Die letzte Fahrt zur Kilbi

Er wird, wie in den 31 Jahren zuvor, heute gegen Abend wieder mit dem Lieferwagen Richtung Zentrum fahren. Dort wird er seinen Kilbi-Stand aufbauen, alles feinsäuberlich herrichten, den Wagen mit den Waren verschließen und den kurzen Weg nach Hause zu Fuß gehen.

Er wird dann morgen um 8 Uhr früh seine Pflanzen, Töpfe, Saatkörner auspacken und der hektischen Dinge harren, die da am Kilbisonntag kommen. Wie all die Jahre zuvor. Und doch wird für Armin Fröwis alles anders sein. Weil es das letzte Mal sein wird, dass er auf der Lustenauer Kilbi dabei ist. Weil er sein Geschäft „Samen Fröwis“, das er so viele Jahre mit seinem Bruder Manfred geführt hat, bald für immer schließen und in Pension gehen wird.

Zwiespalt

„Natürlich“, erlaubt sich Fröwis einen tiefen Atemzug, „natürlich ist das ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits kommt Wehmut auf, andererseits bin ich auch erleichtert.“ Fröwis erzählt von der Kilbi und seinem Laden. „Wir haben erlebt, wie sich die Kilbi verändert hat. Früher war sie noch echt lustenauerisch. Mit vielen Einheimischen, die zu uns gekommen sind. Heute triffst du die bekannten Lustenauer nur noch vor Mittag. Danach ziehen viele Auswärtige, die von überall her kommen, am Stand vorbei.“ Dabei ist der begeisterte Bergsteiger „Auswärtige“ gewohnt. Denn die kamen in großer Zahl auch immer in sein Geschäft. Weil sie Beratung suchten, die sie im Zusammenhang mit dem Garten in den Baumärkten nicht bekamen. Weil sie bei ihm und seinem Bruder Manfred genau darüber informiert wurden, was wann und wo mit welchem Saatgut, welchem Pflanzenschutzmittel zu tun oder zu lassen ist.

Immer im Dienst

„Wäre es uns nur um den Umsatz gegangen, hätten wir in den vielen Jahren anders agiert“, lächelt Fröwis. Die Fröwis-Brüder wurden in Lustenau schon fast zu einer Art öffentlichen Guts. „Auch wenn wir das Geschäft geschlossen hatten, kamen Leute vorbei, wollten Ratschläge.“ „Wenn ich mal wirklich eine Ruh‘ wollte, musste ich in der Früh aus dem Haus und durfte erst spät nach Hause kommen“, erzählt Manfred. Und doch wird Armin und Manfred der Alltag fehlen, wenn sie gegen Allerheiligen den Schlüssel zu ihrem Geschäft endgültig umdrehen. Gerne hätten sie den Laden weiter offen gesehen. Mit Armins Kindern als Nachfolger. Doch die wollten nicht, und einen anderen Nachfolger fanden sie nicht.

Erinnerungen

Und so werden sie morgen auf der Kilbi zum letzten Mal ihre Töpfe mit den Amaryllis-Zwiebeln fein säuberlich aufstellen. Diese waren immer schon ein Verkaufshit beim Volksfest. „Weil du sie zur Kilbizeit zu Hause aufstellst. Und an Weihnachten blühen sie“, erklärt Armin. Immerhin werden sich dann noch viele daran erinnern, woher sie diese wunderschöne Zimmerpflanze haben. Und dass es dann den „Samen Fröwis“ – leider – nicht mehr gibt.

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