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Deutsche Lkw-Maut läuft problemlos

Die nach einer Pannenserie mehrfach verschobene Lkw-Maut in Deutschland läuft nach Angaben des deutschen Verkehrsministeriums seit der Silvesternacht ohne Probleme.

Die eigentliche Bewährungsprobe stand aber mit dem Ende des Feiertagsfahrverbots für Lkw in der Nacht zum Montag noch aus.

„Es funktioniert“, sagte Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) am Sonntag in Potsdam bei einem Besuch im Kontrollzentrum des Maut-Betreibers Toll Collect. Von den insgesamt rund 300 Kontrollbrücken seien am Neujahrstag 20.000 Lkw erfasst worden. Deutsche Spediteure hatten die Befürchtung geäußert, dass besonders in der Anfangsphase viele Maut-Preller ohne Sanktionen davonkommen würden. Konrad Reiss als Vorstand der Deutschen Telekom, einer Muttergesellschaft von Toll Collect, äußerte sich optimistisch mit Blick auf die nächsten Tage. „Ich rechne nicht mit Störungen“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Alle Beteiligten würden noch dazulernen, ein Chaos sei aber nicht zu erwarten.

Am ersten Tag der Lkw-Maut auf deutschen Autobahnen haben rund 500 Fahrer versucht, der Gebühr zu entgehen. Diese müssen die Maut nachzahlen und zudem mit einem Bußgeld rechnen, sagte Stolpe. Insgesamt seien am 1. Jänner etwa 20.000 Fahrzeuge kontrolliert worden. Mautpreller hätten in Zukunft „keine große Chance“. Das jetzige engmaschige Kontrollsystem sei seinen Vorgängern deutlich überlegen. Bei der Eurovignette lag die Quote der Nichtzahler nach Ministeriumsangaben bei etwa fünf Prozent. Die Maut von im Schnitt 12,4 Cent je Kilometer wird für Lastwagen mit mehr als zwölf Tonnen Gewicht fällig. Für die rund 800 Kilometer zwischen Hamburg und München bedeutet dies beispielsweise knapp 100 Euro.

Stolpe empfahl dringend allen Fahrern, von den vier Möglichkeiten der Einbuchung in das Toll-Collect-System Gebrauch zu machen. Dazu dienten außer den so genannten On Board Units (OBU) in den Fahrzeugen und den Terminals an Tankstellen, Raststätten und Grenzübergängen das Internet sowie das private Call-Center „Toll Direct“. Der Minister wies in diesem Zusammenhang auf die drohenden Bußgelder für Mautpreller hin, die sich zwischen 75 und 20.000 Euro bewegen. Der erste Mautpreller wurde bereits am Samstag um 00.08 Uhr geschnappt.

Deutschlandweit sind etwa 560 Kontrollore im Einsatz. Um die Einbuchung vor allem ausländischer Lastwagen in das Mautsystem voranzubringen, will der Minister demnächst mit seinen Amtskollegen in den Nachbarländern Kontakt aufnehmen. Eine erste aussagekräftige Zwischenbilanz sei erst in etwa 100 Tagen, um Ostern herum, möglich.

„Den Härtetest haben wir heute Nacht“, sagte Stolpe mit Blick auf das Ende des Sonntagsfahrverbots am späten Sonntagabend. Dabei sei weniger mit technischen Schwierigkeiten als mit Problemen durch den großen Andrang zu rechnen. Als kritische Punkte gelten die Grenzübergänge Kehl nach Frankreich, Frankfurt/Oder nach Polen und Kiefersfelden nach Österreich. Wegen des Feiertags- und folgenden Sonntagsfahrverbots waren zur Jahreswende nur wenige Lastwagen unterwegs.

Das Maut-Call-Center in Potsdam registriert nach eigenen Angaben seit dem 15. Dezember bislang täglich 4500 Anrufe im Schnitt. Außer Restrierungen und Abmeldungen bieten seine 200 Mitarbeiter im Zehn- Stunden-Betrieb Beratung und Auskünfte zum Mautsystem. In Kürze soll dieser Service rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Weitere Call-Center dieser Art gibt es in Magdeburg und Berlin.

Das deutsche Verkehrsministerium geht von rund 1,4 Millionen mautpflichtigen Lkw aus, von denen täglich etwa eine Million auf der Straße sind; schätzungsweise ein Drittel kommen aus dem Ausland. Das Ministerium erhofft sich jährliche Mauteinnahmen von drei Milliarden Euro. Das satellitengestützte Mautsystem rechnet je nach Achsenzahl und Schadstoffausstoß für Lkw ab zwölf Tonnen durchschnittlich 12,4 Cent pro Autobahn-Kilometer ab. Der Staat erhofft sich davon im laufenden Jahr Einnahmen für den Bau von Straßen, Schienen und Wasserwegen von 2,4 Milliarden Euro.

Die Maut sollte ursprünglich bereits Ende August 2003 eingeführt werden. Wegen technischer Pannen wurde der Starttermin mehrmals verschoben. Hinter dem Mautbetreiber Toll Collect stehen DaimlerChrysler, die Deutsche Telekom und die französische Cofiroute.

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