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Die arabischen Aufstände und ihre Folgen

Vor fünf Jahren entfachten Demonstranten in Tunesien einen Flächenbrand, der fast die ganze arabische Welt erfasste. Der "Arabische Frühling" und seine Folgen:

TUNESIEN: Aus Verzweiflung über Behördenwillkür verbrannte sich im Dezember 2010 ein Gemüsehändler. Danach forderten Tausende Reformen – die “Jasmin-Revolution” brach aus. Im Jänner 2011 floh Präsident Zine el Abidine Ben Ali. 2014 wurde eine Verfassung verabschiedet, danach wählten die Tunesier ein Parlament und einen Präsidenten. Zuletzt kam es jedoch immer wieder zu gewaltsamen Protesten wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage und hohe Arbeitslosigkeit.

ÄGYPTEN: Massenproteste im Jänner brachten im Februar 2011 den Sturz des Langzeitherrschers Hosni Mubarak. Danach gewannen die Muslimbrüder die Wahlen. Doch gegen den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi formierte sich Widerstand. 2013 setzte ihn das Militär ab. Seit Ex-General Abdel Fattah al-Sisi Präsident ist, fährt das Land einen harten Kurs gegen Islamisten und Kritiker.

LIBYEN: Seit dem Sturz von Muammar al-Gaddafi im Sommer 2011 ging das ölreiche Land zunächst Schritte in Richtung Demokratie. Doch heute herrscht Chaos, der Staat ist praktisch zerfallen. Es gibt zwei Parlamente und Regierungen. Die Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS) kontrolliert Gebiete in dem Land. Eine nach UN-Vermittlung aufgestellte Einheitsregierung ist bisher nicht zusammengetreten.

SYRIEN: Machthaber Bashar al-Assad ging 2011 mit Gewalt gegen Proteste vor. Daraus entwickelte sich ein Bürgerkrieg, bei dem bisher mehr als 250.000 Menschen getötet wurden. Rund zwölf Millionen Syrer sind auf der Flucht. Assad verlor die Herrschaft über große Teile des Landes an Rebellen und Jihadisten wie den “Islamischen Staat” (IS). Friedensgespräche scheiterten, ein Kriegsende ist nicht abzusehen.

MAROKKO: Das politisch relativ stabile Königreich hat ein freigewähltes Parlament und ein Mehrparteiensystem. Anfang 2011 forderten Demonstranten mehr Demokratie und soziale Gerechtigkeit. König Mohammed VI. beruhigte die Massen mit einer Verfassungsreform, Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und vorgezogenen Neuwahlen.

JORDANIEN: Nachdem Tausende auf die Straße gegangen waren, bekam das gewählte Parlament seit Februar 2011 schrittweise mehr Einfluss und hat nun ein größeres Mitspracherecht. König Abdullah II. behält jedoch das letzte Wort.

KUWAIT: Nach Protesten von Staatenlosen, die einen großen Teil der Bevölkerung ausmachen, und einer monatelangen Regierungskrise trat die Regierung im November 2011 zurück; später wurde das Parlament aufgelöst. Die Lage beruhigte sich durch soziale und wirtschaftliche Zugeständnisse der Herrscherfamilie Al-Sabah.

SAUDI-ARABIEN: Im Frühjahr 2011 gab es in schiitischen Orten der ölreichen Ostprovinz Proteste, die von der Polizei niedergeschlagen wurden. Demonstrationen sind in dem absolut regierten sunnitischen Königreich verboten.

BAHRAIN: In dem Golfstaat unterdrückt ein sunnitisches Herrscherhaus die schiitische Mehrheit. Im März 2011 beendete Militär gewaltsam den Dauerprotest der Reformbewegung.

JEMEN: 2011 brachen Proteste aus, die zum Sturz von Langzeitpräsident Ali Abdullah Saleh führten. Seitdem ist der Jemen nicht zur Ruhe gekommen. Bis heute kämpfen schiitische Houthi-Rebellen in einem Bürgerkrieg gegen Truppen einer sunnitischen Regierung. Eine saudisch geführte Militärkoalition bombardiert die Houthis. (APA/dpa)

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