Ehefrau mit Schlachtmesser attackiert: 20 Jahre Haft für Mordversuch

Im Wiener Straflandesgericht ist am Dienstagnachmittag das Urteil bestätigt worden, das Geschworene im vergangenen Dezember über einen 49-jährigen Frühpensionisten verhängt hatten.

Der Mann wurde neuerlich wegen versuchten Mordes zu 20 Jahren Haft verurteilt. Er war am 24. April 2008 vor den Augen seiner drei Kinder mit einem Schlachtmesser (Länge: 40 Zentimeter) und einem Beil auf seine Ehefrau losgegangen.

Dass die 50-Jährige überlebt hatte, grenzt an ein Wunder. Als die Frau ins Spital eingeliefert wurde, steckte das Messer noch in ihrer linken Niere, die anschließend in einer Notoperation entfernt werden musste. Die Ärzte gaben ihr zunächst kaum eine Überlebenschance, doch nach einem Monat konnte sie die Intensivstation verlassen.

Allerdings leidet sie an schweren Dauerfolgen, mit bleibenden Gesundheitsschäden ist laut Gutachter zu rechnen. Obwohl die Frau und ihre Kinder nahe liegender weise schwer traumatisiert sind, hatte der 49-Jährige aus dem Gefängnis heraus mehrfach versucht, mit seiner Familie wieder brieflich in Kontakt zu kommen.

Der 49-Jährige dürfte seine Frau seit Jahren misshandelt und dabei teilweise erheblich verletzt haben. Wenige Wochen vor der Bluttat war der Mann, der bis zu seiner Pensionierung als Koch in einer nordafrikanischen Botschaft in Wien gearbeitet hatte, von der Polizei aus der ehelichen Wohnung gewiesen und mit einem Betretungsverbot belegt worden. Dessen ungeachtet nächtigte er weiter dort.

Seine Frau nahm davon Abstand, die Behörden neuerlich einzuschalten, weil sie befürchtete, dies würde ihre zum Tatzeitpunkt 19, 16 und zwölf Jahre alten Kinder überfordern.

Wenige Tage später kehrte der 49-Jährige einmal mehr betrunken heim. Er schickte die Kinder schlafen und schrie dann mit seiner Frau. Diese betrüge ihn und sei eine Ehebrecherin – Vorhaltungen, die nach Aussage der halbwüchsigen Kinder jedweder Grundlage entbehrten, weil die Mutter kaum die Wohnung verlassen durfte.

Schließlich begann der Mann auf die Ehefrau einzuschlagen, die ins Badezimmer flüchtete und über ihr Mobiltelefon mit dem Polizeinotruf in Kontakt trat. Dort wurde ihr geraten, sich zuerst ein Mal zu beruhigen und später noch ein Mal anzurufen.

Als die Frau nach einer Weile in den Vorraum trat, weil sie glaubte, ihr Peiniger habe die Wohnung verlassen, schlug ihr dieser mit einem Beil mehrmals von hinten wuchtig auf den Kopf. Sie stürzte zu Boden, er zog sie laut Anklage an den Haaren aus der Ecke und stach mit einem Messer wiederholt auf sie ein, das an sich zum Schlachten von Lämmern und Schafen verwendet wird.

Während sich die Tochter die Bettdecke über den Kopf zog, um die grauenhaften Szenen nicht mitansehen zu müssen, versuchten die Söhne, ihrer Mutter zu Hilfe zu kommen. “Vater, hör auf! Hör auf!”, brüllte der eine, während der andere diesem in die Hand biss.

Schließlich ließ der 49-Jährige von seinem Opfer ab und suchte ein 100 Meter entfernt gelegenes Lokal auf, wo er dem Wirt gestand: “Ich hab’ meine Frau umgebracht.”

Der Oberste Gerichtshof (OGH) hatte das Ersturteil aus formalen Gründen aufgehoben und eine Neudurchführung der Verhandlung verlangt: Der Fragenkatalog, der damals den Laienrichtern vorgelegt wurde, erschien den Höchstrichtern unvollständig.

Das nunmehrige Urteil ist nicht rechtskräftig. Verteidiger Farid Rifaat meldete dagegen Rechtsmittel an.

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