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„Diablo Immortal“ im Test: Dieses Gratis-Game verdient Shitstorms!

Die eigentlich großartige mobile Fortsetzung des Kultserie „Diablo“ wird durch derbste Bezahl-Dränglerei komplett verdorben!

(PC, Android, iOS) „Diablo Immortal” ist ein düsteres Action-Rollenspiel, ein flotter Klick-Dungeon-Crawler, aber vor allem eins: eine unglaubliche Enttäuschung. Für Gamer:innen fühlt sich das an, als wenn einem eine Penthouse-Wohnung im Dornbirner Zentrum kostenlos angeboten wird – allerdings muss man sie mit einem tollwütigen Alpaka teilen. Kurz: Ein absolut unmoralisches Angebot mit einem Haken, der alles vermiest. Denn „Immortal“ wäre an sich eine astreine Umsetzung des „Diablo“-Rezepts auf mobile Plattformen (plus PC) – mit gelungener Steuerung, optimiertem Gameplay und dichter Atmosphäre. Dank des Free-2-Play-System gibt‘s das Spiel sogar noch kostenlos! Doch Spieleschmiede Blizzard hat die Monetarisierung auf eine solch übel penetrante und ausbremsende Art eingebaut, dass selbst Hardcore-Fans vor Wut shitstormen.

Kein April-Scherz

Die Vorzeichen standen denkbar schlecht. Bereits 2018, als Blizzard den Mobile-Titel „Diablo Immortal“ erstmals ankündigte, hofften Fans, dass es sich nur um einen missglückten April-Scherz handelte. Vier Jahre später ist aus dem vermeintlichen Witz trauriger Ernst geworden. Besonders bitter: Das Game selbst ist durchwegs gelungen. Das beginnt bei der typisch düsteren „Diablo“-Atmosphäre: So wird wieder eine epische Fantasy-Story um Unsterbliche, Dämonen und den drohenden Untergang erzählt. Zahlreiche Bekannte aus anderen „Diablo“-Teilen treten auf. All das spielt in einer einigermaßen offenen Welt, die trotz Mobil-Tauglichkeit mit einem detailreichen Grusel-Look punktet. Wie üblich schlüpft man in die klassenbasierte Heldenrolle und kämpft sich allein oder mit Online-Mitstreiter:innen durch allerlei Landschaften und Kerker. Um es für den mobilen Mainstream-Markt zugänglicher zu machen, wurde die Charakterentwicklung sowie das Ausrüstungsmanagement vereinfacht. Das beschleunigt das Gameplay deutlich – aber auf Kosten des Tiefgangs. Hier muss/kann nicht mehr lang getüftelt werden, welchen Zauberspruch man lernt oder welchen Helm man aufsetzt. Veteranen stört das, Einsteiger und Casual-Player freuts. Die Steuerung wurde ebenfalls angepasst und ist wohl aktuell das Beste, das dieses Genre für mobile Endgeräte zu bieten hat. Crossplay funktioniert sehr gut: Man kann nahezu nahtlos von einem Gerät (z.B. von PC) auf das andere (z.B. Handy oder Pad) switchen. Darüber hinaus wartet nahezu endlos Content: Neben den Hauptmissionen gibt’s Nebenaufgaben, Dungeons, Zufalls-Ereignissen, Herausforderungen und und und.

Unzählige Bezahl-Optionen

Damit sollte „Diablo Immortal“ der Gaming-Jackpot des Jahres sein. ABER: Das fabelhafte Game wird begraben unter unzähligen Bezahl-Optionen, an die man permanent erinnert wird. Am Anfang stört das wenig, mit fortschreitende Spieldauer jedoch wird es immer nerviger bis unerträglich. Später, wenn man seine Spielfigur jenseits des schnell erreichten Level-Limits weiter entwickeln will, kommt man praktisch gar nicht mehr um Echtgeld-Käufe herum. Die warten an jeder Ecke und vielen verschiedenen Variationen. So können flott Unsummen an Ausgaben zusammenkommen. Bezeichnend: Aufgrund der Lootbox-Mechaniken wird das Game in den Niederlanden und Belgien als verbotenes Glücksspiel gewertet.

Fazit: Obwohl „Diablo Immortal“ im Kern alle Voraussetzungen eines fantastischen Mobile-Action-Rollenspiels erfüllt, kann man aktuell aufgrund der toxischen Monetarisierung nur davon abraten. Wer das Game der Story wegen trotzdem durchspielen will, sollte sich bewusst sein, auf welch hinterlistige Art von digitaler Kaffeefahrt sie/er sich da einlässt.

(VOL.AT)

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