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Düstere Wirtschaftsprognose für Österreich

Österreichs Wirtschaft dürfte heuer um 2,2 bis 2,7 Prozent schrumpfen, nehmen Wifo und IHS in ihrer neuen Prognose an, doch ist bei weiteren Hiobsbotschaften aus dem Ausland auch ein Minus nahe 3 Prozent denkbar.

“Unter drei Prozent Minus können wir bleiben, wenn sich das Umfeld nicht weiter verschlechtert”, sagte IHS-Chef Bernhard Felderer am Freitag. Deutschland schlittert heuer mit geschätzten 5 Prozent BIP-Minus in eine veritable Rezession. Durch einen “Österreich-Bonus” kann sich unser Land davon positiv absetzen: flexibler Arbeitsmarkt, konkurrenzfähige Preise, Sozialpartnerschaft helfen laut Felderer, dass der BIP-Abstand zum Nachbarn nun größer bleibt als 1 bis 1,5 Prozent wie sonst. Aber die Arbeitslosigkeit bleibt drei Jahre lang hoch, sagt Wifo-Chef Karl Aiginger, auch wenn die Wirtschaft 2010 wieder 1/2 Prozent wächst. Das Budgetdefizit steigt heuer auf 3,5 und 2010 auf zumindest 4 Prozent.

 

“Die Weltwirtschaft ist in einer tiefen Rezession”, der sich “Österreich als kleine, exportorientierte Volkswirtschaft nicht entziehen kann”, erklärten die Experten bei der Prognose-Vorlage am Freitag. Es handle sich um “den schwersten Wirtschaftseinbruch der Nachkriegszeit”. “Das Konjunkturtal ist wesentlich tiefer als gedacht”, so Aiginger. Die Weltwirtschaft werde heuer um ein Prozent schrumpfen, überhaupt der erste Rückgang seit 1945.

Vor allem ein starker Einbruch bei Exporten, Produktion und Investitionen schwächt die Wirtschaft Österreichs heuer, während der Privatkonsum – der in den vergangenen Jahren immer schwächer als das BIP gewachsen ist – jetzt durch die hohen Lohnabschlüsse 2008, die Steuerreform und verschiedene Transfers dieses und nächstes Jahr weiterhin real zulegt.

Die Warenexporte dürften heuer um 7 Prozent (Wifo) bis 9,5 Prozent (IHS) einbrechen, für die Importe wird mit -5,0 bzw. -6,7 Prozent ein nur etwas geringeres Minus erwartet. Gründe für das Exportminus sind der markant verlangsamte Welthandel und die sehr schwache Nachfrage aus Deutschland und Osteuropa. Die Importe werden durch die schwächere Binnennachfrage gebremst. 2010 sollte sich die Außenhandelsdynamik wieder leicht beleben und leichte Exportzuwächse möglich sein. Der Welthandel wird laut Felderer heuer “massiv schrumpfen”, so stark “wie seit Jahrzehnten nicht”; die Schätzungen lägen zwischen 8 und 12 Prozent Rückgang.

Heuer schrumpft die heimische Sachgütererzeugung um mehr als 5 Prozent, der Handel 1,5 Prozent, befürchtet das Wifo. Die Bruttoanlage- bzw. Bruttoinvestitionen dürften in Österreich heuer um 5 bis über 6 Prozent zurückgehen, glauben Wifo und IHS; 2010 könnte sich ein kleines Plus ausgehen (Wifo) oder es gibt doch noch ein Minus (IHS). Besonders stark sinken die Ausrüstungsinvestitionen, laut Wifo und IHS real um 10 bzw. 8 Prozent 2009; 2010 kann maximal eine Stagnation erreicht werden.

Die Inflation dagegen sinkt wegen der Energiepreisrückgänge deutlich auf heuer unter ein Prozent und etwas über ein Prozent 2010, nehmen Wifo und IHS an. Trotz des Erlahmens der Inflation tauche keine Deflation am Horizont auf, betonte Aiginger. Dies gelte auch, wenn heuer in einem Monat die Inflationsrate einmal auf einen negativen Wert von -0,1 oder -0,2 Prozent springen sollte.

Die Arbeitslosenquote nach heimischer Berechnung dürfte 2009 auf fast 7 1/2 Prozent und 2010 über 8 Prozent klettern. Die Beschäftigtenzahl dürfte, nach mehreren Jahren mit Zuwächsen, heuer um über 1 Prozent und 2010 nochmals um 1/2 Prozent sinken. Die Beschäftigtenzahl werde heuer um 38.000 (-1,2 Prozent) abnehmen, so das Wifo, jene der vorgemerkten Arbeitslosen um 53.000 (+25 Prozent) steigen. Auch 2010 bessert sich die Lage noch nicht: Die Beschäftigung werde um weitere 20.000 sinken (-0,6 Prozent) und die Arbeitslosigkeit um 33.000 Personen steigen. Die Arbeitslosenquote werde auf 7,3 Prozent 2009 und 8,2 Prozent 2010 klettern, laut Wifo “die höchste Quote seit über 20 Jahren”.

In die Lohnpolitik wollen sich die Wirtschaftsforscher nicht einmischen. Doch hat das IHS für seine Prognose eine 0,5-prozentige Erhöhung für die kommende Herbstlohnrunde unterstellt. Im öffentlichen Dienst dürfte der Abschluss noch geringer ausfallen, sagte Felderer.

Wie in den meisten EU-Staaten wird die 3-Prozent-Grenze beim Budgetdefizit laut Maastricht allerdings mit heuer 3,5 und nächstes Jahr 4 Prozent überschritten werden, so das Wifo. “Jedoch leisten die fiskalpolitischen Maßnahmen in dieser außergewöhnlichen Wirtschaftslage einen wichtigen Beitrag zur Stützung der heimischen Wirtschaft und sind daher als notwendig zu bewerten”, wird betont.

Felderer erwartet, dass das Budgetdefizit des Gesamtstaates 2010 auf “mindestens vier Prozent” ansteigen wird, nach rund 3 1/2 Prozent des BIP heuer und noch 0,3 Prozent Überschuss im Vorjahr. Für 2009 prognostiziert das Institut für Höhere Studien einen Abgang von 3,3 Prozent des BIP, “doch würden wir auch die 3,5 Prozent Defizit des Wifo sofort unterschreiben”, sagte Felderer. Höher als die 4 Prozent könnte die Defizitquote laut Maastricht 2010 ausfallen, “wenn es bestimmte Probleme gibt, etwa wenn Garantien schlagend werden oder eine Bank Geld braucht”, so der IHS-Leiter.

Die Regierung sollte die Wirtschaftslage unseres Landes auf internationaler Ebene besser darstellen und damit Rating-Agenturen Paroli bieten, bei denen Österreich wegen seiner Ost-Nähe in jüngster Zeit schlecht weggekommen ist, forderte Aiginger. In Roadshows könnte die Regierung darauf hinweisen, dass Österreich seit Jahren qualitativ bessergestellt sei als andere Staaten. Und die Rating-Agenturen sollten “nicht nur die Kilometer-Distanz zum Osten” ansehen, sondern auch makroökonomische Daten.

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