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Die Geister scheiden sich

Seit US-Präsident George W. Bush in der vergangenen Woche die „Achse des Bösen“ erfand, ist Unruhe in die im Afghanistan-Krieg bewährte „Antiterrorkoalition“ gekommen.

Bei dem Gedanken, dass in Washington schon die Ausweitung des Kampfes auf andere Länder geplant werde, bekommen die Verbündeten der USA kalte Füße. Besonders beim Thema Irak scheiden sich die Geister. Die arabischen Länder, Russland und sogar die meisten NATO-Partner haben angedeutet, dass sie einen Angriff auf den Irak ablehnen. So droht Bushs Kampf gegen so genannte „Schurkenstaaten“ die „Antiterrorallianz“ zu sprengen.

Der russische Ministerpräsident Michail Kasjanow ermahnte seinen Gastgeber bei einem Besuch im Weißen Haus am Montag, die USA müssten im Kampf gegen den Terrorismus die wirklichen Gefahren von den imaginären trennen, eine kaum verhüllte Anspielung darauf, dass er das Gerede vom Bösen als handelndem Subjekt der Weltgeschichte für ein Hirngespinst hält. Außenminister Igor Iwanow räumte zwar ein, dass einige Länder die Bemühungen bedrohen könnten, die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen zu verhindern, einen Krieg mit dem Irak lehnte er aber genauso ab, wie er um die guten Wirtschaftsbeziehungen zum Iran besorgt war.

Noch deutlicher wurde in Deutschland Staatsminister Ludger Volmer vom Auswärtigen Amt. Der Irak sei zwar ein übler Staat, aber es gebe keine Anzeichen dafür, dass er in den Terrorismus gegen die USA involviert sei, sagte der Grünen-Politiker. Er warf den Amerikanern vor, lediglich „alte Rechnungen“ begleichen zu wollen und dafür das Terrorargument zu benutzen. Und NATO-Generalsekretär George Robertson sagte, auch die NATO werde amerikanische Bemühungen um eine Ausweitung des Antiterrorkrieges auf den Iran, den Irak oder Nordkorea nicht automatisch unterstützen.

Die USA hingegen machten gleichzeitig unmissverständlich deutlich, dass sie notfalls einen solchen Krieg auch alleine führen würden. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld warnte, wenn man Saddam Hussein gewähren lasse, werde er über kurz oder lang erneut Kuwait besetzen oder gar nach Saudiarabien einmarschieren. Das scheint man in Riad jedoch anders zu sehen. Jedenfalls deutete der frühere saudiarabische Geheimdienstchef an, dass sein Land sich selbst dann nicht an einem US-Angriff auf den Irak beteiligen würde, wenn Saddam Hussein nachweislich eine Atombombe entwickle. Offenbar hält man die Auswirkung eines solchen Krieges für den Nahen Osten und das Verhältnis der arabischen Welt zu den USA für weit explosiver als die Sprengkraft einer Atomwaffe.

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