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Die Schlüssel abgegeben

Hörbranz - 13 Jahre war Josef Batlogg Chauffeur bei der Stadt Bregenz. Nun ist er im Ruhestand.

Vom Bregenzer Festspielhaus zum Rathaus hat die letzte Dienstfahrt geführt. Die Fahrgäste: Bürgermeister Markus Linhart und Stadtamtsangestellter Philipp Schröckenfuchs. Dann hat er die Schlüssel abgegeben und leise „Servus“ gesagt. Eine Krokodilsträne habe es ihm schon abverlangt, gibt Batlogg zu, als er ein letztes Mal das Zündschloss seines Dienstwagens umdrehte. Mit 1. November trat der frischgebackene Pensionist seinen wohlverdienten Ruhestand an. Am Aussehen sieht man das Alter „Pepi“, wie er allerorts bekannt ist, nicht an. Die Haare noch kein bisschen grau, im Gesicht eine gesunde Bräune. Sein Humor könnte es sein, der ihn über die ganzen Jahre jung gehalten hat. Er spricht kaum einen Satz, während er kein Lächeln im Gesicht trägt.

Vom Bäcker zum Chauffeur

Gerne erinnert er sich an seine Laufbahn als Chauffeur zurück. 1977 hatte er sich beim Land beworben. „Ich hatte damals eine gehörige Portion Glück, dass die Wahl auf mich fiel“, sagt Batlogg und verweist auf die 80 Mitbewerber. „Ich war sicher nicht der Beste“, glaubt er bescheiden. Lange Zeit chauffierte er den damaligen Statthalter Siegi Gasser durch die Lande. Als Gasser das Amt des Bürgermeisters in Bregenz bekleidete, lockte auch Batlogg der Ruf aus der Landeshauptstadt – eine willkommene Veränderung. Im Gegensatz zu seiner Arbeit beim Land, gestaltete sie sich bei der Stadt wesentlich vielseitiger. „Dort habe ich auch Büroarbeiten übernehmen können. Das war einem Chauffeur beim Land untersagt.“ Was ihm am allermeisten Freude bereitete: Der gelernte Bäcker war bei unzähligen Gratulationen zugegen. Vertrat auch schon mal den Bürgermeister. „Wer kann schon von sich behaupten, dass er 7500 Geburtstage mitgefeiert hat“, sagt der 65-Jährige mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Immer schön war es aber nicht, sagt er, und denkt dabei an eine Geburtstagsfeier zurück. Das Lächeln in seinem Gesicht – sein ständiger Wegbegleiter – verschwindet. Die Augenlider senken sich. „Es war bei einem 90. Geburtstag einer Frau“, erzählt Batlogg, „sie hatte sechs Kinder, aber ich war ihr einziger Gast. Das stimmte mich traurig und ich musste die Dame in die Arme nehmen.“ Solche Dinge würden einen lange beschäftigen.

Dank Bundesheer an den See

Sein Arbeitstag war oft erst dann zu Ende, wenn der Bürgermeister nach Hause ging. Ab und an konnten es schon sehr lange Tage werden. „Da muss ich mich anständig bei meiner Frau bedanken. Die hatte in diesen Zeiten nicht viel von mir und sie hat mir trotzdem die Treue gehalten“, sagt Batlogg. Wegweisend für den heute sechsfachen Großvater war seine Zeit beim Bundesheer. „Ich war in Lochau stationiert und habe mich in den See verliebt. Hier herrschte ganz eine andere Mentalität“, erklärt der gebürtige Bludenzer, warum es ihn ans andere Ende des Landes zog. Langweilig, das weiß er, wird es ihm in der Pension nicht. Möglichst viel Zeit will er mit seinen sechs Enkeln und seiner Frau verbringen. „Zudem kann ich jetzt“, sagt er, „meine soziale Ader ausleben. Ich möchte noch so viel Gutes für hilfsbedürftige Menschen tun. Dafür könnte ich mir auch vorstellen, einmal für ein halbes Jahr ins Ausland zu reisen.“

Zur Person

Josef „Pepi“ Batlogg arbeitete erst als Bäcker, ehe er 13 Jahre beim Land und anschließend 21 Jahre bei der Stadt Bregenz als Chauffeur angestellt war.

Geboren: 9. September 1946

Ausbildung: Bäcker, Chauffeur

Hobbys: Wandern, Skifahren, Holzen Familie: seit 44 Jahren verheiratet mit Frau Erika, 4 Kinder, 6 Enkel

(VN-toh)

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