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Dividendenstopp und Bonikürzung trifft Großkonzerne ins Mark

Hilfsfonds bietet Kredite mit Staatsgarantie

Die Coronakrise verlangt den Firmen einiges ab. Die Bundesregierung hat am Freitag per Gesetzeserlass beschlossen, einen einjährigen Dividendenstopp einzuführen sowie die Boni-Auszahlung für die Manager von Groß-Konzernen zu beschränken. Diese beiden heute im Nationalrat beschlossenen Gesetzesverordnungen treffen die wirtschaftlichen Big Player wie Banken oder Versicherungen mitten ins Mark.

Das Corona-Hilfspaket sieht Kredite mit Staatsgarantie und nicht rückzahlbare Zuschüsse vor, verlangt aber im Gegenzug von den Unternehmen Einschränkungen bei Boni und Dividenden.

Der Unmut darüber ist groß in der Finanzwelt.

Boni mehr als halbiert

Unternehmen die Liquidität brauchen können einen zu 90 Prozent vom Staat garantierten Betriebsmittelkredit beantragen. Im Gegenzug müssen Unternehmen, die Staatshilfe bekommen, im Zeitraum 16.3.2020 bis 16.3.2021 auf Dividenden aus dieser Liquiditätshilfe verzichten. Vor dem 16. März 2020 beschlossene Dividenden können aber noch ausgezahlt werden. Boni an den Vorstand dürfen maximal halb so hoch sein wie im Vorjahr.

Kriterium für die Hilfe ist die Geschäftstätigkeit bzw. Liquiditätsprobleme in Österreich. Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern können den Zuschuss beantragen, auch wenn sie Mitarbeiter gekündigt haben. Größere Unternehmen hingegen nur, wenn sie auf Kurzarbeit zurückgreifen und keine Mitarbeiter kündigen.

Pierer ruderte zurück

Der Motorradhersteller Pierer geriet zuletzt massiv in die Kritik, nachdem das Unternehmen an seinem Dividendenvorschlag von 0,30 Euro festgehalten hatte, während die Firma gleichzeitig wegen der Coronavirus-Krise das Kurzarbeit-Programm der Regierung für die gesamte Belegschaft nützt. Kurz darauf gab das Unternehmen bekannt, nun doch keine Dividende für 2019 ausschütten zu wollen. Es sei selbstverständlich, dass unter derartig schwierigen Bedingungen die Gewinne im Unternehmen verbleiben müssten. Pierer wolle sein Händlernetz - insbesondere den stark von den Maßnahmen betroffenen Zweiradhandel - "in dieser schwierigen Zeit bestmöglich finanziell mit verschiedensten Maßnahmen" unterstützen.

Rufe wurden immer lauter

Die Rufe rund um eine gesetzliche Regelung zu den Dividendenausschüttungen wurden zuletzt immer mehr. Nach der Forderung der SPÖ hatte sich auch die AK Wien dafür ausgesprochen, die Auszahlung von staatlichen Hilfen an Auflagen zu knüpfen. Zusätzlich zu einem Dividenden-Stopp fordert die AK aber auch eine "Beschränkung der Managergehälter bei 500.000 Euro und die Streichung der Boni für das heurige Geschäftsjahr".

Bei Industrieunternehmen herrscht Unsicherheit, weshalb bereits viele Firmen ihre Hauptversammlungen - bei der die Entscheidung über den Dividendenvorschlag fällt - nach hinten verschoben haben; beispielsweise die OMV, Verbund, Post, Lenzing, VIG und Andritz.

Einige heimische Unternehmen haben im Zuge der Coronavirus-Krise bereits ihre Dividenden auf den Prüfstand gestellt - allen voran die Banken, die auch schon von der Europäschen Zentralbank (EZB) sowie von der Finanzmarktaufsicht dazu aufgefordert wurden, keine Gewinne auszuschütten.

Bawag-Vorstand verzichtet auf Bonus

Der BAWAG-Vorstand verzichtet für 2020 auf einen allfälligen Bonus. Schon für 2019 habe der Vorstand akzeptiert, keine Bonus zu erhalten, heißt es in einer Aussendung der Bank vom Freitag. Dafür gebe es eine Prämie für Filialmitarbeiter mit Kundenkontakt. Über eine allfällige Dividende für 2019 wird die Bank erst entscheiden - die Hauptversammlung wurde kürzlich auf das vierte Quartal verlegt. Weitere Banken werden nachziehen (müssen).

FMA rät Versicherern von Ausschüttungen ab

Die Finanzmarktaufsicht FMA hat den großen Versicherungsunternehmen wie Uniqa oder Vienna Insurance Group jedenfalls noch am Freitag dringend geraten, auf Dividendenausschüttungen sowie Aktienrückkäufe zu verzichten, berichtet "Der Börsianer". Bereits am Donnerstag forderte die EU-Versicherungsbehörde "EIOPA" von ihrer Branche einen vorläufigen Verzicht auf Dividenden und Boni für die Assekuranz ein. Das belastete am Freitag die Aktien vieler Versicherer.

In Deutschland, dem Nachbarland Österreichs, stieß diese EU-Forderung auf sofortigen Widerstand. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin stellt sich gegen den von der EU-Versicherungsbehörde geforderten vorläufigen Verzicht auf Dividenden und Boni. "Ein pauschales Ausschüttungsverbot für Versicherungsunternehmen und Pensionskassen hält die BaFin derzeit nicht für geboten", heißt es in einer Stellungnahme der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Kleinanleger-Vertreter sieht keine Notwendigkeit

Keine Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung für Dividendenausschüttungen sah unter der Woche der Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger, Präsident des Interessenverbandes für Anleger (IVA). Viel mehr müsste jedes Unternehmen für sich eine verantwortungsvolle Entscheidung diesbezüglich treffen. "Es geht darum, Augenmaß zu halten," so Rasinger. Es müsse sich jede Unternehmensführung die Frage stellen, ob die Höhe der Dividende - trotz des gut gelaufenen Jahres 2019 - gerechtfertigt sei, so Rasinger im Gespräch mit der APA.

Rasinger wies außerdem darauf hin, dass ein Verbot von Dividenden auch für den Staat zu Einnahmeverlusten führen würde. Denn neben dem Dividendenentgang für die eigenen - über die ÖBAG sowie indirekt gehaltenen - Unternehmensbeteiligungen würden dem Staat auch "Millionen Euro an Kapitalertragssteuereinnahmen" entgehen, so das Aktienforum.

Freiwillige Gehaltsverzichte in der Schweiz

Für Aufsehen in der Schweiz hat das Unternehmen ABB gesorgt: Die Chefs des Technologiekonzerns kündigten am Montag an, ab sofort und freiwillig für die Zeit der Krise auf 10 Prozent ihres Salärs zu verzichten. Konzernchef Björn Rosengren, der Anfang März bei ABB das Ruder übernommen hat, will damit ein "Zeichen der Solidarität" setzen, wie er erklärte.

"Wir müssen zusammen stark bleiben - für ABB und unsere Gesellschaft", lautete die Botschaft Rosengrens. Das durch die Salärreduktion eingesparte Geld soll helfen, die Auswirkungen der Coronavirus-Krise abzufedern. Denn ABB rechnet wegen der Pandemie in der Rechnung des ersten Quartals 2020 mit deutlichen Bremsspuren.

Einige Tage vor ABB kündigte die TX Group an, dass ihre Chefs auf Geld verzichten. Die Geschäftsführer der vier TX-Unternehmen Tamedia, Goldbach, 20 Minuten und TX Markets hätten entschieden, auf einen allfälligen Anspruch aus dem "Unternehmensleitungs-Gewinnbeteiligungsprogramm" für das laufende Jahr zu verzichten, hieß es. Mitte März hatte der Medienkonzern für die Belegschaft Kurzarbeit beantragt.

Nach ABB und der TX Group ziehen nun die Chefs weiterer Firmen nach: Die Verwaltungsräte und Manager der Schaffhauser Traditionsfirma Georg Fischer wollen ebenfalls aus Solidarität temporär auf 10 bis 20 Prozent ihrer fixen Vergütungen verzichten. Das dadurch frei werdende Geld soll an Mitarbeitern aus Staaten mit schlecht ausgebauten Sozialversicherungssystemen bezahlt werden.

(APA) (Red.)

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