AA

"Die EU ist nicht weit weg"

Dornbirn (VN) - Abdul Aydemir setzt sich als „Junger Europäischer Föderalist“ für mehr Bürgernähe in der EU ein.

Einen ausländischen Akzent hat er sehr wohl. Dass er seit vier Semestern in Zürich studiert und das Eidgenössische sich auch langsam schon in seinen Sprachschatz eingeschlichen hat, das kann Abdul Aydemir nicht leugnen. Für andere engagiert hat er sich eigentlich immer schon. Früher war er Schulsprecher der HAK Bregenz, ebenso stellvertretender Landesschulsprecher für BHMS.

Mehr Partizipation

Mittlerweile studiert Aydemir in Zürich und hat ein neues Betätigungsfeld gefunden. Als Landessekretär der „Jungen Europäischen Föderalisten“ (JEF) Vorarlbergs setzt er sich ehrenamtlich für ein vereintes Europa mit föderalen Strukturen ein. „Die Europäische Union braucht mehr Aufmerksamkeit und die Bestandteile der EU – die einzelnen Bürger – müssen mehr partizipieren“, ist er überzeugt. Dass seine Organisation überparteilich ist, darauf legt er Wert. „Wir sind da, um Schüler anzuregen, über dieEU nachzudenken und sich eine eigene Meinung zu bilden.“

Seine Meinung wolle er niemandem aufdrücken, darum gehe es bei den JEF nicht. „Es geht darum, dass Jugendliche Entscheidungen treffen, dienicht auf Unwissenheit beruhen. So kann man auch dieEU in die richtige Richtung lenken. DieEUistnicht so weitweg, wie man oft glaubt. Die Jugend muss sich Gehör verschaffen und die Zukunft mitgestalten.“ Wie er das schaffen will? Etwa mit Veranstaltungen, Diskussionen, Workshops oder Reisen speziell für junge Menschen.

Brüssel ausschlaggebend

Dazu angespornt hat ihn eigentlich die frühere EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner. Aydemir nahm gemeinsam mit anderen Vorarlberger Schülern an der Veranstaltung „EU und Du“ in Wien teil, wo auch Ferrero-Waldner ihre Arbeit präsentierte. „Nach dem Gespräch hat sie uns spontan nach Brüssel eingeladen“, erzählt der Student. Dass die Politikerin Wort halten würde, dachte er eigentlich nicht. Als aber wenige Wochen später eine Einladung ins Haus flatterte und er anschließend eine Woche in Brüssel verbringen konnte, war sein Eifer geweckt.

Mittlerweile hat Aydemir auch gelernt, mit negativen Kommentaren zur EU umzugehen. „Kritiker gibt es natürlich immer, in Zeiten der Finanzkrise sowieso.“ Gerade in der Schweiz, wo er seit zwei Jahren studiert, seien die abwertenden Stimmen besonders ausgeprägt. Jungen Kritikern kann er aber genügend Argumente entgegenbringen: Keine Kriege in Europa, grenzenlose Möglichkeiten, einheitliche Währung, Austauschprogramme für Studenten. Auch aus Skandalen – wie sie kürzlich den Abgeordneten Strasser und Ranner zum Verhängnis wurden – kann er positive Lehren ziehen: „Jeder kann selbst mitentscheiden, welche Menschen wir als Vertreter hineinwählen.“

„Wurde nie ausgegrenzt“

Aydemirs Eltern kommen aus der Türkei, leben aber schon lange in Vorarlberg. Er selbst ist in Dornbirn geboren und aufgewachsen. Als Türke fühlt er sich deshalb nicht, wenngleich er den jährlichen Urlaub in Istanbul sehr genießt. „Ich wurde nie ausgegrenzt, sondern stets unterstützt“, habe er nie Diskriminierung erfahren. „Meine Herkunft ist vielleicht auch ein Grund, wieso ich mich engagiere. Weil ich weiß, wie viel verschiedene Länder durch Kultur und Sprache voneinander lernen können“, erklärt er.

Zur Person

  • Abdul Aydemir ist Landessekretär der Jungen Europäischen Förderalisten Vorarlbergs
  • Geboren: 12. September 1989 in Dornbirn
  • Ausbildung: Matura HAK Bregenz, Wirtschaftsstudium in Zürich im 4. Semester
home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • VN-Menschen
  • "Die EU ist nicht weit weg"
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen