Der Vorarlberger Trainergipfel

©VMH/Klaus Hartinger
Erstmals in der Geschichte des Vorarlberger Fußballs spielen vier Klubs in der ADEG Erste Liga. Vorarlbergs Erstliga-Trainer standen den "VN" Rede und Antwort.

Sechs Tage vor dem Meisterschaftsstart haben die Trainer Adi Hütter (cashpoint SCR Altach), Edi Stöhr (Austria Lustenau), Nenad Bjelica (FC Lustenau) und Armand Benneker (FC Dornbirn) ihre Saisonziele sowie Eindrücke vor dem Start geschildert.

VN:

Ist die Vorbereitung wunschgemäß verlaufen? Benneker: Wir haben ja schon Anfang Mai das Training für einen möglichen Aufstieg umgestellt. Die Spieler, die neu dazugekommen sind, haben noch körperliche Defizite. Daher werden wir die Vorbereitung bis Ende Juli durchziehen, ohne Rücksicht auf die Meisterschaft. Für mich ist es wichtig, dass die Spieler mit einer guten Grundlage ausgestattet sind. In Sachen Kaderzusammenstellung wollen wir die Zeit bis zum 31. August nützen, um eventuell noch Spieler zu holen. Wir werden aber unsere Philosophie beibehalten und auf junge Spieler setzen. Hütter: Als ich gekommen bin, hatte außer Alex Guem kein Spieler einen Vertrag. Einige wollten bleiben, andere gehen. Für jene Akteure die ich wollte, habe ich mich eingesetzt. Es ist natürlich nicht einfach in kurzer Zeit so viel neue Spieler zu einer Mannschaft zu formen. Unser Einkaufsprogramm ist noch nicht abgeschlossen. Wir sind auf der Suche nach einem Angreifer. Zwei Ausländerplätze sind noch frei. Es ist uns gelungen, viele Österreicher bzw. Vorarlberger in den Kader zu holen. Ich bin mit unseren Aktivitäten durchaus zufrieden. Es hat sich gezeigt, dass das Team willig und hungrig ist. Bjelica: Ich bin mit der Vorbereitung sehr zufrieden. Die Mannschaft hat vom ersten Tag an gut trainiert. Es hat sich keiner gröber verletzt, der Kader ist sehr ausgeglichen. Wir werden nur noch aktiv, wenn uns Spieler verlassen sollten. Stöhr: Unsere Vorbereitung hat mit einem Paukenschlag begonnen. Wenn ein Spieler (Anm. d. Red.: Amadou Rabihou), der zwei Tage länger im Urlaub war mit einer schweren Verletzung zurückkehrt, ist das nicht so einfach. Wir haben zudem Martin Dorner und Gerald Krajic verloren, die wollten wir adäquat ersetzen. Mit Benjamin Freudenthaler fanden wir einen Ersatz für Dorner. Im Angriff haben wir einen Tunesier geholt. Allerdings gibt es hier noch Probleme mit den Transfermodalitäten. Trotzdem ist die Vorbereitung gut verlaufen, die Mannschaft besteht aus einem guten Stamm.

VN:

Welches Saisonziel wurde ausgegeben? Hütter: Optimal wäre natürlich ein Wiederaufstieg. Vom Meistertitel mit einer neuen Mannschaft zu sprechen passt mir aber nicht. Auch wir haben uns ein internes Ziel gesteckt. Ich weiß, dass die Erwartungen in Altach groß sind. Ich bin aber auch hierher gekommen um erfolgreich zu sein. Daher sind meine Erwartungen ebenfalls sehr hoch. Stöhr: Auch für uns gilt es nach einer turbulenten Saison wieder Stabilität zu finden. Das Team soll locker und befreiter spielen können. Platz vier aufwärts ist unsere Zielsetzung. Benneker: Wir wollen zuerst einmal in der Liga ankommen. Offiziell ist unser Minimalziel der Klassenerhalt. Wobei wir unser Saisonziel intern ausgeben werden. Der Klassenerhalt klingt für mich einfach zu negativ. Bjelica: Wir gehen mit hohen Erwartungen in die neue Saison. Im Gegensatz zum Vorjahr möchten wir eine ruhigere Saison spielen. Das Team ist sehr erfahren und wurde mit guten Spielern ergänzt. Ich glaube wir können um Platz drei oder vier mitspielen.

VN:

Wie beurteilen Sie die Rückkehr zur Zehnerliga? Stöhr: Die Zehnerliga ist eine Bündelung von Qualität. In Österreich ist einfach zuwenig Geld vorhanden, um richtige Strukturen zu schaffen. Mich stört die Nachwuchsregelung in der zweiten Liga, die sechs U21-Spieler vorsieht. Die ist bei den Haaren herbeigezogen. Die Rückkehr zur Zehnerliga bringt den Vereinen mehr Geld, aber richtig durchdacht ist alles zusammen nicht. Benneker: Viele Vereine denken dabei nur ans Geld. Die Diskussion nach der Größe der Liga ist doch sinnlos. In bin in Holland aufgewachsen, da gibt es 38 Profivereine. In der zweiten Liga muss keiner absteigen. Da ist der Druck für die Vereine nicht so groß. Hier können sich junge Spieler entwickeln. In Österreich ist die Ausbildung sehr gut, doch der Übergang von der Akdemie zum Profifußball nicht optimal. Hütter: Ich kann nur teilweise mit den Aussagen meines Kollegen Benneker konform gehen. 26 Vereine sind meiner Meinung nach aber auch zuviel. Ich finde es jedoch schade, dass die Amateurteams von Salzburg und Wien aus der zweiten Liga verschwinden. Hier gab es viel Platz für junge Spieler. Bjelica: Ich finde die Rückkehr zur Zehnerliga absolut richtig. Das wird die Qualität erhöhen. Zudem müssen sich die jungen Spieler mehr beweisen. In Salzburg oder Gratkorn kamen 200 Zuschauer, in Dornbirn werden doch erheblich mehr Fans dabei sein.

VN:

Wie sehen Sie die Konkurrenz von drei anderen Ländle-Klubs in derselben Liga? Benneker: Für Vorarlberg ist es eine gute Werbung. Ich persönlich freue mich auf viele Derbys. Es wird sich zeigen in welche Richtung es die Zuschauer zieht. Hütter: Es wird sehr interessant und spannend. Ich bin überzeugt, dass es möglich ist, vier Ländle-Klubs in der zweiten Liga zu haben. Für uns bedeutet dies weniger Reisestrapazen und mehr Regeneration für die Spieler. Bjelica: Ich glaube, die Spieler können davon profitieren. Trotz der vielen Derbys darf man nicht vergessen, dass es in einem Spiel gegen Gratkorn auch um Punkte geht. Stöhr: Die Saison wird zeigen, wie sich alles entwickelt. Es gibt nicht mehr so viele Auswärtsfahrten, dafür mehr Zeit für Training und Regeneration. Die Derbyspiele sind sehr attraktiv, können sich aber in dieser Menge auch abnützen und das Gegenteil bewirken.

VN:

Werden die 18 Derbys den Titelkampf beeinflussen? Wenn ja, warum? Bjelica: Die Punkte in einem Derby haben den gleichen Wert wie in jeder anderen Begegnung. Wichtig ist, dass sich die Spieler nicht nur auf die lokalen Aufeinandertreffen konzentrieren. Benneker: Die Frage stellt sich für uns nicht, da wir nicht vorne mitspielen werden (lacht). Ich glaube aber, dass die Derbys für uns ein Vorteil sind. Hier herrschen andere Gesetze und viele einheimische Spieler treffen aufeinander. Hütter: Es sind in einem Derby auch nicht mehr als drei Punkte zu vergeben. Für mich ist der FC Admira klarer Titelfavorit, ob sie damit umgehen können ist allerdings die andere Frage. Stöhr: Wenn man Erfolg haben will, muss man auch andere Spiele gewinnen. Natürlich sind Derbys sensible Partien, aber man sollte sie nicht überbewerten. Für mich auf jeden Fall sind es Meisterschaftsspiele wie alle anderen.

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