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Diskussion um Draken-Nachfolge

Im Rennen um die Draken-Nachfolge setzen der US-Rüstungs-konzern und die US-Regierung auf ihr Alternativ-angebot für gebrauchte F-16-Jets aus dem Bestand der US Air Force.

Eine Modernisierung könnte diese rund 20 Jahre alten Flugzeuge technisch fast auf den Stand neuer Maschinen bringen, betonten die zuständigen Lockheed Martin-Manager vor österreichischen Journalisten am Firmensitz in Fort Worth (Texas). Kosten würden die Jets, die ab 2003 verfügbar wären, aber weniger als die Hälfte des Preises für neue F-16, hieß es unter Hinweis auf Budget und öffentliche Meinung in Österreich.

Die Ausschreibungsfrist für die Draken-Nachfolge ist am Mittwoch vergangener Woche zu Ende gegangen. Gesucht werden neue Jets, 24 Einsitzer sowie als Option sechs Zweisitzer. Dazu soll eine Zwischenlösung für jene Jahre kommen, in denen die Draken nicht mehr und die neuen Maschinen noch nicht fliegen. Als finanzielle Größenordnung für das gesamte System – die Flugzeuge selbst sowie Munition, Ausbildung und Simulationsmöglichkeit – wurden 1,82 Milliarden Euro (25 Mrd. S) genannt. Große Bedeutung wird weiters den Kompensationsgeschäften beigemessen, die ein Ausmaß von 200 Prozent des Kaufpreises erreichen sollen. Die Rüstungsfirmen wurden zudem ausdrücklich eingeladen, Alternativangebote zu machen.

Die US-Regierung, über die Rüstungsgeschäfte mit US-Firmen abgewickelt werden, hat dementsprechend ein Angebot für neue F-16 abgegeben. Details zum Preis oder zum Umfang der Gegengeschäfte wurden noch nicht bekannt gegeben. In Fort Worth hieß es lediglich, mit einem System von 24 Jets inklusive Zwischenlösung würden die finanziellen Vorstellungen der Österreicher erfüllt. In puncto Gegengeschäfte wiederum würden 100 Prozent überschritten.

Die politischen und budgetären Bedürfnisse der Österreicher hofft man freilich mit der Alternativ-Variante besser erfüllen zu können, auch wenn der für Österreich zuständige Vizepräsident Alan Bonderud betont, man wolle keinesfalls einer Variante den Vorzug geben. Das Offert umfasst laut Bonderud 18 Ein- und sechs Zweisitzer, die per „Mid-Life Update“ (MLU) aufgerüstet werden sollen. Das gesamte System würde weniger als die Hälfte der neuen Maschinen kosten.

Genauer festlegen – auch bezüglich der Offset-Erwartungen – wollten sich die Rüstungsmanager nicht. Endgültig geschehen werde dies im Zuge der zu erwartenden zwei Anbotsrunde.

Das MLU-Konzept sei gemeinsam mit Belgien, Dänemark, den Niederlanden und Norwegen entwickelt worden, später habe sich auch Portugal angeschlossen. Bisher seien mehr als 370 Maschinen aufgerüstet worden, die österreichischen wären dann mit den von diesen NATO-Staaten geflogenen praktisch ident. Versehen mit neuem Triebwerk und neuem Cockpit seien die Maschinen mit neuen Jets der Baureihe Block 50/52, für die sich Österreich das Angebot hat stellen lassen, vergleichbar, betonten die Lockheed Martin-Manager.

Als gravierendsten Unterschied nannten sie die verbleibende Lebensdauer der Jets, die bei neuen Maschinen 8.000 Flugstunden, bei den gebrauchten 4.000 Stunden betrage. Umgelegt auf die österreichische Anforderung von 180 Flugstunden pro Flugzeug und Jahr bedeute dies bei den neuen Maschinen eine Lebensdauer von mehr als 44 Jahren, bei den gebrauchten eine von mehr als 22 Jahren.

Insgesamt würde der Weg eines Jets vom Abstellplatz in der Wüste von Arizona, wo derzeit 376 F-16 auf eine weitere Verwendung warten, bis zur Auslieferung vier bis sechs Monate dauern. Die Maschinen würden von der US-Air Force angekauft und dann von Lockheed Martin in Utah sowie von einem Partnerunternehmen in Belgien modernisiert und überholt. Notwendig wären insgesamt rund 4.000 Mannstunden.

Für beide Varianten würden auch in Zukunft immer wieder technische Upgrades angeboten, betonte Miller. Überhaupt sei eine F-16 von heute mit einer in den späten 70er-Jahren in Dienst gestellten nicht mehr vergleichbar, wies er Argumente zurück, sein Produkt beruhe auf einem alten Konzept. „Jeder, der sagt, dass der Gripen (der schwedische Hauptkonkurrent für die F-16, Anm.) fortschrittlicher ist, versteht nichts von Flugzeugen oder ignoriert die Fakten.“

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