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Dora. Schöne neue Kuhstallwelt

Bernd Tschofen (Universität Tübingen) spricht über: Von echten und imaginären Rindern
Bernd Tschofen (Universität Tübingen) spricht über: Von echten und imaginären Rindern ©Artenne

Fr, 3. September
19:30 Uhr, Vortrag + Essen

Von echten und imaginären Rindern
Bernhard Tschofen, Universität Tübingen
Notizen eines Kulturwissenschafters zum alpinen Kulturwandel

Bernhard Tschofen ist Professor für Empirische Kulturwissenschaft am Ludwig-Uhland-Institut der Universität Tübingen. Seine Forschungs- und Lehrschwerpunkte sind Regionale Ethnographie, Volks- und Alltagskulturen der Moderne, Wissenskulturen und Museologie.

Das Rind ist nicht nur eines der wichtigsten Symbole alpiner Landwirtschaft und der Alpen überhaupt, es ist auch ein Indikator unseres Verhältnisses zu den natürlichen Ressourcen des Raums. Welche kulturellen Veränderungen stecken aber hinter der gewandelten Bedeutung des (kulturell primär als “Kuh” in Erscheinung tretenden) Rinds und seiner Images? Wie wirken die neuen Agrar-Regimes auf traditionelle Produktionsweisen und unsere Vorstellungen von alpiner Qualität, und was geschieht, wenn dabei Kulturerbe und Ökonomie aufeinander treffen?
Abgestimmt auf die Speisenfolge des kulinarischen Abends serviert der aus Vorarlberg stammende Kulturwissenschafter Bernhard Tschofen ein paar Gänge seiner Beobachtungen zu alpinen und (meta-alpinen) Transformationen in Alltag, Tourismus und Landwirtschaft.
Kurator Dr. Bernhard Kathan serviert Innereien vom Rind.
Voranmeldung bis 3.9., 13 Uhr, unter 0664-7357 45 13

Do, 9. September
18:00 Uhr Dialogführung mit Kurator Bernhard Kathan
19:30 Uhr, “Die Generallinie” (ein Film von Sergej M. Eisenstein)

In Sergej M. Eisensteins Film Die Generallinie (1926/29), entstanden kurz vor der Zwangskollektivierung in der Sowjetunion, soll die Technik die Bauern aus der Armut führen. Die Bauern, die Eisenstein zeigt, sind stumpf, grob, Teil des Erdreichs und des Schmutzes. Sie wohnen nicht in Häusern. Sie vegetieren in Erdhöhlen, in Erdlöchern. Die Technik, so das Versprechen, würde ihnen helfen, sich von der Armut und der Natur zu emanzipieren. Die Zwangskollektivierung hatte in der Sowjetunion statt der behaupteten Überproduktion Hungersnöte zur Folge. Ironischerweise hat Eisenstein aber die moderne Landwirtschaft vorweggenommen. Die einst maroden LPGs der ehemaligen DDR zählen heute zu den profitabelsten landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland. Hier wurden jene Rahmenbedingungen geschaffen, die einen sehr hohen Automatisierungsgrad erlauben. Eisensteins Film Die Generallinie lässt sich vor diesem Hintergrund betrachten, aber bis heute zählt er zu den großen Meisterwerken der Filmgeschichte, die Montagetechnik wie anderes betreffend.
Einführung: Bernhard Kathan

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