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Der Tag der Zeugnisverteilung

Eric Ganahl hat im Team der Bauleitung unter anderem die Aufgabe übernommen, die Bauarbeiten im Silvrettastollen zu koordinieren und zu überwachen.

Wenn er an die nächsten Monate denkt – besonders das erste Füllen der Oberwasserführung – geht auch bei dem erfahrenen Baufachmann der Puls in die Höhe: „Wir haben alle in den letzten Jahren unser Bestes gegeben – in den kommenden Monaten sehen wir, ob das, was wir uns ausgedacht und gebaut haben, auch tatsächlich so funktioniert, wie wir uns das vorstellen“, so Ganahl, „das kann man durchaus mit einer Zeugnisverteilung vergleichen.“

Stabil und dicht
Bis es soweit ist, müssen Ganahl und sein Team allerdings noch einige Arbeit leisten. „Derzeit arbeiten wir an den letzten Injektionen im Stollen“, erzählt der Bauleiter. Das bedeutet, dass die Experten in Absprache mit den Geologen vor Ort ein Wasser-Zement-Gemisch in vorgebohrte Löcher pumpen, um einerseits die Dichtheit zu verbessern und späteren Wasserverlust zu vermeiden und andererseits für Stabilität zu sorgen und ein Nachgeben des Betons zu verhindern. Nach diesen Arbeiten folgt der nächste Schritt: Die Bohrlöcher werden verschlossen und der Beton so abgeschliffen, dass es keine rauen Kanten mehr gibt – schließlich soll der Weg für das Wasser vom See zur Maschine möglichst geschmeidig sein.
Ein sauberer Stollen
Bevor man den Stollen dann füllen kann, muss er gereinigt werden. „Jedes noch so kleine Bätzchen Dreck könnte den Maschinen schaden, deshalb muss hierbei äußerst gründlich vorgegangen werden“, erklärt Ganahl. Nägel, Schrauben, Holz- oder Betonreste werden also zuerst entfernt – anschließend waschen die Bautrupps den gesamten Stollen mit dem Hochdruckreiniger im gesamten Profil aus. Ist dieser „Waschgang“ fertig, erfolgt noch eine Begehung. Während dieser werden alle Risse und Fugen im Stollensystem genauestens dokumentiert. Das ist deshalb wichtig, um nach dem ersten Probebetrieb einen Vergleich anstellen zu können, ob sich hier etwas verändert hat und gegebenenfalls noch einmal nachgearbeitet werden muss. Nach diesem Arbeitsschritt erfolgt die Schlussbegehung.
Luken dicht
Erst jetzt werden die letzten Öffnungen des Systems geschlossen. Die so genannten Mannlochdeckel werden angebracht, die Plomben verschlossen, das Ausbaurohr wird eingebaut und abgedichtet. Ende Februar soll es soweit sein, dass schließlich über die so genannten Füllschieb er im Schützenschacht Wasser ins Stollensystem geleitet wird. Hier gibt es genaue Vorgaben, wie viele Liter pro Sekunde ins System fließen dürfen und wie schnell der Wasserspiegel im Stollen steigen darf. Jeder einzelne dieser Schritte wird genauestens überwacht. Über Drucksensoren und die Stollenquerschnitte wissen die Experten ganz genau, wie viele Liter oder Kubikmeter Wasser im Stollen sind. Während des Füllprogramms sind immer wieder auch Pausen vorgesehen. Auch zu dieser Zeit werden die Messdaten genau überwacht.
Beton nimmt Wasser auf
Bei dieser ersten Füllung müssen sehr viele Einflussfaktoren berücksichtigt werden. In die Berechnungen muss beispielsweise auch einfließen, dass sich der Beton mit Wasser sättigt. Dies alles spielt sich in einem kaum messbaren Ausmaß ab, wirkt sich auf die Länge von 2,8 Kilometern, die der Silvrettastollen misst, aber durchaus aus.
Fünf bis sieben Tage dauert es laut Eric Ganahl vom ersten Tropfen bis zum so genannten Druckausgleich. Das ist dann der Fall, wenn das gesamte Stollensystem gefüllt und der Wasserspiegel im Silvrettasee und dem Wasserschloss identisch ist. Ist das erst einmal passiert, können im Erfolgsfall die Schützentafeln hochgefahren und in weiterer Folge die Kugelschieber geöffnet werden – sodass das erste Mal Wasser an der Turbine ansteht – und dann stehen auch die Zeugnisnoten fest, die Eric Ganahl und das Team der Illwerke sowie der ausführenden Unternehmen für Ihre Arbeit der letzten Jahre erhalten werden.
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