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Die Freiheit hinter Klostermauern

Pater Wolfgang Sütterlin wird wieder zurück nach Deutschland kehren.
Pater Wolfgang Sütterlin wird wieder zurück nach Deutschland kehren. ©Daniela Lais
Ein Blick hinter die Klostermauern – das Salvatorianerkloster in Hörbranz steht vor großer Veränderung
Das Salvatorianerkloster in Hörbranz steht vor großer Veränderung

Hörbranz. Am Tisch brennt eine Kerze, das Kreuz mit Jesus an der Wand, daneben ein gesticktes, gerahmtes Bild „Das Gebet ist die grösste Weltmacht“. Die Räumlichkeiten aufgeräumt, einfach gehalten, fast ein bisschen kahl ist es. Pater Wolfgang Sütterlin lebt hier seit fünf Jahren. Durch Leiderfahrungen im persönlichen Umfeld und im eigenen Leben sowie die überzeugende Begegnung mit engagierten Christen fand der heute 61Jährige wieder zum Glauben und trat schließlich in den Orden der Salvatorianer ein. 2013 wurde er in München zum Priester geweiht.

Lange hat er um diese Entscheidung gerungen, sich immer wieder gefragt ob es der richtige Weg sei – und dann wusste er es einfach. Stationen auf diesem Weg waren ein einjähriger Aufenthalt in den USA, das Theologiestudium, die Pastoralausbildung mit Pfarrexamen. „Ich bin heute sehr glücklich mit meiner Wahl“, erzählt der Ulmer. „Und ich bin gerne hier in Vorarlberg, ich möchte eigentlich nicht mehr weg, ich habe mich an diesen Ort und die Menschen hier so gewöhnt.“ „Weg“ muss er aber, denn das Kloster steht vor großen Veränderungen.

Kein Nachwuchs

Das Salvatorianerkloster in Hörbranz gehört aus historischen Gründen zur Deutschen Provinz des Ordens und diese muss sich aus personellen Gründen von Standorten trennen – und diesen trifft es. Zwischenzeitlich hat sich ein Verein zur Nachhaltigen Nutzung des Salvatorkollegs gegründet. Sechs Arbeitsgruppen aus Fachpersonen sind intensiv damit beschäftigt den Dialog mit dem Orden, der Region und potenziellen Nutzern zu führen um bis 2020 solide Lösungen für eine Nachnutzung bieten zu können. Noch bis Ende 2021 geht das Klosterleben seinen gewohnten Gang. Fünf Patres und zwei Brüder, alle aus Deutschland, leben hinter den Klostermauern und führen ein „ganz normales Leben“, wie Pater Wolfgang versichert. Das Frühstück im Kloster ähnelt wohl dem vieler Vorarlberger Haushalte, Brot, ein bisschen Wurst und Käse, wer möchte kann Ei haben, oder ein gesundes Müsli. Frühaufsteher muss man allerdings sein, das Beten des Morgenlobs findet um 6.30 Uhr statt. Gefolgt von der 7 Uhr Messe, die von Montag bis Samstag recht gut besucht ist. Am Sonntag kommen dann meist ein fester Besuchsstamm und ein paar neue Gesichter zur 8 und 10.30 Uhr Messe. „Es ist hier eigentlich alles sehr offen, wir können Kommen und Gehen wie wir wollen, wir sind nicht eingesperrt“, schmunzelt der Pater auf die Frage, ob Klosterleben denn sehr viel mit Aufgabe von Freiheiten zu tun hat.

Zuhören gehört zum Tagesprogramm

Überhaupt, es scheint sehr weltlich zuzugehen im Jahre 1893 erbauten Kloster. Am Mittag folgt nach dem Gebet das Essen – Spaghetti mit Tomatensoße aber auch mal Braten, bunt gemischt. Am Abend um 18 Uhr trifft man sich zum Abendessen, dann wird in der Kirche die Vesper gebetet. Aber was macht man dazwischen? Seelsorge ist das Stichwort und Hauptaugenmerk des Salvatorianerklosters. Neben Pater Wolfgang ist Pater Viktor für Einzelseelsorge zuständig. Da geht es um Eheprobleme, Familienprobleme, persönliche Schwierigkeiten oder Krankheit. Die Leute schreiben Emails oder rufen an, fixieren Termine und kommen oft über einen langen Zeitraum. Manchmal arbeiten die Patres mit Therapeuten zusammen. „Oft gibt es Termine von früh bis abends, da muss man viel verarbeiten, auch als Zuhörer“, weiß Pater Wolfgang. Er findet Ausgleich im Spazieren und Fahrrad fahren, sein Kollege Pater Viktor im künstlerischen Handwerk. Werke des 75-jährigen Ordenskollegen finden sich quer durchs Kloster. Still ist es manchmal im Kloster, aber auch oft laut. Wenn Jugendgruppen Halt machen oder Veranstaltungen stattfinden. Auch Firmlinge kommen und dann gibt es auch noch das 24/7 Gebetsangebot in der Kapelle, die erst letztes Jahr mit Schindeln aus dem Bregenzerwald neu ausgekleidet wurde und „etwas ganz Besonderes und das Schmuckstück hier ist“, so Pater Wolfgang.

Mit Gottes Hilfe

Bei all den Freiheiten und Angeboten, den spannenden Aufgaben und doch recht weltoffenem Leben stellt sich die Frage, warum es an Nachwuchs mangelt. Pater Wolfgang schließt auf den Wohlstand der Gesellschaft, „die Leute haben andere Ideen als ins Kloster zu gehen, sie wollen ihr Leben planen und sie wollen es sich gut gehen lassen“. Sowohl in Europa als auch in den USA mangelt es an klösterlichem Interesse, Asien und Afrika hingegen explodieren förmlich. Man könnte natürlich die Menschen hierherholen, aber sie aus ihrer Kultur zu reißen und aus dem Land, in dem sie gebraucht werden, will gut überlegt sein. Die Zukunft Pater Wolfgangs ist gewiss, für ihn geht es zurück in seine Heimat nach Deutschland. Was aus dem Kloster wird, steht aktuell in den Sternen, gehofft wird auf eine sinnvolle Weiterverwendung – mit Gottes Hilfe, hofft man, wird das auch klappen.

(Bericht: Daniela Lais)

 

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