Deutschland überwindet "Italien-Fluch" - DFB-Elf gewinnt im Elfmeterschießen

Enges Duell in Bordeaux
Enges Duell in Bordeaux ©APA
Erstmals gewinnt Deutschland bei einem Turnier gegen Italien, die Löw-Elf zieht nach einem Sieg nach Elfmeterschießen gegen die Squadra Azzurra ins Halbfinale der Euro 2016 ein. Hector sorgte mit dem 18. Elfmeter für die Entscheidung in einem wahren Krimi.
Deutschland-Italien

In Bordeaux duellierten sich im dritten Viertelfinale Deutschland und Italien um ein weiteres Halbfinalticket bei der Euro 2016. Für den amtierenden Weltmeister kam es damit zum Aufeinandertreffen mit dem Angstgegner, in acht Begegnungen bei Großveranstaltungen war Deutschland gegen die Squadra Azzurra zuvor noch kein einziger Sieg gelungen. Teamchef Jogi Löw überraschte mit einer Änderung in der Startaufstellung, für den zuletzt so starken Julian Draxler rückte Benedikt Höwedes in die erste Elf, taktisch agierte man damit in der Defensive mit einer Dreierkette. Auf der Gegenseite fehlten Coach Antonio Conte mit Candreva (verletzt) und Motta (gesperrt) wichtige Spieler, auch der angeschlagene Routinier Daniele De Rossi konnte zumindest nicht von Beginn an auflaufen.

Taktik und Neutralisation pur

Beide Teams neutralisierten sich zu Beginn zumeist, die beiden Torhüter waren noch nicht gefragt, es gab keine nennenswerten Abschlüsse. Eine Viertelstunde war vorüber, da mussten die Deutschen bereits das erste Mal wechseln. Nach einem Zweikampf mit Club-Kollege Chiellini konnte Khedira nicht mehr weiterspielen, für ihn kam Schweinsteiger aufs Feld. Am Spielgeschehen änderte sich vorerst nichts, die beiden Mannschaften nahmen sich aus Respekt vor dem Gegner quasi komplett aus der Partie. Einmal zappelte der Ball zwar im Netz, nach einer Flanke von Hummels köpfte Schweinsteiger ein, der ungarische Schiedsrichter hatte aber bereits zuvor auf Foulspiel des Deutschen entschieden.

So richtig gefährlich wurde es erst kurz vor der Pause. Auf der einen Seite war es Müller, dessen Schuss für Buffon allerdings kein Problem darstellte. Auf der Gegenseite war es Giaccherini, der einen Ball zur Mitte spielte, dort aber keinen Abnehmer fand. Sturaro kam an die Kugel und seinen Versuch lenkte Boateng noch zur Ecke, das war wohl die beste Chance im ersten Durchgang. Ansonsten gab es in den ersten 45 Minuten keine Höhepunkte und es ging folgerichtig mit einem torlosen Remis in die Kabinen.

Özil mit der Führung

Acht Minuten waren nach Wiederbeginn absolviert, da fand die Löw-Elf eine Doppelchance vor. Zunächst war es Müller, dessen gefährlicher Schuss von Florenzi noch zur Ecke abgefälscht wurde. Nach dem fälligen Corner kam die Kugel zum aufgerückten Boateng, aber auch der Innenverteidiger verpasste das Gehäuse von Buffon. Insgesamt war nun mehr Tempo in der Partie, was vor allem an Deutschland lag, die nun in der Vorwärtsbewegung mehr versuchten als noch in Halbzeit eins. Logische Konsequenz war dann auch die Führung für den Weltmeister. Nach einem weiten Pass kam Gomez nach einem Fehler von Florenzi an den Ball. Der Angreifer steckte schön durch auf Außenverteidiger Hector und dessen Zuspiel zur Mitte verwertete Özil zum 1:0 für seine Mannschaft (65.).

Ausgleich vom Elferpunkt

Die DFB-Auswahl war nun klar am Drücker und beinahe hätte Gomez nur wenigen Minuten nach dem Führungstor nachgelegt, Buffon verhinderte mit seinem tollen Reflex aber die Vorentscheidung in dieser Situation. Es dauerte bis in Minute 74, da fanden auch die Italiener ihre erste Gelegenheit in der zweiten Halbzeit vor, ein Abschluss von Pelle verfehlte allerdings sein Ziel doch recht deutlich. Es waren 77 Minuten vorüber, da tauchten die Südeuropäer wieder im gegnerischen Strafraum auf und Boateng spielte nach einer Kopfballverlängerung die Kugel mit der Hand, Referee Kassai entschied sofort auf Elfmeter. Den fälligen Strafstoß verwertete Bonucci eiskalt, Neuer hatte keinerlei Abwehrchance und musste bei diesem Turnier das erste Mal überhaupt hinter sich greifen – 1:1.

Es blieb nach 90 Minuten bei diesem Unentschieden, damit ging dieses Viertelfinale in Bordeaux in die Verlängerung. In diesen zusätzlichen 30 Minuten waren beide Teams überwiegend auf Sicherheit bedacht, sodass sich vor den Toren wieder wenig abspielte. Leichte Vorteile erarbeiteten sich die Deutschen, der mittlerweile eingewechselte Draxler und Müller fanden Möglichkeiten vor. Auf der anderen Seite hatte der ebenfalls eingetauschte Insigne die beste Chance auf einen Treffer, Neuer war aber zur Stelle. Die Bemühungen blieben alle erfolglos und so leuchtete auch nach 120 Minuten ein Spielstand von 1:1 von der Anzeigetafel, die Entscheidung musste also im Elfmeterschießen fallen.

Thriller vom Punkt

In dieser so ungebliebten Lotterie trafen zunächst Insigne und Kroos, dann verschoss der erst kurz zuvor eingewechselte Zaza. Es folgte Müller, dessen Schuss von Buffon abgewehrt werden konnte, alles war wieder offen. Der Italiener Barzagli traf, dann war Torschütze Özil an der Reihe, der den Ball allerdings an den Pfosten setzte. Diesen Vorteil konnte Pelle aber nicht nutzen, der Stürmer verschoss seinen Elfmeter kläglich. Der fünfte Italiener war Bonucci und dieses Mal parierte Neuer, Schweinsteiger konnte die Partie entscheiden. Der Akteur von Manchester United setzte den Ball aber in den Nachthimmel von Bordeaux und auch das Elfmeterschießen ging in die Verlängerung. Der neunte italienische Schütze war Darmian und der Vereinskollege von Schweinsteiger konnte seinen Elfer ebenfalls nicht verwandeln, Neuer wehrte ab. Mit dem insgesamt 18. Elfmeter war es Hector vorbehalten, für die Entscheidung zu sorgen. Buffon war zwar noch dran, die Kugel rutschte aber unter dem Körper des Keepers durch und ein unglaublich dramatisches Viertelfinale war entschieden.

Deutschland überwindet mit diesem Elferkrimi also den “Italien-Fluch”, der Weltmeister steht damit im Halbfinale der Euro 2016, dort trifft die Löw-Elf dann in Marseille entweder auf Frankreich oder Island.

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