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Die Rosarote

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel

Vergangenen Samstag habe ich Rocky getroffen. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, als er unter seinem schwarzen Balboahut, ein Fedora, aus dem Betlehem kam, in seinem unverkennbaren Gang die LKW-Street Rattlerdorf Richtung Danner trans pirierte und dabei, eh klar, mit einer kleinen schwarzen Kugel schon glierte. Ich sah ihn, weil ich zu diesem Zeitpunkt visàvis im Café Danner saß und meinen kleinen Schwarzen eben fertig getrunken hatte.

Cut 1: „Brot, Afrikaner oder Kaffee?“ hat mich vor kurzem eine Bedienung in Hosenems gefragt, als ich einen „kleinen Schwarzen“ wollte. „Dann gleich einen kleinen ÖVP’ler“, hab ich scherzhaft geantwortet. „Ah, ein Jung¬türk!“, hat sie drauf gesagt, „führen wir nicht! Hier gibt’s nur mich!“ Sie war Türkin mit schwarzen Haaren und sprach Hosenemser Mundart. Dann klärte sie mich ärgerlich auf, dass jetzt nicht einmal mehr Schwarzer zu einem Afrikaner gesagt werden dürfe, das sei alles diesen lustbefreiten SprachreglerInnen zu danken. „Es werden einem heute ja nur mehr Vorschriften gemacht“, schimpfte sie, „jetzt kontrollieren die sogar die Sprache, vielleicht schon bald mit Drohnen wie bei den Chinesen.“
Rocky nahm meine Aufmerksamkeit voll in Anspruch. Ich zahlte rasch an der Tortentheke, ließ mir aber aus gegebenem Anlass noch zwei große Stück der Punschtorte mitgeben. Eins für Rocky, eins für mich, dachte ich.

Cut 2: Das ist die rosarote mit der pinken Glasur. Von den Torten mag ich die Punschtorte am liebsten. Ich mag auch die Punschwürfel, die rosanen, mit der halben kandidierten Kirsche drauf.

Cut 3: Als sechsjähriger Nachkriegsrotzbub hat mir die Oma erzählt, dass die Punschtorte im Krieg entstanden sei, als man aus Not altes Brot mit Marillenmarmelade mischte und Rum hineinschüttete und so die Tortenfüllung mit beiden Händen erquatschte. Egal, wie auch immer, jedenfalls ist die rosarote Punschtorte der Oma oder Mama oder sonst einer Tante bis heute mein schönstes Kriegserlebnis geblieben.

Cut 4: Für Gutböshisteriker. Ich bin weder Opfer noch Täter noch Widerständler und als die Sozioverlogenen die Political Goretextness nach dem Krieg erfunden haben, war ich grad im Sand in Senegal am Tanzen mit dem schwarzen Cheikh.
Seit ich Rocky gesehen habe, heißt die Rosarote für mich Luckypunchtorte.

Cut 5: Wenn ich eine Rosarote kriege, ziehe ich sie immer vorsichtig aus, das heißt, ich löse zuerst oben die Glasur, manchmal zuerst am Rücken und dringe dann zum Luckypunschtortenfleisch vor, das ohne rosa Glasurhaut dann meistens willenlos auseinander fällt.

Cut 6: Als ich erfuhr, dass der Jünger Bartholomäus in Indien bei lebendigem Leib öffentlich enthäutet worden sein soll, hörte ich das auf und aß, wie alle, die Torte von vorne.
Ich muss mich beeilen, Sportsfreunde, Rocky ist schon bei der Sparkasse.

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