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Dowas: Flüchtlingsplus steigert altbekannte hausgemachte Probleme

Dowas-Leiter Michael Diettrich spricht von Konflikten aufgrund des durch die Flüchtlingen zugenommenen Druck unter den Ärmsten und einer verfehlten Wirtschaftspolitik.
Dowas-Leiter Michael Diettrich spricht von Konflikten aufgrund des durch die Flüchtlingen zugenommenen Druck unter den Ärmsten und einer verfehlten Wirtschaftspolitik. ©VN. Paulitsch; VOL.AT: Rauch
Bregenz. Der Verein DOWAS, Durchgangsort für Wohnungs- und Arbeitssuchende in Bregenz, hat 2015 erstmals über 1.000 Klientel, ein Viertel mehr als noch im Jahr davor. Leiter Michael Diettrich spricht von Konflikten aufgrund des durch die Flüchtlingen zugenommenen Druck unter den Ärmsten und einer verfehlten Wirtschaftspolitik.
Den größten Zuwachs mit einem Plus von 155 Personen war in der Beratungsstelle zu verzeichnen – von denen wiederum 80 Prozent anerkannte Flüchtlinge waren. Diese seien jedoch nicht schuld an der Verschärfung, schließlich sei auch die Zahl der ansässigen Beratungssuchenden im selben Verhältnis wie die vergangenen Jahren gestiegen. Vielmehr seien es die selben hausgemachten und altbekannten Probleme wie in den vergangenen Jahren, ist Diettrich überzeugt: Der akute Mangel an leistbarem Wohnraum und die schlechte Situation auf dem Arbeitsmarkt.

Es mangelt an Wohnungen und Arbeit

So habe man sehr lange den notwendigen Ausbau des gemeinnützigen Wohnbaus verschlafen und auch die immer noch andauernde Wirtschaftskrise sei wenig hilfreich. Dabei wäre neben Bildung gerade Arbeit ein wichtiger Faktor, um die Integration der Flüchtlinge zu erleichtern und zu gewährleisten. Dass die Konflikte zunehmen, merkt Diettrich nicht zuletzt in der eigenen Beratungsstelle. “Ich kann durchaus nachvollziehen, dass sich zumindest ein Teil unserer traditionellen Klientel durch die Flüchtlinge zurückgesetzt fühlt”, betont er auf Verweis um die zugenommene Konkurrenz um Wohnraum, Arbeit und Beratungszeit.

Politik müsse Binnennachfrage fördern

Nicht nur, dass man in der Politik derzeit einen ausgeglichenen Haushalt für wichtiger halte, als Investitionen in die Integration. Wenig erleichtert werde die Situation durch die wirtschaftspolitische Ausrichtung. Denn man setzt weiterhin auf Export statt die Binnennachfrage im eigenen Land zu fördern. So würden lediglich große Exportunternehmen profitieren, während KMU zu kämpfen haben. Das schüre die Probleme des DOWAS-Klientel. Die drohende Kürzung der Sozialleistungen wie die Mindestsicherung sei da genau ein Schritt in die falsche Richtung. “Bei Nachfragerückgang Sozialleistungen zu kürzen ist wirtschaftlicher Harakiri”, warnt Diettrich vor einem weiteren Rückgang des Konsums.

Exportorientierung steigere Flüchtlingsdruck

Die Vernachlässigung des Binnenmarktes ziehe einen Rattenschwanz hinter sich her. Denn die Flüchtlinge waren in ihrer Heimat meist Besserverdiener, die sich nach der teuren Flucht im reichen Österreich ähnliche Chancen erhofften. Jedoch seien viele Qualifikationen zwar erlernt, aber ohne formale Abschlüsse wie Zeugnisse. Und bei geringem Wirtschaftswachstum würde man diese nicht einmal als Hilfsarbeiter einstellen. Und da der Export in deren Herkunftsländer die Wirtschaft schwächen, wachse dort ebenfalls der Druck – und treibe damit mehr Flüchtlinge nach Europa.

Bessere Stimmung dank Flüchtlingskindern

Derzeit hofft man bei DOWAS, im nächsten Jahr endlich in neue Räumlichkeiten umziehen zu können. Die Verhandlungen seien “hoffentlich” auf der Zielgeraden. Doch habe Diettrich auch etwas Positives zu berichten: Da die Flüchtlinge meist mit den Kindern zur Beratungsstelle gingen und freundliche, respektvolle Menschen seien, habe sich die Stimmung selbst bei DOWAS verbessert. Unterm Strich wolle Diettrich es aber nicht mit Merkels “Wir schaffen das” halten, sondern: “Man kann das schaffen, aber ob wir es schaffen weiß ich nicht.”

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