet. Nachdem die Gruppe auf einen gemeinsamen Nenner gekommen ist, findet abermals eine Feedbackrunde, das sogenannte „Peer-Rating“, statt. Wer hat am meisten und wer am wenigsten gesagt? Leonie teilt den entsprechenden Kameraden ihre Meinung mit.

17.30 Uhr
Nach dem Abendessen werden die Bewerber mit dem Wehrrecht, Dienstrecht und Sozialrecht vertraut gemacht. Oberstleutnant Christof Fehrer informiert über den Ausbildungsdienst und welche Möglichkeiten beim Bundesheer gegeben sind. Leonie erfährt außerdem, dass sie ihre langen Haare als Berufssoldatin nicht abschneiden, aber zusammenbinden muss. Das sichtbare Tragen von Schmuck, außer Uhr und Ehering, ist verboten. Dagegen ist dezenter Ohrschmuck zum kleinen oder großen Ausgangs- und Gesellschaftsanzug gestattet. Auch dezentes Schminken ist erlaubt, aber das Tragen von farbigem Nagellack nicht.

10

Um die Intimsphäre zu wahren, sind die Unterkunft, Toiletten, Duschen sowie Waschräume für Mann und Frau getrennt. Weiterhin müssen sich Frauen keine Gedanken über eine Schwangerschaft machen, da dies kein Entlassungsgrund ist. Binnen drei Jahren kann der Dienst wieder aufgenommen werden.

19.30 Uhr
Mittels eines schriftlichen Tests werden die Deutschkenntnisse von Leonie überprüft. Dieser dient lediglich zur Orientierung und ist kein K.O.-Kriterium bei der Eignungsprüfung. Anhand der Ergebnisse kann anschließend der Förderbedarf des jeweiligen Probanden ermittelt werden.

11

40 Minuten hat die 17-jährige Bewerberin für den Deutschtest Zeit. Dieser besteht unter anderem aus einem Lückentext, Verständnisfragen zum Text sowie Aufgaben, bei welchen die Rechtschreibung fokussiert wird. Weitere Schwerpunkte sind der Aufgabenbereich Lexik und Grammatik. „Es war total easy. Für mich der einfachste Test bisher“, spricht Leonie über ihre Erfahrungen und freut sich.

21 Uhr
Punkt 21 Uhr geht es mit dem Bus in Richtung „Olympiazentrum“. Im Sportland Oberösterreich in Linz muss die Schwimmprüfung absolviert werden. Diese setzt sich aus einem Sprung, wenn möglich ein Kopfsprung, aus einem Meter Höhe sowie 15 Minuten Dauerschwimmen in einem erkennbaren Stil (Kraulen oder Brust) zusammen.

12

„Das Schwimmen ging gut, da wir das Tempo selbst bestimmen durften“, erzählt die Vorarlbergerin nach dem 15-minütigen Brustschwimmen. Um 22.15 Uhr geht es frisch geduscht zurück in die Hiller-Kaserne.

23 Uhr
Neben einem Deutschtest gibt es auch einen Rechentest, der ebenfalls zur Orientierung dienen soll. Die Probanden müssen 30 Mathematik-Aufgaben lösen und haben dafür 60 Minuten Zeit. Hilfsmittel, wie zum Beispiel Taschenrechner, sind untersagt. Geprüft werden vor allem die Grundrechenarten.

13

Leonie hat bezüglich ihrer Leistung ein nicht ganz so gutes Gefühl. „Mein Kopf hat geraucht und ich musste mich sehr konzentrieren.“

3. Tag:
0.20 Uhr
Es ist kurz nach Mitternacht. Der dritte Tag der Eignungsprüfung ist angebrochen. Im Gymnastikraum geht es direkt weiter mit einer Einweisung in die „Klimmzüge im Schräghang“, einer Körperspannungsübung. Dabei befinden sich Leonies Fersen hüftbreit auseinander auf der Matte, die Arme sind gestreckt. Während der Übung darf die 17-Jährige nicht absetzen. Sie muss mindestens sieben Klimmzüge machen, um einen Punkt zu ergattern. Die Höchstpunktzahl von zehn Punkten kann sie mit 18 Klimmzügen erreichen.

0.45 Uhr
Bevor es an die Klimmzüge geht, wird zuerst noch die Muskel- bzw. Sprungkraft beim „Jump & Reach“ überprüft. Leonie muss so weit wie möglich in die Höhe springen und ihren Sprung an einer Wand markieren. Sie hat drei Versuche, der beste wird gewertet. Für einen Punkt muss die Vorarlbergerin mindestens 32 Zentimeter hoch springen. Ab 47 Zentimeter erhält sie die volle Punktzahl von zehn Punkten. Die 17-Jährige muss vor ihren Sprung erst einmal Schwung holen und geht dabei idealerweise im 90 Grad Winkel in die Knie. Das Maßband misst 41 Zentimeter. Laut Tabelle bekommt die 17-Jährige dafür fünf Punkte.

15all_bearbeitet-1

Direkt nach dem Sprung macht sich Leonie an die Klimmzüge im Schräghang und erreicht ohne Probleme die volle Punktzahl. Für zehn Punkte sind 18 Klimmzüge notwendig und die hat sie geschafft. Für die gesamte Sportprüfung erhält die Bewerberin 24 von 40 Punkten. Sie konnte in allen Disziplinen punkten und hat die Mindestpunktzahl von acht Punkten weit überschritten. Kurz: Sport ist bestanden!

1.30 Uhr
Ab sofort beginnt der wichtigste Teil der psychologischen Kadereignungstestung, die Schlafentzugsphase. Nach einer kleinen Jause machen die Teilnehmer einen kleinen Spaziergang im Freien, um Kräfte zu sammeln und frische Luft zu schnappen, bevor es anschließend zum vierten und damit letzten Teil des Assessmentcenters geht.

3 Uhr
Bei der letzten psychologischen Kadereignungstestung werden Leonies Fähigkeiten unter erschwerten Bedingungen, nämlich bei Schlafentzug, getestet (Tenazitive Kompetenz). Die Zeit läuft: Bei „Simulation 4“ ist in drei Runden Geschwindigkeit gefragt. Wichtigster Bestandteil dieses Tests sind gewöhnliche Schrauben, wie man sie aus dem Baumarkt kennt. Was Leonie damit machen muss, wird an dieser Stelle nicht verraten.

17

„Es war anstrengend, aber ich habe es durchgezogen. Aufgeben gibt es bei mir nicht“, berichtet Leonie und grinst. In jedem der drei Kompetenzbereiche, kognitiv, sozial und tenazitiv, sind mindestens elf von 100 Punkten erforderlich. Mit diesem eignungsdiagnostischen Verfahren kann die allgemeine Eignung für den Militärdienst festgestellt werden. Nach Abschluss der psychologischen Kadereignungstestung kann das Ergebnis „Geeignet für eine Offizierslaufbahn“ (51-100 Punkte), „Geeignet für eine Unteroffizierslaufbahn“ (26-50 Punkte), „Geeignet für eine Mannschaftsverwendung“ (11-25 Punkte) oder „Nicht geeignet“ (0-10 Punkte) lauten. Bei Nichterreichung der geforderten Qualifikationsstufe (ausgenommen bei „nicht geeignet“) kann nach sechs Monaten eine neuerliche Kadereignungstestung absolviert werden.

5 Uhr
Punkt 5.00 Uhr beginnt ein Retest der Psychometrischen Testung. Nachdem die verbale und visuelle Merkfähigkeit der Probanden zum wiederholten Mal geprüft wurden, geht es in
den Keller der Hiller-Kaserne. Die 17-Jährige muss ihre Hand auf die Schulter ihres Vordermannes legen, bevor es gemeinsam und in langsamem Tempo in einen völlig vernebelten Kellerraum geht.

18

Die Probanden erhalten einen Stapel Arbeitsblätter und einen Bleistift. Zwölf Aufgaben sind innerhalb von zwölf Minuten zu lösen. Das heißt, Leonie hat pro Blatt maximal eine Minute Zeit. Sie muss denken und gleichzeitig schnell sein. Unter den vernebelten Bedingungen gar nicht so einfach. „Mein Genick hat danach ziemlich wehgetan, weil ich mich sehr weit herunterbeugen musste, um etwas auf dem Aufgabenblatt zu erkennen. Konzentrieren konnte ich mich aber ganz gut.“

6 Uhr
Um 6.00 Uhr geht es für die letzte Testung zurück in den Lehrsaal. Es handelt sich dabei um eine Akustik-Aufgabe: aus einem Lautsprecher ertönen Bomben-, Granaten-, Schuss- sowie Fluglärm-Geräusche in entsprechender Lautstärke. Es fühlt sich an, als ob man sich mitten im Krieg befindet. Eine Stimme stellt den Teilnehmern 30 Aufgaben, die unter diesem Lärmpegel gelöst werden müssen. Leonie beißt sich durch: „Der Lärm hat mir nichts ausgemacht, ich musste mich aber trotzdem konzentrieren“, berichtet die Vorarlbergerin von ihrer letzten Aufgabe.

6.30 Uhr
Nach Abschluss der letzten Testung geht es für Leonie zum Frühstück, bevor sie drei Stunden schlafen darf. Nach solch einer langen Nacht ist eine Mahlzeit enorm wichtig, auch die Körperpflege sollte nicht vergessen werden.

19

Leonie ist nach der Schlafentzugsphase todmüde. „Am Anfang habe ich mich mit Kaffee und Red Bull über Wasser gehalten. Am Ende war ich dann aber ziemlich fertig.“ Um 7.00 Uhr fällt die 17-Jährige völlig erschöpft in ihr Bett.

10 Uhr
Gerade eingeschlafen, heißt es auch schon wieder aufstehen. Leonie wird von der Psychologin Daniela Skalet zum psychologisch-diagnostischen Interview gerufen. Neben der psychologischen Kadereignungstestung ist dieses Gespräch ausschlaggebend, in welche Richtung es für die Vorarlbergerin geht. Hat sie bei der Testung mit „Geeignet für eine Offizierslaufbahn“ abgeschlossen, kann sich dieses Ergebnis durch den persönlichen Eindruck der Psychologin nochmals ändern. Skalet stellt Leonie einige persönliche Fragen und bespricht mit ihr die Testergebnisse der Eignungsprüfung.

20

Anschließend gratuliert sie der Vorarlbergerin: „Sie sind für eine Offizierslaufbahn geeignet, Frau Pfeiffer.“ Die Freude steht Leonie ins Gesicht geschrieben. „Das ist der Wahnsinn, ich bin stolz auf mich. Ich hätte niemals gedacht, dass ich offizierstauglich bin.“ Für eine Laufbahn zum Offizier braucht Leonie allerdings die Matura, welche sie leider nicht hat. Deshalb muss sie vorerst den Weg zum Unteroffizier einschlagen. „Wenn ich Zeit finde, werde ich meine Matura auf jeden Fall machen.“

Der Vorarlbergerin steht jetzt eine abwechslungsreiche, aber auch anspruchsvolle Ausbildung beim Bundesheer bevor. „Ich weiß, auf was ich mich da einlasse. Das wird kein Honigschlecken. Es gibt gute, aber auch schlechte Zeiten, habe ich gehört.“ Die 17-Jährige wird im Juni 2014 in der Waffengattung Jäger beim Gebirgskampfzentrum in Saalfelden einrücken. 


home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg
  • Eignungsprüfung beim Bundesheer: Eine Frau aus Vorarlberg kämpft sich durch
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen