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Didi Tomaselli: „Wenn ich drei Abende nicht unterwegs bin, stimmt was nicht“

Didi Tomaselli im WANN & WO-Sonntags-Talk.
Didi Tomaselli im WANN & WO-Sonntags-Talk. ©Mik
Nightlife-Original Didi Tomaselli im W&W-Interview über seine Anfänge im „Notausgang“, 1500 Besucher vor dem B190 und sein Finale in der Bregenzer Nachtigall.
Party im B190
Party im B190 II.

WANN & WO: Hat sich deine Karriere als Gastronom abgezeichnet?

Didi Tomaselli: Absolut nicht. Nachdem ich mit 21 Jahren das Gymnasium Bludenz abgeschlossen hatte, verdiente ich meine ersten Brötchen in der Versicherungsbranche. Als begeisterter Musikfan, damals vor allem New Wave und Punk – 1977 hatten wir sogar eine eigene Band – wurde mir das aber schnell langweilig. Bei einem Sender-Besuch mit der amtierenden Miss lernte ich den damaligen Betreiber Klaus Spiegel persönlich kennen. Das Nachtleben hatte mich fasziniert, vor allem Musik und Szene. Klaus meinte dann zu uns, dass wir endlich mal was machen sollten, wir Jungen. Also entschloss ich mich, gemeinsam mit meinem Partner Kurt Hartmann den Club „Notausgang“ 1984 in Dornbirn zu eröffnen – ein echter Underground-Schuppen mit Punk und New Wave. Nach einem Gastspiel im gehobenen Segment mit dem Blauen Storch in Lustenau folgte dann 1993 das B190, mein größtes Lokal.

WANN & WO: Denkst du gerne an diese Zeit zurück?

Didi Tomaselli: Auf jeden Fall. Der Club lag genau im Puls der Zeit, Schlangen vor dem Eingang mit Hunderten Gästen waren keine Seltenheit, und das drei Mal die Woche. Bei der Eröffnung stürmten rund 1500 Besucher das Lokal. Im Club trafen sich alle Schichten – Anwälte, Ärzte, Banker, Angestellte, Bauarbeiter oder Handwerker.

WANN & WO: Mit welchen Schwierigkeiten hattet ihr damals zu kämpfen?

Didi Tomaselli: Eigentlich nur mit unserer eigenen Unwissenheit und Blauäugikeit. Am Anfang im „Notausgang“ waren wir bereit, das Risiko einzugehen. Der Rest kam von selbst – „Learning by Doing“. Nach drei Jahren erhielt ich damals mittels Sonderregelung eine Gastgewerbekonzession. Den Kurs machte ich übrigens gemeinsam mit Johannes Rothmeyer, dem späteren Gründervater des Conrad Sohm. Ich kann mich noch gut an eine Getränkekunde-Einheit erinnern, nach der alle Teilnehmer mehr als bedient nach Hause gingen (schmunzelt). Damals war es auch von Seiten der Behörden oder Banken her einfacher, eine unternehmerische Gründermentalität in etwas Greifbares umzumünzen. Heute würde ich niemandem empfehlen, in die Nightlife-Gastronomie zu gehen.

WANN & WO: Trotzdem beschreitet dein Sohn mit dem Club Montana jetzt genau diesen Weg.

Didi Tomaselli: Ich habe ihm immer davon abgeraten, aber die Jugend lässt sich nicht bevormunden (schmunzelt). Wir waren ja auch nicht anders und vermutlich schlagen meine Gene doch auch etwas durch. Natürlich stehe ich ihm jetzt aber mit Rat und Tat zur Seite.

WANN & WO: Wo bist du persönlich im Nachtleben unterwegs?

Didi Tomaselli: Ich bin ein typisches Kind der Nacht, das war ich aber immer, inzwischen lebe ich seit 30 Jahren im Nachtleben. Wenn ich mal drei Abende nicht unterwegs bin, stimmt etwas nicht.

WANN & WO: Hattest du eine glückliche Jugend?

Didi Tomaselli: Absolut. Aufgewachsen bin ich in der Bludenzer Südtiroler-Siedlung. Im Galgentobel haben wir unseren „Krieg der Knöpfe“ ausgefochten, ich war Anführer der VTA (Vereinigte Tobel Armee) und wir bekriegten die Marent-Bande, inklusive riesiger Baumhäuser. Früher war alles lockerer, auch im Nachtleben. Wir sind das ganze Land auf und ab gefahren, mit meinen Montafoner Schulfreunden in die Tobelmühle, oder ins Unterland ins Opal oder den Sender.

WANN & WO: Warst du ein Rebell?

Didi Tomaselli: Optisch sicher. Wir haben aber nie politisch motiviert gehandelt oder Stress gemacht. Vom Aussehen her haben wir sicher provoziert, ich trug beispielsweise einen rot gefärbten Mittelstreifen auf meinem Haupt. Damals musste man dafür extra in die Schweiz fahren, bei uns hat das noch niemand gemacht.

WANN & WO: Welche Rolle spielt Musik in deinem Leben?

Didi Tomaselli: Sie gab damals den Ausschlag, ein „schräges“ Lokal wie den „Notausgang“ zu öffnen, indem wir unsere Musik spielen konnten. Auch in meinen anderen Clubs gab ich musikalisch die Marschrichtung vor und behaupte, größtenteils einen guten Riecher gehabt zu haben. Bis auf die Nachtigall, deren Ausrichtung ich mich nun unterordne. Hier gilt der Dank Vorbesitzer Hermann Metzler und Betriebsberater Johannes Helfer, der den Deal eingefädelt hat.

WANN & WO: Wie sieht die aktuelle Ausrichtung denn aus?

Didi Tomaselli: Wir sind ein Tanzlokal für ein Ü25-Klientel, damit aber quasi das einzige dieser Art im Umkreis. Das schätzen unsere Kunden aus Vorarlberg, Deutschland und der Schweiz. Einzig den früheren Faschingspartys kann ich wenig abgewinnen.

WANN & WO: Woher stammt der Ausdruck „Schenkelpresse“?

Didi Tomaselli: Gute Frage, das müsste man wohl Hermann fragen (lacht). Ich kann dem Ausdruck nicht wirklich etwas abgewinnen, aber er ist nach wie vor geläufig und schwer wegzubekommen. Ich weiß nur, dass sowohl Paare als auch Singles bei uns voll auf ihre Kosten kommen – egal welchem kulturellen Background sie entstammen.

WANN & WO: Underground-Club „Notausgang“ – wie hat die Konkurrenz damals auf euch reagiert?

Didi Tomaselli: Vielfalt belebt das Geschäft. Während sich bei uns ein alternativeres Publikum tummelte, gastierte in Rothmeyers Scala die „elitäre“ Runde. Das Ganze gipfelte dann in einem höchst emotionalen Showdown auf dem Hatler Fußballplatz zwischen den „Schicki-Mickis“ der Scala und den „New Wave Punks“ des „Notausgangs“. Wir haben uns nicht lumpen lassen. Beide Teams kamen in Mannschaftsbussen – Anfahrt jeweils 1,5 bzw. 0,5 Kilometer, die Schiri-Pfeife wurde per Drachenflieger auf den Platz gebracht. Als Unparteiischer fungierte übrigens Hansjörg Baschnegger, der von einem Hochstand aus nicht den Funken einer Chance hatte, das Spiel halbwegs fair zu leiten. Letzlich gingen wir nach dem Elfmeter-Schießen als Sieger vom Platz. Ausgerechnet der damalige WANN & WO-Gründer und mittlerweile als Hollywood-Produzent tätige Harald Kloser vergab seinen Strafstoß. Er sprach daraufhin ein Jahr lang nicht mehr mit mir. Rothmeyer kochte ebenfalls vor Wut und lieferte drei statt wie ausgemacht einer Wagenladung Sekt. Hat übrigens ausgezeichnet gemundet (schmunzelt).

WANN & WO: Bist du noch in Kontakt mit den Szene-Größen von damals und heute?

Didi Tomaselli: Natürlich, obgleich wir uns nicht mehr so häufig treffen. Wir lebten damals wie die Könige. Je nachdem, welches Lokal am längsten offen hatte, trafen wir uns und machten die Nacht zum Tag. Zu der Runde zählen heute noch Sigi Innauer, Klaus Feurstein, Kurt Hartmann, Klaus Spiegel und natürlich Hannes Rothmeyer. Nach außen hin meinten alle, wir wären die größten Konkurrenten, damals sind aber echte Freundschaften entstanden, welche die Jahrzehnte überdauert haben.

WANN & WO: Welche Rolle spielen Frauen in deinem Leben?

Didi Tomaselli: Die wichtigste, obwohl ich nie verheiratet war. Ich musste meiner Mutter immer verklickern, dass ich keine abbekommen habe. Inzwischen bin ich wieder Single. Im Lauf der Jahre habe ich ein Faible für Latinas entwickelt. Die Mutter meines Sohnes Rodrigo stammt aus Brasilien, wo sie mittlerweile auch wieder lebt. Mein Sohn hat sich aber für ein Leben bei mir entschieden. Er deckt inzwischen mit seinem Club Montana das junge Zielpublikum ab. Mit 16 hatte er schon das erste Mal eine illegale Party in einem meiner Lokale organisiert – der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

WANN & WO: Wie beurteilst du das Nachtleben damals und heute?

Didi Tomaselli: Ich glaube, dass bei den heutigen Jugendlichen eine gewisses Maß an höherer Grundaggressivität vorherrscht. Wir hatten damals schon auch Securitys, aber im B190 ging es eigentlich nur darum, den Einlass zu regeln, weil wir nicht mehr wussten, wie wir die ganzen Menschenmassen unterbringen. Noch heute sprechen mich Gäste auf den Kult-Club an. Vor allem darauf, dass sie es nicht geschafft haben, ins B190 hinein zu kommen (lacht). Generell haben sich natürlich die Altersschicht, das Verhalten im Bezug auf Alkoholkonsum und die Auflagen von Seiten der Behörden verändert.

WANN & WO: Schwingt da Kritik mit?

Didi Tomaselli: Eigentlich nicht, ich bin kein Mensch, der in der Vergangenheit lebt. Ein Punkt stört mich aber schon – und zwar die Kriegsopfer-Abgabe in Höhe von neun Prozent. Ich frage mich schon, wie viele der Opfer heute noch leben, ohne das Ganze sarkastisch klingen zu lassen.

WANN & WO: Wie geht es dir gesundheitlich – denkst du schon an deine Pension?

Didi Tomaselli: Inzwischen hatte ich zwei Bypass-Operationen, dazu kam im Vorjahr eine neue Herzklappe. Ich muss aber sagen, dass dies bei mir nicht von meinem Lebenswandel herrührt, sondern vererbt wurde. Meine Mutter hatte genau dieselben gesundheitlichen Probleme. Inzwischen fühle ich mich aber wieder pudelwohl, zumal ich es in der Nachtigall auch ruhiger angehen lassen kann. Aufgrund meines späten Eintritts in die Arbeitswelt habe ich noch einige Jahre vor mir. Mit meinem hervorragenden Team im Rücken freue ich mich aber darauf. Und später folge ich dann endgültig dem Ruf der karibischen Frauenwelt (schmunzelt).(WANN & WO / Joachim Mangard)

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