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Durch Architektur Lust auf Schule machen

©Petra Rainer
Um die Dornbirner Volksschule Edlach in eine zeitgemäße Clusterschule zu verwandeln, ließen Dietrich|Untertrifaller vom Bestandsgebäude aus den Sechzigerjahren nur die Turnhalle stehen. Sehr zur Freude von Schülern und Lehrern.
Durch Architektur Lust auf Schule machen

Als die Schüler am Montag der letzten Woche in ihre neue Schule geströmt sind, hätte sie rundum nur ein begeistertes „moa, moa“ gehört, sagt Sabine Bader, die Direktorin der Volksschule Edlach. „Regelrecht platt“ seien aber nicht nur die fast 300 Kinder, sondern auch die Lehrer von der Architektur ihrer neuen Lern- bzw. Arbeitsstätte, von der Helligkeit der Klassen, ihrer räumlichen Durchlässigkeit und Großzügigkeit.

Dabei hätte die aus den 60er-Jahren stammende Schule eigentlich nur saniert werden sollen. Sie ist eine von mehreren der Stadtgemeinde, die räumlich und infrastrukturell nicht mehr dem, was man sich von einer Schule heute erwartet, entsprechen und infolgedessen sukzessive auf Basis eines modernen Schulraumkonzepts neu- bzw. umgebaut werden. Den 2012 ausgelobten – geladenen – Wettbewerb für den Umbau der Volksschule Edlach hatte das Büro Dietrich|Untertrifaller (Projektleiterin Anna Norrgård) gewonnen. Mit einem Projekt, das letztlich aber nicht umgesetzt wurde. Es wurde durch ein räumlich wesentlich radikaleres ersetzt, das am Ende nur die Grundmauern der bestehenden Turnhalle „überlebt“ haben.

Nicht zuletzt deshalb, weil die Edlacher Volksschule seit diesem Herbst als Clusterschule geführt wird. Das bedeutet, dass jede der drei Klassen eines Jahrgangs ein Stammklassenzimmer hat, während sie sich alle zusammen zwei Gruppenräume und die überdachten Außenbereiche teilen. Gruppiert sozusagen als Schule in der Schule rund um einen großen, durch Glaswände durchlässigen, mittigen Raum, der durch das gesamte 70 Meter lange Klassengeschoß des Neubaus mäandert. Mit dem Erdgeschoß zusammengebunden durch zwei offen im Raum stehende betonierte Treppen.

In der als Ganztagsschule geführten Volksschule Edlach verfließen Freizeit und Lernzeit, um nicht zuletzt auf diese Weise mehr Lust auf Schule zu machen. Was pädagogisch genauso wie das Lernen in Clustern große Möglichkeiten biete, so die erfahrene Direktorin. Während oben in unterschiedlichen Konstellationen gelehrt bzw. gelernt wird, wird unten gespielt bzw. werden die Aufgaben gemacht. Hier befinden sich auch die Bibliothek, diverse Sonderklassen, Besprechungs- und Lehrerzimmer und die Direktion, genauso wie Garderoben und Toiletten.

Um die Volksschule Edlach in eine zeitgemäße Schule zu verwandeln, musste fast das gesamte Bestandsgebäude weichen. Außer der Sporthalle, die komplett saniert worden ist. Inklusive der Setzung neuer Fensterbänder, die viel mehr Licht in die nun bei Bedarf teilbare Halle einbringen. Deren Wände, Decke und Türen aus Birkenholz gemacht worden sind und deren Fassaden – wie die der Schule – mit Latten aus Weißtanne verkleidet sind. Das Bindeglied zwischen Turnhalle und Klassentrakt ist die komplett verglaste, multifunktional bespielbare und von oben belichtete Aula, in der die Schüler nicht nur mittags essen, sondern auch jeden Freitagnachmittag den Ausklang der Schulwoche gemeinsam feiern.

Dietrich|Untertrifaller spielen in der Volksschule Edlach ganz bewusst mit dem Kontrast von harten und weichen Materialien. Während im Erdgeschoß in Gelb und Grün gestrichener Beton dominiert, ist im eigentlichen Klassentrakt darüber alles aus Holz. Was trotz des durch viel Glas räumlich sehr offenen Konzepts eine angenehm wohnliche Atmosphäre schafft. In die Schmalseiten des 70 Meter langen, zur Aula auskragenden Baukörpers sind überdachte Balkone geschnitten, die in der warmen Jahreszeit als Außenklassen genützt werden.

Betreten wird die Volksschule Edlach von zwei Seiten der Aula. Über große Pausenhöfe, die in einem warmen Farbton asphaltiert sind. An der schönen alten Kastanie im hinteren Teil freuen sich allerdings nicht nur die Schüler und Lehrer, soll dieser doch zum Begegnungsort für alle Menschen der Umgebung werden.

Daten & Fakten

Objekt Volksschule Edlach
Bauherr Stadt Dornbirn
Architekten Dietrich | Untertrifaller Architekten www.dietrich.untertrifaller.com
Projektleitung P. Nußbaumer, A. Norrgård Statik gbd, Dornbirn (Wettbewerb: P. Nagy, Dornbirn)
Planungsdaten Wettbewerb: 2012; Planungsbeginn: 2014; Baubeginn: 2015; Fertigstellung: 2016
Objektdaten Grundstücksfläche 10.190 m²; Bruttogeschoßfläche 4195 m² oberirdisch;  Nutzfläche 3770 m² oberirdisch Nutzung: 12 Klassen „Cluster“
Konstruktion Massivbau Fassade im E1 Holzriegelfassade
Technische Daten Energieverbrauch: 40 kWh/m²

Leben & Wohnen – Immobilienbeilage der VN

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut
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