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Der Zauber des Nordlichts

©SRT
Der Golfstrom macht Island zum Winterziel – und billig ist es obendrein.
Bilder

Der Geysir braucht nur zwei Minuten, um sich zu sammeln. Heißes Wasser läuft in einem vier Quadratmeter großen Loch zusammen. Dann gluckst es. Für Sekunden bildet sich eine Halbkugel aus aufsteigendem Wasser. Plötzlich zischt alles in die Senkrechte hoch – und regnet sich wieder ab. Das Naturschauspiel beginnt von vorn. Island steht unter Dampf, dabei heißt es im Englischen „Iceland“ und erinnert damit an Eis und Kälte. Am liebsten wäre den Isländern ein Name wie Heißland, denn immerhin wachsen dort auch Bananen – im Gewächshaus. „Es ist hier im Januar genau so mild wie in Hamburg“, sagt Thomas Möller, ein isländischer Wirtschaftsingenieur, und erzählt vom wärmenden Golfstrom.

Wärmender Golfstrom

Oft höre er Vorurteile über seine Insel wie „zu dunkel“, „zu weit weg“, „zu teuer“. Doch die seien alle falsch. Und in der Tat: Vor allem Letzteres hat sich vor etwas mehr als einem Jahr erledigt, als mehrere Banken im Zuge der Weltfinanzkrise bankrott gingen, so dass der isländische Staat einspringen musste.

Die Banken hatten zu hohe Profite versprochen, die sie nun selbst nicht mehr zahlen konnten. Ihr riskant angelegtes Geld war weg. Der Staat konnte mit seinem kleinen Haushalt nur helfen, da mehrere Staaten und die Europäische Gemeinschaft gleichzeitig als Bürgen auftraten.

Abwertung dramatisch

Die Krone wurde nach dem Crash dramatisch abgewertet. Seitdem strömen die Touristen ins Land. Im Jahr 2000 waren es noch 300.000, so viele wie Island Einwohner hat. Jetzt sind es mehr als eine halbe Million Urlauber. „Zwar ist bei uns nicht längst alles billig“, sagt Möller, „aber die Preise sind jetzt etwa auf dem Niveau wie in Deutschland – und bei weitem nicht so hoch wie früher.“ Und weit weg ist die Vulkaninsel auch nicht – der Flug von Friedrichshafen nach Reyk-javik dauert gerade mal dreieinhalb Stunden.

Viele kommen neuerdings zu mehrtägigen Kurzreisen übers Wochenende, andere legen auch bei ihrem USA-Flug einen Zwischenstopp in der isländischen Hauptstadt ein und entspannen sich im 40 Grad warmen Wasser der Blauen Lagune. Die wirklich heißen Temperaturen liegen in Island nur ein paar Meter tiefer, wie die Geysire eindrucksvoll vor Augen führen. Die Insel, vor rund 20 Millionen Jahren an der Kante zwischen der nord-amerikanischen und eurasischen Kontinentplatte empor gequollen, hat noch rund 20 aktive Vulkane. Die Tiefenwärme liefert Warmwasser und wird sogar zur Stromgewinnung genutzt.

Grünes Polarlicht

Wenn im Winter die schon am späten Nachmittag untergehende Sonne den Abend früher beginnen lässt, sind die Schleier und Strahlen des grünlichen Nordlichts zu bewundern. Geladene Teilchen des Sonnenwindes treffen im Dezember und Februar besonders häufig auf die Erdatmosphäre, deren obere Luftschichten dadurch zu leuchten beginnen. Nördlich des 60. Breitengrades ist das nachts gut zu sehen. Mit Mystik und Sagen untermalen die Einheimischen die Polarlichter. Denn das Land hat viele Fabeln. Etwa jeder zehnte Isländer ist Hobbyschriftsteller und hat schon eine Geschichte veröffentlicht. „An Elfen und Trolle glauben wir nicht“, sagt Einar Kárason, der diesjährige Träger des isländischen Literaturpreises, „aber das erzählen wir selten, denn wir wollen den Mythos über uns in aller Welt nicht zerstören.“

Gerade jetzt, an den langen Winterabenden, empfängt der Isländer gern ausländische Gäste am Kamin, zur Sauna oder zu einem Feuerwerk an Kultur. Musik in allen erdenklichen Klangmustern ertönt in Reykjavik. Die Sängerin Björk ist fast eine Nationalheilige und Rock, Pop und Jazz sind eine Volksbewegung. Nahezu aus jeder Garage scheppert ein Schlagzeug oder sind Trompetentöne zu hören.

Gammelrochen und Hai

Auch die Kulinarik ist eine eigene: Während in den Restaurants delikater Dorsch, Lachs, Heilbutt und Schellfisch den Teller füllen, wird Gemüse eher in homöopathischen Dosen gereicht. Geräuchertes Lamm und Schweinerücken gelten genau wie Alpenschneehühner als Delikatesse. Doch Vorsicht: Es gibt ein Adventsgericht, das nach Schnaps zum Desinfizieren verlangt: Gammelrochen. Da er seinen Harnstoff im ganzen Körper speichert, muss diese isländische Rochenart mehr als einen Monat am Strand vergraben und unter Luftabschluss entgiftet werden. Auch fermentierter Hai verirrt sich im Winter häufig auf die Speisekarte.

„Die Isländer sind wirklich anders“, sagt Barmanager Tomislav Magdic, der vor zehn Jahren aus Kroatien nach Reyk-
javik kam. Er fügt lächelnd hinzu: „Sie zucken nicht beim Fischessen, sie sind eigensinnig und großherzig – und das mag ich an ihnen.“

(VN-srt/J. Blücher)

200.000
Menschen – rund 60 Prozent aller Einwohner Islands – leben in Reykjavik. Dadurch ist die nördlichste Hauptstadt der Welt auch das Zentrum für sämtliche Einrichtungen des öffentlichen Lebens, der Bildung, Kultur und Unterhaltung.

Billig wie nie zuvor
Auf einer Rangliste des Reiseführers Lonely Planet zu den zehn günstigsten Urlaubszielen rangiert Island auf Platz eins: „Wolltest du immer schon einmal dieses märchenhafte, mysteriöse Land entdecken, Eiskappen und Vulkane erkunden und in heißen Quellen baden? Dann ist 2010 dein Jahr“, so die Empfehlung.

ISLAND-INFOS

– Klima. Aufgrund des warmen Golfstroms ist das Klima in Island milder als in anderen Regionen dieser Breitengrade. Die Winter sind vergleichsweise mild, die Sommer eher kühl.
– Rauchen. Wie in den skandinavischen Staaten gibt es alkoholische Getränke nur in staatlichen Monopolläden, Tabakwaren dürfen in den Geschäften nicht offen einsehbar sein. Seit 1. Juni 2007 ist das Rauchen in Island in Restaurants, Cafés und öffentlichen Gebäuden verboten.
– Gesundheit. Mit einer Bevölkerungszahl von 300.000 und einer Fläche von 103.000 Quadratkilometern ist Island das am dünnsten besiedelte Land Europas. Und ein gesundes: Die Lebenserwartung liegt mit 81,3 Jahren bei Frauen und 76,4 Jahren bei Männern an der Weltspitze.

13 Weihnachtsmänner
Was den Islandfahrer bis Weihnachten beschäftigt, sind ein grün gestrichenes Lattengerüst als Weihnachtsbaumersatz und die 13 Weihnachtsmänner. Sie wohnen – der Sage nach – mit ihrer Mutter und einer großen Weihnachtskatze in einer Höhle. Nacheinander besuchen sie die Isländer: der erste am 12. Dezember, der letzte kommt an Heiligabend vorbei. Vom 25. Dezember an rückt täglich wieder einer ab, so dass am 6. Januar der Spuk vorbei ist. Die verschmitzten Burschen gelten als Spaßvögel. Der Islandurlauber wird Zeuge dieses bunten Treibens und kommt gerade in der Winterzeit in den Genuss der hohen Kochkunst in den Restaurants.

Geysire
In Island gibt es 25 bis 30 Geysire, die jedoch nur gelegentlich ausbrechen. Der „verlässlichste“ ist der Strokkur, der im Abstand von wenigen Minuten aktiv ist.

Gletscher
Der Vatnajökull ist mit 8000 km² Europas größter Gletscher. Schwarze Sandebenen, grüne Oasen und Berggipfel bilden den idealen Rahmen für Wanderungen.

REISEINFORMATIONEN

Anreise. Bodensee-Airport Friedrichshafen bietet einen Linienflug ohne Umsteigen nach Reykjavik an. Iceland Airways fliegt mehrmals wöchentlich von München, Berlin und Frankfurt nach Keflavik.
Unterkunft. 133 Bauernhöfe bieten rund 4000 Betten ab wenigen Euro, Buchung: Icelandic Farm Holidays, Internet: www.farmholidays.is.
Sprache. Isländisch ist verwandt mit dem Dänischen, Schwedischen und Norwegischen – Englisch wird aber fast überall gesprochen.
Währung. Die Währung Islands ist die Isländische Krone (ISK) – 100 ISK haben den Gegenwert von 0,53899 Euro.
Weitere Infos: Isländisches Fremdenverkehrsamt, Tel. +49 6102 254484, Internet www.visiticeland.com. Tourist Information Centre Reykjavik, Tel. +354 5901550, E-Mail: info@visitreykjavik.is.

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