Drosten: Deshalb explodieren die Coronazahlen jetzt

Für Drosten ist klar, dass die Lage aich außer Kontrolle geraten könne
Für Drosten ist klar, dass die Lage aich außer Kontrolle geraten könne ©APA-AFP-Tobias Schwarz
Der Virologe erklärt die massiv angestiegenen Fallzahlen der letzten Tage mit dem Perkolations-Phänomen. Darunter versteht man ein „Durchsickern“ ab einem gewissen Schwellenwert. 
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In Vorarlberg und Österreich sind die Coronazahlen zuletzt massiv angestiegen.

Besonders dramatisch ist die Situation etwa in Spanien, Frankreich, Israel oder auch Tschechien. Eine mögliche Erklärung für den Anstieg vielerorts liefert der deutsche Virologe Christian Drosten.

Schlagartiger Effekt

Eine Prognose, bis zu welcher Grenze sich die Zahl der Corona-Neuinfektionen noch kontrollieren lasse und wann eine massenhafte Ausbreitung beginne, ist dem Berliner Virologen Christian Drosten zufolge kaum möglich. "Das ist ganz schwer einzuschätzen, ab wann das passiert", sagte er in seinem NDR-Podcast. Klar sei, dass es zu einem schlagartigen Effekt, einem Schwelleneffekt kommen könne.

Perkolation

Doch warum steigen die Corona-Zahlen nach monatelanger Stabilität gerade jetzt wieder an? Zu erklären sei das mit dem Phänomen der sogenannten Perkolation. Drosten erklärte den physikalischen Effekt am Beispiel eines gefüllten Kaffeefilters auf einer Kanne: Füge man Tropfen für Tropfen Wasser hinzu, passiere ganz lange gar nichts - und dann sickere plötzlich Wasser in die Kanne.

Schwelleneffekt

Ursache sei, dass zunächst eine durchgehende Verbindung wassergefüllter Hohlräume im Kaffeepulver entstehen müsse. Das Perkolationsphänomen lasse sich auch auf die Realität bei der Corona-Ausbreitung übertragen. Auch hier könne es zu einem schlagartigen Effekt, einem Schwelleneffekt kommen.

Übertragungsnetzwerk

Grundlage seien Cluster in der Bevölkerung - etwa Familien oder WGs - die lose miteinander verbunden seien. Durch das Verbinden von Clustern im ganzen Land entstehe ein Übertragungsnetzwerk. Dabei gebe es aber viele Einflussfaktoren wie die mittlere Größe der Cluster, die Mobilität der Bevölkerung, den Umfang der Sozialkontakte. Von Land zu Land beeinflussten sie das Geschehen ganz unterschiedlich. "Und darum kann ich jetzt nicht sagen: Hier ist der Schwellenwert."

Lage kann außer Kontrolle geraten

„Wir müssen uns ehrlich eingestehen, dass wir nicht genau wissen, wo das Virus gerade überall ist", sagt Drosten. Klar sei aber, dass die Lage außer Kontrolle geraten könne. "Es gibt die Möglichkeit, dass wir uns etwas vormachen, wenn wir uns sagen: Ja, das läuft ja im Moment ganz gut, dann machen wir mal so weiter wie bisher."

Die Corona-Situation sei kontrollierbar, solange man die auftretenden Cluster gut isolieren kann und die Cluster-Mitglieder unter sich bleiben. Bei immer mehr unentdeckten Clustern - weil Menschen ihre Infektion nicht bemerken oder verschweigen - könne es jedoch den Perkolationseffekt geben.

Die Zahlen stiegen dann schlagartig, ohne dass ein Grund erkennbar sei. "Ich habe das Gefühl, das ist, was wir gerade in Frankreich sehen."

(APA)

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