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Deutschland nähert sich bis 2015 der Vollbeschäftigung

Nahezu Vollbeschäftigung, ein kräftiger Lohnzuwachs, gesunde Staatsfinanzen: Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sagt Deutschland in den kommenden fünf Jahren einen Boom voraus.

Die Erwerbslosenquote werde bis 2015 auf 4,5 Prozent fallen, schrieben die Forscher in ihrer am Dienstag veröffentlichten Prognose. “Damit rückt Vollbeschäftigung allmählich in Reichweite”, sagte IWH-Forscherin Kristina van Deuverden zu Reuters. Vollbeschäftigung herrscht nach gängiger Definition dann, wenn alle Arbeitswilligen einen Job haben. Als Richtwert dafür gilt eine Arbeitslosenquote von unter vier Prozent. In diesem Jahr liegt sie mit 7,7 Prozent noch deutlich über dieser Schwelle. Die günstige Entwicklung ist dem IWH zufolge aber nicht nur der gut laufenden Wirtschaft zu verdanken, sondern auch der Demografie: In den kommenden Jahren stehen dem Arbeitsmarkt immer weniger junge Menschen zur Verfügung, während sich gleichzeitig immer mehr Beschäftigte in die Rente verabschieden.

Die gute Lage am Arbeitsmarkt dürften die Beschäftigten auch im Portemonnaie spüren. “Damit einher gehen auch höhere Lohnzuwächse als in den vergangenen Jahren”, schrieben die Forscher. Im zu Ende gehenden Jahrzehnt haben sich die Deutschen mit den geringsten Lohnzuwächsen in der Europäischen Union begnügt. Von 2000 bis 2010 stiegen die Bruttoverdienste im Schnitt um rund 22 Prozent – EU-weit dagegen um rund 35 Prozent. Schon jetzt fehlen in einigen Branchen viele Fachkräfte. Um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen, müssen viele Unternehmen mit höheren Gehältern locken.

“Dies und die gestiegene Beschäftigungssicherheit der Arbeitnehmer werden den privaten Konsum merklich stimulieren”, sagen die Experten voraus. Exporte und Investitionen dürften ebenfalls spürbar zulegen. Das IWH rechnet deshalb für 2011 mit einem Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent und für 2012 von 1,7 Prozent. Zwischen 2013 und 2015 soll das Bruttoinlandsprodukt im Schnitt um 1,5 Prozent nach oben gehen.

Der Aufschwung spiegelt sich auch in den Staatsfinanzen wider. “Die Einnahmen aus der Lohnsteuer steigen, während die Sozialausgaben und Lohnersatzleistungen wie Hartz IV sinken”, sagte Van Deuverden. Bis 2013 werde deshalb die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben schrittweise schrumpfen. Ab 2014 soll sogar ein Überschuss von 0,25 Prozent der Wirtschaftsleistung herausspringen, der sich 2015 auf 0,5 Prozent verdoppeln soll. “Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Finanzpolitik ihre Vorhaben zur Haushaltskonsolidierung vollständig umsetzt und zusätzliche Maßnahmen unterbleiben”, betonten die Forscher.

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