Die Zukunft beginnt nach Türkei-Spiel

Mehr als fraglich ist allerdings, ob der Teamchef dann noch Dietmar Constantini heißen wird. Das ÖFB-Präsidium entscheidet am Mittwoch darüber.
Constantini unbeirrt: "Werde Vertrag erfüllen"

Die gute Nachricht vorweg: Österreich hat noch eine Minichance auf die EM-Teilnahme, allein nach der Pleite von Gelsenkirchen fehlt der Glaube. Weitaus greifbarer ist da schon die Teamcheffrage. Weil von einer Weiterentwicklung rein gar nichts zu sehen ist, wird die Arbeit von Teamchef Dietmar Constantini infrage gestellt. „Dieses Gefühl der völligen Hilflosigkeit ist schon ernüchternd“, brachte es VFV-Präsident Dr. Horst Lumper, selbst Augenzeuge der 2:6-Niederlage, auf den Punkt. Er ist nicht der einzige aus dem ÖFB-Präsidium, der nun eine Reaktion fordert. Dass eine solche aber nicht vor dem Türkei-Spiel kommt, ist für ihn nachvollziehbar. Zum einen hat Constantini selbst einen Rücktritt vor Vertragsende (31. Dezember) kategorisch ausgeschlossen, zum anderen sollte nichts überstürzt werden. „Es wäre kontraproduktiv, eine Unruhe reinzubringen“, schob ÖFB-Präsident Windtner einem schnellen Wechselspiel einen Riegel vor.

Der Oberösterreicher hält offiziell nichts davon, einen laufenden Vertrag nicht zu erfüllen. Wohl wissend, dass bei einer neuerlichen Pleite am Dienstag gegen die Türkei der Druck noch größer werden könnte. Noch aber ist Constantini da. Trotz einer bislang sportlich ernüchternden Jahresbilanz, trotz verbaler Aussetzer gegenüber den Medien. Vorerst ist nur der Mann an seiner Seite neu. Denn ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner fungiert seit Sonntag als interimistischer Assistent-trainer von Dietmar Constantini. Der Oberösterreicher sprang für Manfred Zska ein, der wegen Durchblutungsstörungen in der Wirbelsäule in einem Krankenhaus stationär aufgenommen werden musste. Zska war aufgrund dieses Leidens bereits in der Vorwoche behandelt worden. Schon einmal hatte Ruttensteiner interimistisch eine Qualifikationsrunde – für die WM 2006 – zu Ende gebracht.

Nach der Entlassung von Hans Krankl hatte er das Team zusammen mit Andreas Herzog gecoacht. Apropos Krankl: Auch der „Goleador“ hatte als Teamchef gegen Deutschland 2:6 verloren (2002 in Leverkusen). Die Spieler selbst scheint die nun in aller Öffentlichkeit entbrannte Teamchef-Debatte nicht zu belasten. „Die gibt es doch schon seit Monaten, das ist für uns und den Teamchef nichts Neues“, meinte Martin Harnik. Und David Alaba bekräftigte: „Wir stehen voll hinter dem Trainer.“ Doch selten zuvor klafften Anspruch und Wirklichkeit im ÖFB-Team so weit auseinander wie an jenem Abend in Gelsenkirchen. Treffend analysiert von Kapitän Christian Fuchs: „Wir sind zum Teil durch die Gegend gelaufen wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen.“

Diese „Hühner“ werden sich in Zukunft wohl auf einen neuen „Gockel“ einstellen müssen. Erste Bewerbungen dürften schon in der ÖFB-Zentrale eingelangt sein. Erste Namen machen auch schon die Runde. Diese reichen von „Dancing Star“ Toni Polster über Altstar Otto Rehhagel, Christoph Daum, Andreas Herzog und Paul Gludovatz bis hin zu Sturm-Meistertrainer Franco Foda. Es werden noch einige hinzukommen in den nächsten Wochen. Das weiß auch Constantini: „Gespräche wird es wahrscheinlich geben. Meine Bilanz ist ja nicht gerade gut.“ VN

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