Die wirtschaftlichen Folgen der Ausbreitung des Coronavirus

Geschäftseinbußen wegen ausbleibender Kundschaft
Geschäftseinbußen wegen ausbleibender Kundschaft ©APA-AFP - JUNG YEON-JE
Die Ausbreitung des Corona-Virus aus wirtschaftlicher Sicht betrachtet. Die Folgen für Ikea, McDonalds, Tourismus, Fluglinien und Co.

Weltweit wachsen die Sorgen wegen des Coronavirus, auch vor dem Einfluss des Virus auf die weltweit zweitgrößte Wirtschaft China. "Unserer Ansicht nach steht das Schlimmste noch bevor", erklärten die Experten der japanischen Bank Nomura. Sie warnten kurzfristig vor einem schweren Schlag für Chinas Wirtschaft.

Die Bedrohung der Menschen in Österreich oder Deutschland durch den Coronavirus scheint bislang gering. Dennoch könnten sich Reisebeschränkungen und die Sorge um zurückgehende Handelsströme auf die Wirtschaftsleistung auswirken. Die weltweiten Börsen spiegeln mit Kursrückgängen die Verunsicherung wider, die sich angesichts der Ausbreitung des Virus eingestellt hat. Unternehmen versuchen, ihre Mitarbeiter vor Ansteckung zu schützen. Die Sorge um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus umtreibt auch die Wirtschaft.

Ikea schließt alle Filialen

Der schwedische Möbelkonzern Ikea schließt wegen des neuartigen Coronavirus vorübergehend sämtliche seiner Warenhäuser in China. Nachdem der Konzern bereits am Vortag angekündigt hatte, etwa die Hälfte der Filialen zu schließen, folgte am Donnerstag eine Mitteilung, wonach vorerst sämtliche Geschäfte geschlossen bleiben sollen.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, hat McDonalds in mehreren Städten in der betroffenen Region Hubei seine Restaurants geschlossen. Walt Disney kündigte die Schließung seines Themenparks in Schanghai an. Starbucks kann ebenfalls einige Verkaufsstellen nicht öffnen.
Die Kleiderkette H&M schloss bis auf weiteres 74 Filialen und drei Läden der Tochtermarke Monki. 

Zuletzt kündigte Google laut einem Bericht der Technologie-Website "The Verge" an, vorläufig alle Büros in China, Hongkong und Taiwan zu schließen.

Russland schränkt wegen des Virus seine Zugverbindungen von und nach China ein. 

Mittlerweile hat die Viruserkrankung massive Auswirkungen auf die weltweite Wirtschaft, aber auch auf den Sport.

Kein Fußball in China

In Folge der Lungenkrankheit hat China die Fußball-Saison des Landes verschoben. Um die Gesundheit der Fans und Spieler zu schützen, werden geplanten Ligaspiele und Turniere verschoben, wie der chinesische Fußballverband CFA am Donnerstag mitteilte.

Die Alpinen Skirennen in China wurden aus dem Kalender gestrichen. Ein Olympia-Test der Skirennfahrer nahe Peking fiel aus, andere Turniere werden verlegt, ein Test-Event für die Winterspiele 2022 in China gestrichen. Das chinesische Fußball-Nationalteam der Frauen sitzt unterdessen in Australien in Quarantäne.

Die Auswirkungen auf Börsen, Ölpreis, Gold, Tourismus

BÖRSEN: Die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der Virusverbreitung führte zu einem schwachen Wochenstart an der Wall Street. Der deutsche Leitindex Dax trat auf den tiefsten Stand seit drei Wochen.

Die Anleger gingen auf Nummer sicher: US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit stiegen auf den höchsten Stand seit Anfang Oktober. "Die Risikoparameter geben klare Hinweise auf die Reaktion von Investoren auf den Ausbruch der Lungenerkrankung", sagte ein Händler und verwies auch auf Kursgewinne der Gold- und US-Dollar-Notierungen als "sichere Häfen" in unsicheren Zeiten.

"Allgemeine Zeitung" zum Coronavirus: "Bei der Grippewelle 2017/2018 kamen allein in Deutschland rund 25.000 Menschen ums Leben. Es gab keine Quarantäne, keine Evakuierung. Stattdessen schleppte sich mancher mit der Seuche zur Arbeit - und infizierte die Kollegen. Derlei Unvernunft spricht nicht gegen alle Versuche, eine Pandemie des neuen Virus einzudämmen. Die Börsianer nachzuäffen, wäre dagegen albern: Sie haben bereits für Kursverluste von 1,5 Billionen Dollar im Zusammenhang mit dem Coronavirus gesorgt. Wenn die aktuelle Infektionswelle auch noch dazu führt, dass sich die Realwirtschaft weiträumig abschottet, zum " Chexit " sozusagen, dann wird sie wirklich gefährlich."

ÖLPREIS: Die Ölpreise sind zuletzt leicht gesunken. Auch am Ölmarkt blieb das Coronavirus das beherrschende Thema.

GOLD: Die Verunsicherung rund um das Coronavirus dürfte auch eine Stütze für den Goldpreis sein. Dieser wird allerdings durch viele Faktoren beeinflusst.

REISEVERZICHT: Nach der Infektion zweier Mitarbeiter mit dem Virus hat der bayerische Autozulieferer Webasto Dienstreisen sowohl nach China als auch innerhalb Chinas vorerst ausgesetzt. In der Unternehmenszentrale in Stockdorf südwestlich von München ist den 1000 dort beschäftigten Kollegen freigestellt, zu Hause zu arbeiten. Zuvor war bekannt geworden, dass ein Mitarbeiter in Stockdorf von einer chinesischen Kollegin aus Schanghai mit dem neuen Coronavirus angesteckt worden war.

Auch andere deutsche Unternehmen beschränkten Dienstreisen von, nach und in China, darunter Thyssenkrupp, der Autozulieferer Schaeffler, der Spezialchemiekonzern Covestro, BMW, Audi und Siemens.

Der Softwarehersteller SAP ließ seine Niederlassungen in China auch über die Neujahrsferien hinaus geschlossen. Die Mitarbeiter konnten in der Zeit von zu Hause aus arbeiten.

LUFTVERKEHR: Fluggesellschaften könnten besonders unter der Furcht vor dem Coronavirus leiden. Die Sorgen der Reisenden und die Beschränkungen der Arbeitgeber lassen die Buchungszahlen bei der Lufthansa bereits etwas sinken. "Wir verzeichnen ein leicht zurückgehendes Buchungsverhalten bei Flügen von und nach China", sagte ein Sprecher der Lufthansa am Dienstag in Frankfurt.

Nach British Airways und der Lufthansa kündigen immer mehr Fluggesellschaften an, ihre Flüge nach China einzustellen. Auch die spanische Fluggesellschaft Iberia streicht zunächst alle Verbindungen von und nach China.

TOURISMUS: China ist für deutsche Veranstalter eher ein kleiner Markt. Der Deutsche Reiseverband wies darauf hin, dass jährlich etwa 600 000 bis 650 000 Menschen aus Deutschland nach China reisen. Davon sind etwa zwei Drittel Geschäftsreisende. Für den Deutschland-Tourismus sind Gäste aus China von größerer Bedeutung. So wurden nach jüngsten Daten 2018 etwa 3 Millionen Übernachtungen von chinesischen Reisenden in Hotels, Pensionen und anderen Unterkünften gezählt. Sie belegten damit Platz 12 im Ranking ausländischer Urlauber. Hauptreisesaison sind die Sommermonate. Welche Folgen die Reisebeschränkungen haben, hängt davon ab, wie lange sie in Kraft bleiben.

MESSEN: Die weltgrößte Spielwarenmesse in Nürnberg erwartet angesichts des Coronavirus-Ausbruchs in diesem Jahr weniger Besucher aus China. Deshalb und wegen des Neujahrsfests würden voraussichtlich weniger Chinesen die diesjährige Messe besuchen, sagte Messechef Ernst Kick am Dienstag am Rande der Neuheiten-Show. Mehr 360 der 3000 Aussteller kommen aus China. Sie machen damit die zweitgrößte Gruppe aus.

Fed-Chef sieht mögliche Auswirkungen auf US-Wirtschaft

Der Vorsitzende der US-Notenbank (Fed), Jerome Powell, sieht infolge des Virus mögliche Einbußen auf die US-Wirtschaft zukommen. Es sei zwar noch zu früh, um zu sagen, wie groß die Auswirkungen auf die USA sein werden, aber dass dies "eine bedeutende Sache ist, die einige Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft haben wird, zumindest kurzfristig", sagte Powell am Mittwoch zu Reportern.

Chinas Wirtschaft sei aktuell von großer Bedeutung in der Weltwirtschaft, und "wenn Chinas Wirtschaft sich verlangsamt, spüren wir das - allerdings nicht so sehr wie Länder, die näher an China sind oder mehr Handel mit der Volksrepublik betreiben."

Ein chinesischer Regierungsökonom prognostiziert, dass der Ausbruch Chinas Wachstum im ersten Quartal um einen Prozentpunkt auf 5 Prozent oder weniger reduzieren würde.

(APA) (Red.)

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