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Der Papst geht ins 25. Dienstjahr

Zwar weigert sich Johannes Paul II., Jahrestage und Jubiläen zu feiern. Doch wenn er am Mittwoch sein 25. Dienstjahr beginnt, bietet er seinen Anhängern etwas Besonderes.

Der alte Pole, dem es Dank neuer Medikamente gegen die Parkinsonkrankheit so gut wie lange nicht mehr geht, präsentiert der Generalaudienz eine Neufassung des Rosenkranz- Gebets. Fünf neue „Geheimnisse Jesu“ fügt er dem Gebet hinzu, es ist die erste größere Änderung seit fast 500 Jahren. „Aufwertung des Rosenkranzes“, nennt man das im Vatikan – ganz im Sinne des streng konservativen Papstes.

Doch in Deutschland und anderen Ländern Europas beten immer weniger Menschen den Rosenkranz. Erreicht der Papst sie noch, oder predigt er immer mehr an den Gläubigen vorbei? Nicht zufällig berichten etwa römische Zeitungen pünktlich zum Jubiläum von Forderungen nach einem neuen Kirchenkonzil – einer großen „parlamentarischen Versammlung“ der Bischöfe, die längst überfällige Reformen endlich auf den Weg bringen könnte. „Die Kirche ist gespalten“, schreibt eine Zeitung dazu. Vor allem der stramm konservative bayerische Kurienkardinal Joseph Ratzinger sei dagegen.

Noch ist ein Konzil ein Tabuthema im Vatikan. „Solange der Papst lebt, redet man nicht gerne öffentlich über ein Konzil, das gilt als unschicklich“, kommentiert ein Theologe im Vatikan. Auch der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hat über die Notwendigkeit schon mal im kleinen Kreis nachgedacht. Ebenso wie der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper. Nur öffentlich hält man sich gerne bedeckt.

Themen gibt es mehr als genug. Jeder im Vatikan kennt die ungelösten Probleme, an denen die Kirchen vor allem in Europa leiden:
Priestermangel, Gottesdienste vor leeren Bänken, Zölibat, Verbot der Priesterweihe für Frauen. Ratzinger, einer der Papstvertrauten und Chef der Glaubenskongregation, hält ein drittes Konzil dagegen für „verfrüht“. Schließlich sei das zweite Konzil, das die Öffnung der Kirche zur modernen Welt beschlossen hatte, gerade mal 40 Jahre her.

„Das macht der nächste Papst“ – immer öfter ist dieser Satz jetzt im Kirchenstaat zu hören, wenn drängende Fragen angesprochen werden. „Endzeit eines Pontifikats“, nennen das die Theologen. Andere sprechen von Götterdämmerung.

24 Jahre ist der jetzige „Stellvertreter Christi“ im Dienst, 98 Auslandsreisen hat er gemacht, Millionen Menschen begeistert, der Kirche seinen Stempel aufgedrückt, wie nur ganz wenige Vorgänger. Der „Mann aus der Kälte“, der sich so trefflich auf den Umgang mit den Medien vesteht, brachte Aufbruch und Stagnation zugleich. „Der letzte große Konservative ist zugleich der letzte große Rebell gegen die herrschenden Verhältnisse“, schreibt der deutsche Autor Jan Roß.

„Der Papst hat zwei Gesichter“, meinen auch Papstkenner im Vatikan; Gesellschaftspolitisch „kritisch bis links“, doch kirchenpolitisch konservativ. Seine Härte, sein Starrsinn in Sachen Geburtenkontrolle und Sexualität hat Gläubige nicht nur in Deutschland enttäuscht, verbittert und entfremdet. Vor allem: Viele gläubige Katholiken hören gar nicht mehr genau hin, wenn der Papst zu diesen Themen spricht.

„Der Widerspruch zwischen öffentlichem Aufsehen und dem tatsächlichen schwindenden Einfluss bei den Katholiken wurde zum ungewollten Leitmotiv des Papstes“, schreibt der deutsche Vatikankenner Hanspeter Oschwald in seinem Buch. Großer Publikumserfolg – geringe Wirkung. Der italienische Vatikanist Giancarlo Zizola drückt das etwas farbiger aus: „Man jubelt dem Sänger zu, aber keiner kümmert sich um den Liedtext.“ Das könnte auch bei den päpstlichen Neuerungen zum Rosenkranz an diesem Mittwoch so

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