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Die Museums-Hauptstadt

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In Ottawa kann man Kunst, Kultur und Sport perfekt kombinieren.
Bilder

Die Ampel steht auf Rot, von hinten nähert sich eine große Kiste: 5,7-Liter-Motor, umhüllt von schwarzem Blech, getragen von vier Monster-Reifen. Als Radfahrer fühlt man sich jetzt wie ein Zwerg, den die Riesen mit einem Fingerschnippen aus dem Weg räumen können. Auch in Ottawa prägen dicke Autos das Bild, und trotzdem unterscheidet sich die kanadische Hauptstadt von all den anderen nordamerikanischen Metropolen auf höchst erfreuliche Weise: Radfahrer sind auf den Straßen willkommen und werden rücksichtsvoll behandelt, sie finden ausgeschilderte Wege, es gibt abgesenkte Bordsteine, Verleih-Stationen und Fahrrad-Ständer vor Sehenswürdigkeiten und öffentlichen Einrichtungen. Letzteres ist in Europa längst Standard, aber in Nordamerika noch eine revolutionäre Errungenschaft.

Museums-Vielfalt

Was die Stadt für Touristen erst wirklich interessant macht, demonstriert eine Gruppe Radfahrer vor der National Gallery. Die sportlichen Urlauber ketten ihre Mountainbikes zusammen und zücken den Museumspass. In keiner anderen Stadt in Kanada kann man Kunst und Kultur so gut mit Sport kombinieren.
Ottawa bietet zwölf National- und weitere gut 20 Museen auf engstem Raum, und – neben dem ausgezeichneten Radnetz – eine Vielzahl an Sport-Möglichkeiten, die sich mit Sightseeing verbinden lassen.

Fitte Großstädter

Ottawas Bewohner gelten als die fittesten Großstädter Nordamerikas, sie joggen oder radeln zur Arbeit und folgen dabei dem Rideau-Kanal, der mitten ins Herz der Stadt führt. Touristen können auf dem Kanal Kajakfahren oder mit dem Kanu Richtung Sehenswürdigkeiten paddeln. Im Winter, wo die Temperaturen gerne mal unter die Minus-40-Grad-Marke fallen, wird der Rideau zur größten Eislauffläche Kanadas – Büro-Hengste, Arbeiter, Verkäufer und Touristen tauschen die Jogging- gegen Schlittschuhe.

Für Besucher werden Joggingtouren zu den Highlights der Stadt angeboten, viele sind mit dem Rad unterwegs. Unmittelbar vor der Tür des Bytown-Museums mündet der Rideau-Kanal in den Ottawa-River. Um Nachschub für die Soldaten an der Front gewährleisten zu können, legten die Kanadier im 19. Jahrhundert den 202 Kilometer langen Wasserweg vom Lake Ontario nach Ottawa an. Für Kriegszwecke wurde er nie benutzt, aber er ist der ganze Stolz der Hauptstädter – erst recht, seit ihn die Unesco 2007 zum Weltkulturerbe erklärte. An schönen Tagen ziehen Hunderte Jogger und Radfahrer am Kanal entlang, in den Wintermonaten wird er zur längsten Schlittschuhlaufbahn der Welt.

Museum of Civilisation

Für das „Canadian Museum of Civilisation“ auf der anderen Seite des Ottawa-Rivers ist ein Tag Zeit das Minimum. Die sieben Dauer- und weiteren Sonderausstellungen werden monatlich von mehr als 100.000 Menschen besucht. In der „Grand Hall“ haben die Macher eine einzigartige Verbindung zwischen Kultur und Architektur geschaffen. Alles Design ist symbolisch. Die mächtigen Säulen wurden in kanadische Kajaks verwandelt, der weitläufige Granitboden ist unterschiedlich poliert, um die Wellen zu symbolisieren, die auf kanadisches Land treffen.
An der Wand hängt in Fußballplatz-Ausmaßen das größte Farbfoto der Welt, das den kanadischen Wald in die Halle des Museums zaubert. Dutzende Ureinwohner haben beim Bau und der Gestaltung geholfen und sechs ihrer traditionellen Behausungen nachgebaut. Alles überragend sind die 43 Totem-Pfähle, die teilweise das Dach der gut 35 Meter hohen Halle kitzeln und die weltweit größte Sammlung ihrer Art darstellen. In der „Canada Hall“ wird die kanadische Geschichte auf berührend-beeindruckende Art präsentiert. Der Besucher durchläuft 1000 Jahre Kanada, fühlt sich als Teil jeder Epoche, jeder Region, weil er auf geniale Weise in das Geschehen mit einbezogen wird.

Szenen aus dem Leben

Das Museum zeigt keine Objekte hinter Glas, sondern Szenen: Walfang, Straßenzüge aus dem 18. Jahrhundert, ein Krankenhaus. Die Besucher wandeln auf den Pfaden der Einwanderer. Es gibt einen alten Musik- und Buchshop oder ein Farmhaus, in dem Schauspieler warten, die sich über ihr karges Leben beklagen und den Gast fragen, ob er nicht einen Ausweg weiß. Es ist ein atemberaubender Zug durch die kanadische Geschichte, bei dem die Designer es auch noch geschafft haben, mit einer Lichtinstallation unter dem Dach des Museums ein Outdoor-Gefühl zu wecken, als bewege man sich unter kanadischem Nachthimmel. Nur sollte man nicht warten, bis es draußen tatsächlich dunkel ist. Die fahrradfreundlichen Kanadier haben wirklich an alles gedacht – nur ein Licht sucht man am Leihrad vergeblich.

812.129 Einwohner zählt die Stadt Ottawa, die 2001 mit mehreren umliegenden Kleinstädten vereinigt wurde, und ist somit die sechstgrößte Stadt Kanadas – der Großraum Ottawa-Gatineau ist mit 1,130.761 Einwohnern der viertgrößte Ballungsraum des Landes.

Zwillingsstädte Ottawa ist Bundeshauptstadt Kanadas. Sie liegt im östlichen Teil der Provinz Ontario am Fluss Ottawa, an der Grenze zur Provinz Québec – am anderen Ufer des Flusses liegt die Zwillingsstadt Gatineau. Ottawas Bevölkerung ist zu 63 Prozent englisch-, zu 15 französischsprachig.

OTTAWA-INFOS

– Zweisprachig. Ottawa ist offiziell englisch- und französischsprachig. Die gesamte Verwaltung ist auf die Zweisprachigkeit ausgerichtet. Die Bevölkerung ist überwiegend englischsprachig (62,6 Prozent); etwa 14,9 Prozent sind französischsprachig.
– NHL. Die Ottawa Senators gehören seit Jahren zu den Topteams in der besten Eishockeyliga der Welt, der National Hockey League. Die Heimspiele trägt das Team um den schwedischen Kapitän Daniel Alfreddsson im 19.153 Zuschauer fassenden Scotiabank Place aus.

Das künstlerische Erbe einer ganzen Nation
Die National Gallery ist das größte Kunstmuseum Kanadas – schon von außen hat der imposante Glasbau aus den 80er-Jahren beeindruckt, aber viel mehr noch staunen Besucher über das reiche künstlerische Erbe einer Nation, die für europäische Verhältnisse als geradezu jung und nahezu geschichtslos gilt. Natürlich schmücken auch ausländische Kunstwerke die hohen Hallen, in denen Architekt Moshe Safdie 23.000 Quadratmeter Granit verbaut hat. Wirklich beeindruckend sind aber heimische Arbeiten wie das Geweih jenes Karibou-Kopfes, in das ein Inuit Dutzende kanadische Symbole geschnitzt hat, von der Robbe bis zum Eskimo. Interessierte Besucher sollten mindestens einen langen Vormittag einplanen, um die wichtigsten der 37.000 Kunstwerke zu sehen.

Geschichte
Das Bytown-Museum erklärt die Entstehungsgeschichte Ottawas, die eng verknüpft ist mit dem Bau des Rideau-Kanals, der seit 2007 Unsesco-Weltkulturerbe ist.

Schleusen
Der Rideau-Kanal weist an der Mündung zum Ottawa River mehrere Schleusenstufen auf und überbrückt einen Höhenunterschied von 24,1 Meter mit Hilfe von acht Toren.

Glaskuppel
Der Glaskuppelbau der Nationalgalerie wurde 1988 von Moshe Safdie entworfen. Das Museum besitzt Werke u. a. von El Greco, Gustav Klimt, Pablo Picasso oder Andy Warhol.

REISEINFORMATIONEN

Anreise. Air Canada fliegt ab ca. 550 Euro von Frankfurt direkt nach Ottawa (Zubringer z. B. von München). Mit Air France ab Zürich über Paris und Montreal (ca. 800 Euro). Von Wien mit Air France und Air Canada (2 Stopps, ca. 1000 Euro).
Übernachtung: Zentral: Château Laurier, Internet www.fairmont.com.
Sport-Infos: Radverleih – Pecco‘s Velos: Rue Murray, info@peccos.com; Rentabike: Pont Plaza, rideau@colonelbydr.ca; Kanu-Touren:www.rideauroundtable.ca; Paddel-Touren: www.dowslake.com.
Museen. National Gallery – www.gallery.ca. Canadian Museum of Civilization – www.civilization.ca. Bytown-Museum: www.bytownmuseum.com. Infos zu weiteren Museen: www.ottawamuseums.com.
Weitere Infos: Im Internet unter www.kanada-info.at, www.canadatourism.ca, www.ottawatourism.ca.

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