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Doppelsieg bei Biathlon-WM

©AP
Die österreichischen Biathleten haben am Samstag bei den Weltmeisterschaften in Pyeongchang im Massenstart-Bewerb einen triumphalen Doppelsieg gefeiert. Bilder

Österreichs Biathleten haben einer erfolgreichen Saison am Samstag auf sensationelle Art und Weise die Krone aufgesetzt. Jungstar Dominik Landertinger und Routinier Christoph Sumann feierten bei der WM in Pyeongchang einen Doppelsieg im Massenstart über 15 km. Der 20-jährige Landertinger ist damit Österreichs zweiter Biathlon-Weltmeister nach Wolfgang Rottmann, der 2000 in Oslo über 20 km vor seinem Landsmann Ludwig Gredler triumphiert hatte.

 

“Wahnsinn, das ist mein Lebenstraum. Seit ich zehn Jahre alt bin, habe ich ihn geträumt. Mit 20 ist er in Erfüllung gegangen. Das ist einfach unglaublich”, sagte Landertinger, der nicht nur seine erste WM-Medaille, sondern auch seinen ersten Weltcupsieg feierte. Der Tiroler ist damit der jüngste Weltmeister seit dem Deutschen Mark Kirchner, der 1990 in Oslo 19 Jahre alt gewesen war. Viele sehen in Landertinger einen der kommenden Stars der Szene.

Im Finish hatte der Youngster sogar den Größten stehen gelassen – Ole Einar Björndalen, der sich hinter dem Russen Iwan Tscheresow mit Platz vier begnügen musste. Das Quartett war nach dem vierten Schießen praktisch gemeinsam in die Loipe gegangen. “Da habe ich schon gewusst, dass der Landi das Ding gewinnen wird. Er ist auf der Schlussrunde praktisch unschlagbar”, sagte Sumann, der mit 33 Jahren selbst seine erste Einzelmedaille holte.

Dabei waren beide Österreicher nach dem ersten Schießen mit zwei Fehlern bereits deutlich zurück gelegen. Danach folgte aber nur noch jeweils ein einziger Fehlschuss beim letzten Stehend-Anschlag. Björndalen, der die Bewerbe in Pyeongchang bisher dominiert hatte, hatte daneben zwei Scheiben stehengelassen. “Es ist ein unglaubliches Gefühl, ihn geschlagen zu haben. Er hat so viel gewonnen und er ist immer ein Vorbild gewesen”, sagte Landertinger.

Neben Sumann war der Norweger auch der erste Gratulant im Ziel. “Ich habe einfach nicht mithalten können”, gestand Björndalen und streute dem Jungstar Rosen: “Wenn er so weitermacht, dann kann er ein sehr großer Athlet werden. Er ist in einer hervorragenden Form.” Schon am Dienstag im Einzelbewerb über 20 km war Landertinger auf Rang sechs gelandet – obwohl ihm eine Rachenentzündung zu schaffen gemacht hatte. Davon war im Rennen seines Lebens keine Spur, nur bei der Dopingkontrolle brauchte er dann etwas länger.

“Das ist einfach ein Traumgefühl – der Lohn für ein ganzes Jahr harte Arbeit”, jubelte ÖSV-Trainer Reinhard Gösweiner nach dem Zieleinlauf. Tränen standen ihm in den Augen, als er noch einmal zum Funkgerät griff. “Das war außerirdisch. Das sind zwei i-Tüpfelchen auf eine sensationelle Saison”, ergänzte Biathlondirektor Markus Gandler. “Das haben sie sich wirklich verdient.”

Tatsächlich ist der Doppelsieg gar keine echte Sensation. Die ÖSV-Biathleten haben sich in diesem Jahr in der Weltspitze etabliert. Sumann ist Führender im Massenstart-Weltcup, Landertinger hatte sich bereits bei der Generalprobe in Antholz erst im Sprint mit Platz zwei begnügen müssen. “Darauf wollte ich es diesmal nicht ankommen lassen”, erklärte der Weltmeister, der eigentlich noch in der Junioren-Klasse antreten dürfte.

Am letzten schweren Anstieg ließ Landertinger Björndalen stehen, wenig später tat es ihm Sumann gleich. 8,9 Sekunden fehlten dem Steirer am Ende auf seinen Landsmann. “Ich habe alles auf eine Karte gesetzt und Silber gewonnen – nicht Gold verloren. Das entschädigt für alles, was man in einem Sportler-Leben auf sich nimmt”, erklärte Sumann, aus dem es nur so sprudelte. “Ich habe schon den ganzen Tag nicht gewusst, wohin mit meiner Energie.”

Simon Eder komplettierte das mannschaftlich starke Ergebnis mit zwei Fehlern als Achter (+50,6). Dabei hatte sich der Salzburger beim ersten Schießen auf den falschen Stand gelegt und dadurch Zeit verloren. “Das ist ein Traumtag für Österreich”, sagte Eder, der sich dadurch auch neben Daniel Mesotitsch (25.) ins Staffelteam für Sonntag (11:15 Uhr/live ORF1) lief. Im abschließenden Bewerb hat die ÖSV-Equipe die Chance, die WM in Südkorea zur erfolgreichsten der Geschichte zu machen.

Nicht erst seit dem Doppelsieg zählt die ÖSV-Staffel zu den Favoriten. In allen vier bisherigen Saisonrennen waren die Österreicher auf dem Podest gelandet, führen zudem im Spezial-Weltcup. Dazu kommt neues Selbstvertrauen. “Wir sind jetzt motiviert bis in die Haarspitzen”, versicherte Sumann, der bereits bei Staffel-Bronze 2005 in Hochfilzen dabei gewesen war. “Wir mischen sie morgen auf wie eine Keksdose.”

 

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