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Archivbild / Themenbild ©APA-AFP-John Thys

Die Formel 1 stemmt sich gegen den Totalschaden

Die Königsklasse steht vor einer Zerreißprobe. Der Stillstand der Rennserie bedroht die Formel 1. Einige Teams müssen gar um ihre Existenz fürchten. Die wichtigsten Fragen und Antworten in der aktuellen Situation.
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Angesichts der Corona-Krise ist der Saisonstart völlig offen, einige Teams müssen sogar um ihre Existenz fürchten. Die Auszeit verursacht in der Motorsport-Königsklasse große finanzielle Probleme. Sparmaßnahmen und ein Not-Kalender sollen die Rennserie retten. Die wichtigsten Fragen und Antworten in der aktuellen Situation:

Wie ist die Lage bei den Teams?

Der Automobil-Weltverband FIA hatte am Dienstag beschlossen, den zwangsweisen Werksurlaub der zehn Formel-1-Teams wegen der Coronavirus-Pandemie um weitere zwei Wochen zu verlängern. Statt 21 Tage müssen die Fabriken nun 35 Tage lang stillstehen. Während dieser Zeit sind keine Arbeiten an den Autos erlaubt.

Die zwangsweisen auf fünf Wochen verlängerten Werksferien müssen von jedem Team bis Ende Mai eingehalten werden. Die drei englischen Teams McLaren, Williams und Racing Point haben viele Angestellte in Zwangsurlaub auf Staatskosten geschickt.

Renault schickte als vierter Formel-1-Rennstall seine Mitarbeiter in Kurzarbeit. Die "überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter" werde am Hauptsitz in Enstone in Großbritannien bis zum 31. Mai komplett freigestellt. Die Mitarbeiter am Motorstandort des Teams in Viry-Chatillon am Stadtrand von Paris werden "für einen vorläufigen Zeitraum von 12 Wochen in Teilzeit" arbeiten. Das Team wolle den von der britischen Regierung im Rahmen des Kurzarbeiterprogramms (Forlough) ausgezahlten Betrag soweit aufstocken, das jeder Mitarbeiter 80 Prozent seines ursprünglichen Gehalts bekomme. Auf das gleiche Maß werde auch das Salär des Managements und der Fahrer Daniel Ricciardo und Esteban Ocon gesenkt. Teamchef Cyril Abiteboul betonte, dass die Maßnahmen notwendig sein, um das Team zu schützen.

Dieses Wochenende schickte dann auch das Formel-1-Team Haas Teile seiner Belegschaft in Kurzarbeit. Wie der US-Rennstall mitteilte, gilt diese Maßnahme in Zeiten der Coronavirus-Krise für die Mehrheit seiner Mitarbeiter in Großbritannien. Einige aus dem Führungspersonal sind davon ausgenommen, diese haben aber einer Gehaltsreduzierung zugestimmt. Auf der Formel-1-Homepage ist die Rede davon, dass dem Vernehmen nach ebenfalls die beiden Piloten Romain Grosjean und Kevin Magnussen auf Teile ihres Salärs verzichten. Haas hat auch Mitarbeiter in Italien und in den USA.

Wie groß ist der wirtschaftliche Schaden?

Die Formel 1 ist ein Milliardengeschäft. Eigentümer Liberty Media meldete für das Vorjahr einen Umsatz von 2,02 Milliarden Dollar mit dem Vollgas-Zirkus. Doch ohne Rennen stehen die Zuwendungen der TV-Rechteinhaber und anderer Geldgeber auf dem Spiel. Auch die hohen Antrittsgebühren, die von den Streckenbetreibern gezahlt werden müssen, fließen nicht. Stillstand ist auch der Vermarktung des globalen Geschäftsmodells Formel 1 abträglich.

Die Königsklasse steht vor einer Zerreißprobe. An der Budgetobergrenze ab 2021 scheiden sich in der Formel 1 die Geister. Die kleinen Teams wollen die festgelegten 175 Millionen Dollar pro Saison deutlich senken, vor allem Ferrari hält dagegen.

Grundsätzlich würde jedes Team gern weniger Geld ausgeben, aber noch viel grundsätzlicher möchte jeder Rennstall der beste sein. In diesem ewigen Widerstreit könnte ausgerechnet das Coronavirus zur wirtschaftlichen Gesundung führen - gelingt dies nicht, dürfte es die Formel 1 in der bekannten Form bald nicht mehr geben.

"Das Geld wird in den nächsten Jahren weniger werden. Deshalb muss man sich anpassen und darf nicht davon träumen, dass alles so werden wird wie vor COVID-19", sagte Haas-Teamchef Günther Steiner bei motorsport-magazin.com.

Sparen ist also oberstes Gebot. Deswegen soll die Budgetgrenze von 175 Millionen US-Dollar (rund 160 Millionen Euro), die 2021 eingeführt wird, noch einmal nach unten justiert werden. 150 Millionen Dollar sollen für Ferrari und Red Bull gerade noch akzeptabel sein, die große Fraktion der Kleinen würde am liebsten auf 100 Millionen Dollar runtergehen.

FIA-Präsident Jean Todt rät allerdings dringend zum Konsens, sonst könnten der Formel 1 bald die Teilnehmer ausgehen. "Ich bin mir sicher, dass viele kleine und mittelgroße Teams, viele Zulieferer und Hersteller ihre Programme prüfen werden. Vielleicht müssen sie aufhören", sagte der Präsident des Automobil-Weltverbandes und frühere Ferrari-Teamchef bei motorsport.com.

McLaren-Boss Zak Brown unkte bereits, dass "vier Teams" am Ende sind, sollte der Budgetdeckel nicht gesenkt werden. "Dann fahren sie gegen sich selbst. Das wird nicht funktionieren", so Brown. Mit "sie" meint der US-Amerikaner die Top-Teams Mercedes, Ferrari und Red Bull, wobei er den Weltmeisterrennstall ausdrücklich ausnahm: "Daimler macht einen hervorragenden Job und erkennt die Situation, in der wir uns befinden." Von daher könne sich jeder "ausrechnen, wer die anderen Teams sind".

Wie bedrohlich wird es für die Rennserie?

McLaren-Geschäftsführer Zak Brown warnte, die Formel 1 sei derzeit in einem "sehr zerbrechlichen Zustand". Wenn das Krisen-Management jetzt versage, könnten "vier Teams verschwinden", sagte der 48-Jährige der BBC. Vor allem die kleineren Privat-Rennställe wie Williams müssen wohl um ihr Überleben fürchten. Aber auch die Konzern-Teams an der Spitze stehen mehr denn je unter Kostendruck. Auf der Spielwiese Formel 1 könnten auch Unternehmen wie Daimler wegen der Folgen der Corona-Pandemie den Rotstift ansetzen. Auch die Betreibergesellschaft der Formel 1 ist in Not. Sie muss die Preisgelder für 2019 auszahlen, hat derzeit aber spürbar geringere Einnahmen.

Welche Maßnahmen sollen helfen?

Neben dem Zwangsurlaub zulasten des britischen Steuerzahlers und einem Gehaltsverzicht bei einer Reihe von Piloten und Top-Managern sind bereits weitere Einschnitte beschlossen. Das neue Regelwerk, das mit etwas langsameren und vereinfachten Autos für mehr Wettbewerb sorgen sollte, ist um ein Jahr auf 2022 verschoben. Das soll vorerst Kosten für die Entwicklung sparen. Zudem soll die für das nächste Jahr vereinbarte Ausgabengrenze noch tiefer als eigentlich geplant angesetzt werden. Statt 175 Millionen US-Dollar (161 Millionen Euro) könnte sie in mehreren Stufen auf 120 Millionen Dollar (110 Millionen Euro) sinken, berichtete das Fachmagazin "Auto, Motor und Sport". Die nächste Krisenrunde der Formel-1-Spitze ist für Karfreitag geplant.

Der frühere Weltmeister Nico Rosberg wünscht der Formel 1 bei der Bewältigung der Coronakrise Mut zu "kreativen Lösungen". Der gebürtige Wiesbadener regte im Interview mit der Deutschen Welle etwa an, zwei Rennen an einem Wochenende und unter Ausschluss von Zuschauern stattfinden zu lassen - und nicht nur das.

Was machen die Fahrer jetzt?

Titelverteidiger Lewis Hamilton ließ wissen, er nutze die ungewollte Freizeit, um "körperlich und emotional" an sich zu arbeiten. Sein Dauerrivale Sebastian Vettel grüßte in einem Ferrari-Video von der heimischen Couch, Red-Bull-Jungstar Max Verstappen hält sich im Homeoffice fit. Er trainiere viel am eigenen Simulator, sagte der Niederländer. Zum Zeitvertreib gehört bei Verstappen wie bei vielen seiner Kollegen virtuelles Rennfahren. Vettels Ferrari-Kollege Charles Leclerc gewann jüngst den Online-Grand-Prix von Australien.

Welche Pläne gibt es für einen Neustart der Saison?

Die Formel 1 wird von der Corona-Pandemie immer stärker eingebremst und muss nun auch das als neunten Saisonlauf geplante Kanada-Rennen verschieben. Die Veranstalter des für den 14. Juni angesetzten WM-Laufs in Montréal gaben am Dienstag die Verschiebung des Grand Prix auf unbestimmte Zeit bekannt. Zuvor waren bereits die Gastspiele in Australien, Bahrain, Vietnam, China, den Niederlanden, Spanien, Monaco und Aserbaidschan abgesagt oder verlegt worden. Eigentlich standen im Rennkalender für dieses Jahr 22 Grand Prix, das wäre ein Rekord gewesen. Formel-1-Chef Chase Carey hofft noch, 15 bis 18 der eigentlich geplanten 22 WM-Läufe retten zu können. Der Kalender muss dafür stark umgebaut werden.

Geprüft werden Geisterrennen ohne Zuschauer, um zumindest die an den Rennbetrieb geknüpften Millionen von Fernsehen und Sponsoren einzufahren. Auch über verkürzte Auftritte und mehrere Grand Prix auf einer Strecke wird diskutiert. Doch das Datum für den Neubeginn ist völlig unklar.

Bis Mitte Juni sind alle Rennen abgesagt oder verschoben, der GP von Österreich in Spielberg ist weiterhin am 5. Juli angesetzt. Mercedes-Teamchef Toto Wolff sprach zuletzt sogar von einem Start erst "im Herbst".

(APA)

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