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Die K-Frage in Deutschland

Fakt ist: Söder liegt in allen Umfragen derzeit weit vor allen denkbaren CDU-Kandidaten,
Fakt ist: Söder liegt in allen Umfragen derzeit weit vor allen denkbaren CDU-Kandidaten, ©Peter Kneffel / POOL / AFP / APA
Hat der Bayer Markus Söder das Zeug zum Bundeskanzler und Nachfolger von Angela Merkel? Viele Deutsche trauen dem Kurz-Freund den Kanzler zu.

Ein Lächeln können sich auch Angela Merkel und Markus Söder bei der Pressekonferenz nicht verkneifen. Obwohl bei der Sitzung des bayerischen Kabinetts mit der Kanzlerin die deutsche EU-Ratspräsidentschaft und die Corona-Krise im Mittelpunkt standen, zielt eine der ersten Fragen auf das Thema, das seit Monaten durch die Republik geistert: Hat Markus Söder das Zeug zum Bundeskanzler?

Merkels Antwort: "Ja"

Als Merkel dann kurzerhand mit "Ja" antwortet, etwas zögert und dann deutlich macht, dass sie mit dem knappen Wort eine andere Frage beantworten will, deutet der Ministerpräsident und CSU-Chef trotzdem sofort mit den Zeigefingern auf den Boden. Die Geste zeigt, was er derzeit immer auf diese Frage sagt: "Mein Platz ist in Bayern."

Bayern ist das erste Bundesland, das künftig Tests für jedermann vorsieht. 

Als Medienprofi wusste Söder vorab, welche Schlagzeilen das Ganze hergeben würde: Die Kanzlerin und ihr Kronprinz. Oder gleich andersherum: "Merkel zu Gast beim Kini." So nennen die Bayern Ludwig II. - ihren "Märchenkönig".

Söder als Profiteur der Coronakrise

Söder war in den letzten Monaten durch sein glänzendes Corona-Krisen-Management der Politaufsteiger Deutschlands schlechthin. Bayern Ministerpräsident wird aufgrund seines Corona-Managements immer beliebter bei den Deutschen. "Er scheint als Krisenmanager die Rolle seines Lebens gefunden zu haben", schreibt zum Beispiel "Die Zeit". Die Medien loben den Kurz-Freund aber auch als "Der-Anti-Viren-Politiker."

In Bayern kann sich beispielsweise künftig jeder auf das Corona-Virus testen lassen - ganz unabhängig davon, ob er Symptome hat. Die Tests sollen "massiv" ausgeweitet werden. Und der Freistaat zahlt: Der Freistaat übernimmt hier die Kosten sowohl für die ärztliche Leistung (Abstrich) als auch für die Laborkosten."

Merkel und Söder lagen im Clinch

Foto: Peter Kneffel / POOL / AFP

Dass Söder und die CSU Merkel noch einmal derart hofieren würden, war lange nicht abzusehen. Viel war einst zu Bruch gegangen im Dauerkrach über die Migrationspolitik. Auch Söder hatte daran seinen Anteil - das erwähnt er nun aber nicht. Einladung und Besuch sehe er als "herzliches Dankeschön" für das Miteinander in der Krise, sagt Söder, und jetzt passe es auch noch zur wichtigen EU-Ratspräsidentschaft.

Sieht Merkel in Söder nun doch einen Nachfolger?

Der durchgetaktete Besuch auf Herrenchiemsee befeuerte die Dauerdebatte über Merkels Nachfolge. Steigt Söder am Ende, entgegen allen Beteuerungen, doch in den Ring? Merkel weiß genau, welches Echo ihr Besuch mit sich bringt. Auch auf Nachfrage bleibt die Kanzlerin aber eisern. Sie habe sich eine besondere Zurückhaltung bei der Frage auferlegt, wer ihr Nachfolger werde. Sie könne nur sagen: "Bayern hat einen guten Ministerpräsidenten und der hat mich heute eingeladen. Mehr können Sie da von mir nicht hören."

"Weser-Kurier" (Bremen) zu Treffen/Merkel/Söder

"Warum macht die Kanzlerin das? Kann das Zufall sein? Ganz sicher nicht. Merkel lässt sich nicht mal eben so zwischen Gesprächen mit den italienischen und spanischen Ministerpräsidenten Conte und Sánchez auf eine Boots- und Kutschentour in Bayern ein, wenn ihr das nicht wichtig wäre. Das Signal ist eindeutig: Die Kanzlerin adelt mit ihrem Besuch den CSU-Chef, ernennt ihn öffentlich zum Staatsmann. Merkels Pläne, Annegret Kramp-Karrenbauer den Weg ins Kanzleramt zu ebnen, sind längst passé. Unter denen, die sich nun um den CDU-Vorsitz und indirekt auch um die Kanzlerkandidatur bewerben, sieht sie niemanden, der als ihr Nachfolger taugen könnte. Söder traut sie es zu - und zeigt es jetzt auch. Und der bringt sich immer mehr in eine gute Position."

Söder in Umfragen weit vorn

Die K-Frage begleitet Söder seit langem. Fakt ist: Söder liegt in allen Umfragen derzeit weit vor allen denkbaren CDU-Kandidaten, auch vor den Favoriten Armin Laschet und Friedrich Merz. Doch Söder weiß: Umfragen sind Momentaufnahmen. Szenarien über seine Kanzlerkandidatur werden auch in der großen Schwesterpartei diskutiert.

Doch am Ende bremsen Unions-Leute oft mit einem Argument: Es ist kaum wahrscheinlich, dass der im Dezember zu kürende neue CDU-Vorsitzende der CSU die Kanzlerkandidatur anträgt. In der Vergangenheit stellte die CSU nur dann den Kanzlerkandidaten, wenn die CDU Probleme hatte. Andersherum aber: Sollten die Werte absacken und der Weg ins Kanzleramt nicht so gut wie sicher sein, wird Söder kaum antreten.

"Der neue Tag" (Weiden) zu Söder/K-Frage

"Die CSU ist mit Franz Josef Strauß (1980) und Edmund Stoiber (2002) gescheitert. Ein Bayer als Bundeskanzler - nix da. Die Union müsste Söder schon auf Knien bitten, nächstes Jahr anzutreten. Aber das ist nicht mehr undenkbar."

Söder & Merkel - der vielleicht neue Kanzler und die jetzige Kanzlerin

GERMANY-BAVARIA-MERKEL-EU-SOEDER ©Peter Kneffel / POOL / AFP

Söder hatte am Dienstagabend im ZDF seinen Zeitplan bekräftigt, die Kanzlerkandidaten-Frage in der Union erst nach der Wahl des nächsten CDU-Vorsitzenden zu klären. "Und danach entscheiden die beiden Parteien, wer die besten Chancen hat und wer gemeinsam von beiden Parteien gut getragen werden kann."

(APA)

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