Der unbekannte Milliardär - Tchibo-Erbe Günter Herz wird 75

Tchibo-Erbe Günter Herz wird 75
Tchibo-Erbe Günter Herz wird 75 ©AP
Über Jahrzehnte führte Günter Herz den Kaffeeröster Tchibo und formte ihn zu einem großen Handelskonzern. Dann musste er seinen Platz räumen. Heute verwaltet Herz sein Vermögen und widmet sich der Pferdezucht.

Günter Herz ist einer der reichsten Deutschen. Er baute das väterliche Erbe, den eher mittelständischen Kaffeeröster Tchibo, zu einem Milliardenkonzern aus. Mehr als 35 Jahre stand Herz an der Spitze des Unternehmens. Anfang 2001 musste er gehen und wurde später gemeinsam mit seiner Schwester Daniela mit mehr als 4 Mrd. Euro abgefunden. Die Hamburger Milliardärsfamilie Herz – die Mutter und fünf Kinder, von denen eines nicht mehr lebt – ist tief zerstritten. Günter Herz, der älteste Sohn von Ingeburg und Max Herz, feiert am Mittwoch (22.7.) seinen 75. Geburtstag.

Heute züchtet er Traberpferde

Wenn er denn überhaupt feiert. Günter Herz lebt mitten in Hamburg. Das Büro seiner Vermögensverwaltung Mayfair liegt in Toplage nahe der Binnenalster. Doch nimmt er keinen sichtbaren Anteil am gesellschaftlichen Leben in der Hansestadt, ist nicht auf Partys oder Events, bei Festveranstaltungen oder im Theater zu sehen, hält keine Vorträge und macht nicht als Mäzen auf sich aufmerksam. Günter Herz verbringt seine freie Zeit auf seinem Gestüt Lasbek bei Hamburg. Dort züchtet er Traberpferde, seit 50 Jahren schon. “Ich kann die Wochenenden meiner Ehe zählen, an denen wir nicht hier waren”, hat seine Frau Uta vor Jahren einmal einer Reporterin anvertraut. Und diese Ehe dauert schon mehrere Jahrzehnte.

Als Tchibo-Chef entwickelte Herz den Handel mit Textilien und Gebrauchsartikeln zum zweiten Standbein von Tchibo. Er war auch verantwortlich für den Einstieg beim Nivea-Hersteller Beiersdorf und die Übernahme des Zigarettenkonzerns Reemtsma – alles äußerst erfolgreiche Deals. 1997 übernahm Tchibo schließlich den Hauptkonkurrenten Eduscho und stieg damit zum Marktführer im Kaffeegeschäft in Deutschland auf. Als Tchibo-Chef kann Herz eine starke Erfolgsbilanz vorlegen.

“Ich will wieder ein Unternehmen leiten”, verkündete Günter Herz, nachdem seine Brüder ihn bei Tchibo erst entmachtet und schließlich ganz aus dem Familienkonzern herausgedrängt hatten. Doch es erwies sich als schwierig, geeignete Investitionsobjekte zu finden. Beim Sportartikelhersteller Puma stieg die Herz-Holding Mayfair erst ein und dann mit einem üppigen Gewinn wieder aus.

Ende 2006 kaufte Herz für 575 Mio. Euro den Germanischen Lloyd, einen maritim ausgerichteten Technik-Dienstleister und Prüfkonzern. Das trug dem Unternehmer in Hamburg viel Beifall ein, weil er damit einen feindlichen Übernahmeversuch des französischen Konkurrenten Bureau Veritas vereitelte. Doch sechs Jahre später fusionierte er den Germanischen Lloyd mit Det Norske Veritas zum neuen Konzern DNV GL mit einem Jahresumsatz von 2,5 Mrd. Euro und 16.000 Beschäftigten. Daran ist Mayfair mit 36,5 Prozent beteiligt. Für Hamburg blieb der wichtige maritime Unternehmensbereich des norwegischen Konzerns.

Beteiligt bei “Vapiano”

Über die Jahre wurde Herz mit zahlreichen möglichen Übernahmen und Unternehmenskäufen in Verbindung gebracht, doch das waren meistens nur Gerüchte. Tatsächlich beteiligte er sich an der Restaurantkette Vapiano. Die Mayfair-Holding, benannt nach einem Pferd, hat sieben Gesellschafter, neben Günter Herz und seiner Schwester auch beider Kinder, die überwiegend auch in den Gremien der Firma mitarbeiten.

Nach dem Jahresabschluss für 2013 verdiente Mayfair 370 Mio. Euro und hatte Gewinnvorträge von mehr als 2 Mrd. Euro in der Bilanz stehen. Der Konzern sei im landwirtschaftlichen Bereich, in der Molekulardiagnostik und in der Herstellung von Baumaterialien tätig, heißt es in den Erläuterungen. Günter Herz sagt dazu nichts, sondern äußerte sich in den vergangenen Jahren nur einmal ausführlich in der Öffentlichkeit – zu Fragen des Trabrennsports.

(APA)

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